
Habe die Thailänder als überaus angenehme, vernünftige und gemässigte Menschen kennengelernt.
Warum sie trotzdem nicht vor absurden politischen Thorheiten gefeit sind, ist nur schwer zu begreifen.
Auf der einen Seite stehen die Anhänger des „Emporkömmlings“ Thasksin, der von westlichen Medien immer wieder als der “ thailändische Berlusconi“ bezeichnet worden ist. Auf der anderen Seite das Bündnis der ehemaligen Elite, welches scheinbar von Justiz, Polizei und Armee unterstützt wird (Anders wäre auch die Flughafenbesetzung kaum möglich gewesen)
Von einer Einmischung von Außen (wie sie gerne in solchen Krisen unterstellt wird) kann bei diesem Konflikt kaum ausgegangen werden.
Gewisse Parallelen sehe ich trotzdem zum Sturz Mossadeghs im Iran 1953.
Nach heutiger Sicht wird dieser Sturz dem CIA zugeschrieben, der durch die Operation Ajax die Absetzung Mossadeghs betrieben hatte. Die Unterstützung des Sturzes eines demokratisch legitimierten Politikers zugunsten einer Diktatur war mit Sicherheit kein Ruhmesblatt der US Aussenpolitik. Die Angst im kalten Krieg ein weiteres Land an die Kommunisten zu verlieren, verschuldete wohl jenen Suendenfall.
Entscheidend für das Gelingen des Sturzes war jedoch vielmehr die aktive Beteiligung der persischen Elite. Moeglicherweise wäre die Absetzung Mossadeghs sogar ohne CIA Hilfe erfolgreich durchgeführt worden. Leider wird seitdem gerade bei intellektuellen Iranern – oftmals die Kinder der Elite, die Mossadegh abgesetzt hatte (auch im damaligen Iran studierten wohl vornehmlich Menschen aus der Mittel- und Oberschicht) – die USA für alle negativen Entwicklungen im Iran verantwortlich gemacht.
Zwischen Thaksin und Mossadegh bzw den Bewegungen, welche diese populistischen, jedoch demokratisch legitimierten Politiker stürzen wollten, sind einige Gemeinsamkeiten zu finden.
Mossadegh konnte sich auf eine Mehrheit der Bevölkerung stützen. Beide wurden jedoch von mächtigen Teilen der Bevölkerung des Landes (insbesondere dem Militär) angefeindet.
Im Gegensatz zu Mossadegh, bei dem zu befürchten war, dass dieser sich an die UdSSR annähern und die junge persische Demokratie abschaffen würde, um ein sozialistisches System zu errichten, besteht beim Unternehmer Takhsin kaum eine derartige Gefahr.
Es bleibt zu hoffen, dass eine drohende Eskalation nicht zu ähnlichen politischen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen wie im Iran führen wird.
Auch die Perser sind ein wunderbares Volk. Dass ausgerechnet die intelligenten und kultivierten Iraner vom unwirklichsten und fanatischsten Regime unserer Zeit beherrscht werden (und sich beherrschen lassen), gehört zu den größten Perversionen der aktuellen Zeitgeschichte.