Bevorzugte Untertanen

2002 verabschiedete die Knesset eine Neuregelung der Wehrpflicht gemäß einer Studie des Richters Zvi Tal, die 1999 in Auftrag gegeben worden war. Das oberste Gericht entschied, dass dieses „Tal-Gesetz“ keine Gleichberechtigung für alle Bürger gewährt und deshalb verfassungswidrig ist.

Staatsgründer David Ben Gurion hatte beschlossen, die ultraorthodoxen Juden vom Wehrdienst zu befreien. Damals gab es nur ein paar tausend Ultraorthodoxe in Israel. Ben Gurion argumentierte damals, dass jene frommen Juden durch ihre Lebensweise und das Thorastudium die Identität des Judentums über die Jahrhunderte bewahrt hätten.

Inzwischen stieg die Zahl der traditionell kinderreichen Orthodoxen allerdings auf gut 15 Prozent der Bevölkerung. Seit einigen Jahren gibt es deshalb Bemühungen, auch Orthodoxe in den Militärdienst einzubinden.

Die orthodoxe Sonderbehandlung würde sich mit jeder freiheitlichen Verfassung beißen.

Solange es nur ein paar Sonderlinge betraf, die sich noch dazu gewisse historische Verdienste anrechnen lassen konnten, brauchte man die Ungleichbehandlung nicht zu problematisieren.

Wenn so eine Gruppe jedoch wächst, kommt ein Verfassungsstaat nicht darum herum, sein Verhältnis zu den mit Vorzug behandelten Untertanen zu klären.

In einem Verfassungsstaat sollte es nämlich grundsätzlich keine Untertanen geben, sondern nur gleichberechtigte Bürger.

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9 Antworten to “Bevorzugte Untertanen”

  1. zrwd Says:

    “Ben Gurion argumentierte damals, dass jene frommen Juden durch ihre Lebensweise und das Thorastudium die Identität des Judentums über die Jahrhunderte bewahrt hätten.”

    ich liege angesichts einer Episode, die ich zuvor lediglich in der BRD für möglich gehalten habe, schon vor Lachen unter dem Bürotisch:

    ausgerechnet die Haredim als Retter der Identität des Judentums über die Jahrhunderte. Diese Leute also, welche die Legitimitäts des Staates Israel in Wort und Tat bestreiten, nicht zu sagen: Israel hassen, wie die Pest, und dennoch schamlos Stütze kassieren und ihren Müll in der Tonne des Nachbarn ablagern, der die Kosten für die Müllabfuhr trägt, und ansonsten eine Delegation zu Holocaust-Leugner Meetings schicken, das also sind die Retter der Identität des Judentums über die Jahrhunderte. Lächerlich! Hahn abdrehen. Keine Stütze mehr für die Haredim!

  2. franksamuel Says:

    Hallo!

    @aron2201sperber
    Was würdest du denn vorschlagen, wie die anderen ca 1.500.000 Israelis, die z.Z. ebenfalls nicht der Wehrpflicht unterstehen, zukünftig in die IDF integriert werden können

    @zrwd,
    Dein Beitrag ist so falsch, dass noch nicht mal das Gegenteil richtig ist.
    Mindestens vier verschiedene haredische (ultra-orthodoxe) Hauptrichtungen in einen Topf zu werfen, dass hat selbst die ´Neturei Karta´ nicht verdient.

    FrankSamuel

    • zrwd Says:

      der Begrisff ‘Naturei Karta’ tausch in meinem Beitrag noch nicht einmal auf. Das nächste mal bitteschön mehr Gerhirnschmalz investieren, um meine Position zu kritisieren.

      • franksamuel Says:

        Hallo!

        Zitate zrwd:
        “… Diese Leute also, welche die Legitimitäts [sic!] des …”
        Das sind die Leute der Edah haCharedit (z.B. Duschinsky, Toldot Aharon, Teile von Breslov usw.), aber die hacken sich lieber irgendwas ab, bevor die auch nur eine Agora annehmen.

        “… und dennoch schamlos Stütze kassieren …”
        Hier meinen wir wohl die Shomrei Sfarad, die es gut verstanden hat, dass politische Patt für sich und die eigene Klientel auszunutzen.

        “… und ansonsten eine Delegation zu Holocaust-Leugner Meetings schicken, …”
        Das waren die von der Neturei Karta, oder? Auch wenn du sie nicht namentlich genannt hast, so hast du sie gemeint.

        Vergessen wir aber bitte als Kontrastprogramm nicht die Agudah Israel (z.B. Litvaks, Gur und Belz); nur zwei Stichworte dazu: Yahadut HaTorah und Nachal haCharedi.

        Und eins ist sicher, man kann das alles gut oder schlecht finden, aber warum gerade Deutsche und Westeuropäer immer ziemlich genau zu wissen meinen, was die Juden/Zionisten/Israelis zu tun und zu lassen haben, erschließt sich mir nicht.

        “… Lächerlich! Hahn abdrehen. Keine Stütze mehr für …” na klar: zrwd.

        FrankSamuel

    • aron2201sperber Says:

      Was würdest du denn vorschlagen, wie die anderen ca 1.500.000 Israelis, die z.Z. ebenfalls nicht der Wehrpflicht unterstehen, zukünftig in die IDF integriert werden können

      wenn es sich um israelische Staatsbürger handelt, sollten sie alle Rechte und Pflichten haben.

      • franksamuel Says:

        Hallo!

        Jetzt enttäuschst du mich aber zutiefst! Mit den 1,500.000 Israelis waren natürlich die Bürger palästinensischer (muslimisch, christlich) Herkunft gemeint, die im Gegensatz zu Drusen, Tscherkessen, Christen, Bahai, Samaritern, Atheisten nicht der Wehrpflicht unterliegen. Die arabischen Beduinen zwar ebenso nicht, aber zum Großteil gehen sie freiwillig zur IDF.

        Davon abgesehen gibt es schon jetzt ein Überangebot an Rekruten für die IDF, ohne haredische und palästinesische Israelis. Damit steht das Thema Wehrgerechtigkeit genauso auf der Tagesordnung in Israel, wie es in Deutschland vor der Aussetzung der Wehrpflicht war.

        FrankSamuel

  3. besucher Says:


    “In jedem normalen Staat dient der Staat den Bürgern und nicht umgekehrt. Bevor wir nicht unsere Rechte erhalten, sollten wir auch nicht dienen”, fährt Nashif fort. Aber auch wenn Gleichheit einkehrte, wäre Nashif gegen Zivildienst.

    Jemand hat hinter ihm ein rotes Graffito an die Wand gemalt, das erklärt, was der Name seiner Organisation bedeutet. “Baladna” heißt “unser Land”. Das Graffito zeigt ganz Palästina, vom Jordan bis zum Mittelmeer, ohne Israel: “Zionismus ist etwas sehr Schlechtes”, kommentiert Nashif. So stößt er sich wohl am meisten am geistigen Wandel, den der Nationaldienst bewirkt. Der schade nämlich “unserer palästinensischen Identität”.

    Israel, was bietest Du?
    Anscheinend mehr als das Umland so dass es dort sogar schlimm diskriminierte Araber aushalten.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article108462723/Die-Angst-vor-der-Kriegsmaschine-gegen-die-Brueder.html

    • besucher Says:

      der zweite Teil des Artikels gibt aber total andere Ansichten wieder:

      “Ich bin kein Verräter!”, sagt auch der 19 Jahre alte Adham. “Ich liebe Palästina, und ich liebe Israel. Warum nicht beide? Israel ist ein guter Staat”, sagt Adham und schiebt gleich ein Beispiel hinterher: “Ich habe eine hervorragende Ausbildung genossen. Man muss doch nur auf Nachbarstaaten wie Ägypten schauen, um zu sehen, wie gut es uns geht. Ich wurde nie diskriminiert, es gibt keinen Rassismus.”

  4. Augsteins Lager « Aron Sperber Says:

    [...] handelt es sich um Gegner des weltlichen Staates Israel, die sich weigern, ihre staatsbürgerlichen Pflichten zu [...]

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