Warum die Italiener Berlusconi wählten

Berlusconi ist seit jeher ein Hassobjekt der europäischen Medien – in Österreich würde der “Skandal-Mafia-Lustgreis” keine 5 % der Stimmen bekommen. Dass er in Italien die Wahlen gewinnt, können sich viele europäische Journalisten nur damit erklären, dass Berlusconi die italienischen Medien beherrsche und damit die italienische Demokratie untergrabe.

Berlusconi verfügt zwar über enorme Medienmacht – die Pressefreiheit wurde von Berlusconi jedoch in keiner Weise eingeschränkt. Italien hat nach wie vor eine vielfältige Medienlandschaft. Fast alle großen Tageszeitungen sind Berluconi-kritisch.

Die Italiener wählten Berlusconi, weil sie (genauso wie die Österreicher) eine Mitte-Rechts-Regierung wollten.

Beim Thema Außenpolitik formen in Österreich (sowie in den meisten anderen europäischen Ländern) linke Journalisten die öffentliche Meinung und sorgen dafür, dass die Österreicher, ein Volk von Schwarz/Blau/Orange-Wählern, mit empörtem Kopfschütteln auf die italienischen Verhältnisse blicken.

(auch umgekehrt hatte sich Italiens “öffentliche Meinung” über Österreichs schwarzblaue “Nazi-Regierung” heftig empört)

Italiens Demokratie hat tatsächlich seit jeher große Defizite:

Eine antidemokratische Partei war die zweitstärkste politische Kraft im Nachkriegs-Italien. So waren die demokratischen Kräfte gezwungen, fast 45 Jahre lang eine Koalition gegen jene antidemokratische Partei zu bilden.

Das führte zu ungefähr 50 Regierungswechseln und massiver Korruption, da sich die Koalitionsregierungen naturgemäß immer aus denselben Parteien und Politikern zusammensetzten mussten.

Diese Polarisierung lähmt das Land auch nach Zusammenbruch des Kommunismus.

Dabei ist der unüberbrückbare Gegensatz zwischen “rechts”und “links” nirgendwo artifizieller als in Italien.

Die konservativsten und bürgerlichsten Leute wählen kommunistisch: eine meiner italienischen Bekannten, die ein bekennender Snob aus einer der aristokratischsten Familien Italiens ist, stimmte bei den letzten Wahlen für “Rifondazione”, ihre Bedienerin – eine „Terrona“ aus dem Süden – für die „Lega Nord“.

Akademiker und deren Kinder wählen die „linken“ Parteien der „Arbeiter“.

Die „arbeitenden Menschen” wählen die „rechten“ Parteien der „Unternehmer“.

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10 Antworten to “Warum die Italiener Berlusconi wählten”

  1. dieter Says:

    Als jemand, der Italien politisch nicht kennt, fällt es mir auf, dass die Berlusconi-feindlichen Medien selbst keine Alternative präsentieren. Wenn unseren Medien ein Staatsmann nicht gefällt, dann wird ja üblicherweise ein Kandidat von Mitte-Links gepusht.

    Bei den letzten Wahlen wurde uns lediglich ein Komödiant ohne politisches Programm vorgestellt.

  2. aron2201sperber Says:

    “Als jemand, der Italien politisch nicht kennt”

    die meisten Italien-Experten in den deutschsprachigen Medien, wissen meistens noch weniger als du.

    er reicht ein paar Schlagzeilen der italienischen Berlusconi-kritischen Medien zu übernehmen, und schon geht man als “Italien-Experte” durch.

    objektive Berichterstattung ist ohnehin unerwünscht

  3. American Viewer Says:

    Im WSJ beschrieb kürzlich ein Italiener auch schön warum die Italiener immer wieder Berlusconi wählten. Seine Erklärungen waren so ähnlich. Finde der Artikel gerade nur nicht wieder.

    Akademiker und deren Kinder wählen die „linken“ Parteien der „Arbeiter“.
    Die „arbeitenden Menschen“ wählen die „rechten“ Parteien der „Unternehmer“.

    Das scheint in vielen europäischen Staaten so zu sein. In Deutschland. In Österreich. In der Schweiz.

    Ich kenne eine deutsche Staatsbankerin, die jetzt in Rente ging und eine gigantische Pension kassiert: Die wechselt zwischen der Linken und den Grünen. Sie beklagt sich immer, dass es in Deutschland zu viele Autos gibt und mein amerikanisches Fabrikat stört sie sowieso. Allerdings hat sie selbst drei Autos. Keines davon ist klein und eines ist ein Oldtimer, der mehr Sprit verbraucht und mehr Schmutz macht als ein Panzer.Gerade fliegt sie immer wieder nach Irland um ihre neue Katze zu besuchen, die dort noch in Quarantäne ist. Eine Urlaubsliebe, die jetzt unbedingt eingeflogen werden muss. So als würden ihre Katzen hier noch nicht ausreichen. Ihrer Nichte spendiert sie einen Flug nach New Zealand. Drei Wochen Selbstfindungstripp. Aber über mich mokiert man sich, weil ich ab und zu beruflich zwischen den USA und Europa pendeln muss. Diese Art von Linken werde ich wohl nie verstehen.

    • aron2201sperber Says:

      meine italienische Verwandtschaft kann da locker mithalten.

      politisch alles Hardcore-Linke und Berlusconi-Hasser.

      im realen Leben erzkatholische, bürgerliche Snobs.

      stets bereit, sich über die Gaunereien Berlusconis aufzuregen, aber selbst große Meister in “Steuerersparnis”

      als meine Cousine einen Schwarzen heiratete, waren die sonst glühenden Antirassisten nicht damit einverstanden.

      natürlich störte sie “nicht die Hautfarbe”, sondern, dass es sich um einen “unseriösen Künstler” handle.

      mit dem Exfreund, der ebenfalls Künstler war – zwar weniger erfolgreich, aber dafür weiß – war man hingegen absolut zufrieden.

      trotzdem liebe ich meine Familie…

      …sie sind halt die typischen italienischen Links-Intellektuellen ohne Fähigkeit zur Selbstreflexion und kritischem Denken

  4. Die „Al Italia“-Klasse « Aron Sperber Says:

    [...] arbeitenden Menschen wählten die rechte Partei des [...]

  5. Italiens Hauptproblem « Aron Sperber Says:

    [...] arbeitenden Menschen wählten die rechte Partei des [...]

  6. Marco Motta Says:

    Aber dies ist in der Schweiz genau gleich – die Sozialisten erhalten ihre Stimmen von Leuten mit sehr hohem Einkommen, aber relativ geringem Vermögen. Sie wohnen in genossenschaftlich organisierten Wohnungen in den Stadtzentren und bezahlen relativ geringe Mieten auf Kosten der Allgemeinheit, denn Genossenschaft ist in der Schweiz immer ein Synonym des Guten (Eidgenossenschaft).
    Sie werden als Cüpli-Sozialisten oder Salonsozialisten vom Zürichberg bezeichnet – Wikipedia erklärt die Begriffe….

  7. Ein Restposten der “Strategie der Spannung” « Aron Sperber Says:

    [...] der Stärke der kommunistischen Partei hätte man auch in Italien kaum mehr als jenes Minimalziel erreichen [...]

  8. Italiens Arschwahl | Aron Sperber Says:

    [...] kurzfristig regieren kann, haben die Rechts-Parteien gegenüber den Links-Parteien bei den Wählern wieder eine klare Mehrheit [...]

  9. Berlusconi-Bashing für das “bessere Italien” | Aron Sperber Says:

    […] arbeitenden Menschen wählten die rechte Partei des […]

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