Ein antiimperialistischer Held auf Abwegen

Als sich der Islamist Erdogan für die palästinensischen Islamisten stark machte, wurde er zum antiimperialistischen Helden erklärt:

“Bravo Erdogan, Bravo Paech!”

Ebenfalls ausgezeichnet war die Stellungnahme Erdogans gestern. Der türkische Premier fand die notwendigen klaren Worte. Egal wie man über seine Innen- und Europapolitik denkt: Im Nahen Osten ist er derzeit der Garant des Friedens und des Ausgleichs. Ihm ist es zum großen Teil zu verdanken, dass Israel plus USA den Iran bisher nicht angegriffen haben.

(Jürgen Elsässer)

Dass der sunnitische Islamist Erdogan im syrischen Bürgerkrieg Partei für die sunnitischen Islamisten ergreift, kann hingegen nur mit einer zionistisch-imperialistischen Weltverschwörung erklärt werden:

“USA und Israel stehen kurz vor einem strategischen Sieg”

Der großtürkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verkündete am Freitag, die Türkei sei von einem Krieg gegen Syrien “nicht mehr weit entfernt.”

Die USA und Israel stehen damit kurz vor einem strategischen Sieg. Der strategische Sieg ist erreicht, wenn es zu einem Krieg zwischen Syrien und der Türkei kommt. Wer bei dem Krieg gewinnt, ist für die USA und Israel ziemlich egal. Für sie ist es bloß wichtig, dass anti-zionistische Muslime in Massen andere Muslime massakrieren und der Krieg möglichst lange dauert und möglichst blutig ist.

(Mein Parteibuch)

Allerdings waren es genau jene “Muslime, die Muslime massakrieren”, die man 2004 bis 2007 als Helden des antiimperialistischen irakischen Widerstands gefeiert hatte:

“Der irakische Widerstand als globaler antiimperialistischer Pol”

Und seltsamerweise hielt sich die antiimperialistische Freude über die Befriedung des Iraks ab September 2007 sehr in Grenzen.

Wußten die Antiimperialisten damals noch nicht, dass die Fortsetzung der Gewalt eigentlich im Interesse von USA und Israel gelegen wäre?

Bush wußte es auf jeden Fall auch nicht, da er sonst nicht den Surge gegen den Willen des Senats durchgesetzt hätte.

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6 Antworten to “Ein antiimperialistischer Held auf Abwegen”

  1. American Viewer Says:

    Ich kann Erdogan nicht unterstützen. Er ist eine ganz gefährliche Kombination aus Opportunist und Islamist.

    Seine Strategie bestand ja vor dem „Arabischen Frühling“ enge Bündnisse mit Gaddafi, Assad und den Mullahs zu schmieden.

    Assad hat er damals als „seinen Bruder“ bezeichnet. Jetzt hat sich die Lage geändert und er sticht seinen „Brüdern“ Dolche in den Rücken.

    Ist Erdogan deshalb vom Saulus zum Paulus geworden? Sicher nicht. Ihm geht es von Anfang nur um türkische Großmachtfantasien. Die einzige Kontinuität in seinen Ränkespielen ist sein islamistischer Glaube. Die Türkei als Führer des Islam. Ein zweites osmanisches Reich. Das ist sein Ziel.

    Sein Opportunismus ist vielleicht auch ein Vorteil. Egal welche Regierungen oder Regime in Libyen, Ägypten, Iran und Syrien auch bald regieren. Die Chance, dass wieder so viele auf Erdogan hereinfallen, ist kleiner geworden.

    • aron2201sperber Says:

      Stimme dir vollkommen zu

      ich finde es bemerkenswert, wie gewisse angeblich “Linke” trotz seines “Konservativismus” ihn als heldenhaften Strahlemann sahen, nur weil er denselben Feind (Israel) hatte.

      …wenn er jedoch nicht das tut, was sich für einen guten Antiimperialisten geziemt, sondern als der Islamist, der er ist, handelt, muss es sich um eine “Marionette der Zionisten” handeln.

  2. Thomas Holm Says:

    Alles hat sich gedreht:

    Der ‘Irakische Widerstand’ ist aus heutiger – baathistisch-syrisch-antiimperialistischer Sicht: der Durchhaltewille, den Maliki an den Tag gelegt hat. Und natürlich die Tapferkeit der Algerischen Genossen aus den 90-gern. Hier im Interview eines Assad-Einpeitschers gepriesen, ab min. 4.35:

    Zuvor droht der der Interviewte noch, eine Sintflut aus den Stauwassern des

    http://de.wikipedia.org/wiki/Südostanatolien-Projektes

    über die Region zu ergießen, bei min. 2.45-2.52.

    Das Losbrechen der Euphratwasser ist übrigens als apokalyptisches Zeichen sowohl im Christentum, als auch im Islam anerkannt. Die Propheten kannten wohl ihre Pappenheimer. Maliki, der dank demokratischer Befreiung im westlichen Intershop Waffen einkaufen darf, düst jetzt aber erstmal Richtung Moskau, wohin die Wege des Antiimperialismus wohl immer noch alle führen:

    http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2012/Oct-08/190561-syria-looms-over-iraq-pms-moscow-visit.ashx#axzz28h2dDGZW

  3. aron2201sperber Says:

    Der “gemäßigte Assad” wird von Putin und seinen antiimperialistischen Fans als Bollwerk gegen die Scharia präsentiert.

    Dabei hatte gerade Putin als FSB-Chef alles getan, um den gemäßigten – und im Gegensatz zu Assad demokratisch legitimierten – tschetschenischen Präsidenten Maschadov zu schwächen.

    Die Wahabiten wurden bei der Destabilisierung Tschetscheniens von Putin tatkräftig unterstützt, da sie ihm den Vorwand lieferten, die Unabhängisgkeitsbestrebungen der Tschetschenen durch einen brutalen Angriffskrieg niederzuschlagen.

  4. besucher Says:

    Jürjen hat jerade noch nachjeleecht:

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2012/10/11/spinnst-du-eigentlich-erdogan/

  5. Putins Marinebasis und Erdogans Raketen « Aron Sperber Says:

    [...] die linken Antiimperialisten werden sofort wieder aufhören, sich über den “Kriegstreiber” Erdogan zu empören, [...]

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