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Augsteins Lager

November 19, 2012

“Tel Aviv ist Berlin”, schrieb die Bild am Sonntag, nachdem sich gezeigt hatte, dass die Raketen der Hamas inzwischen weiter reichen als früher: “Die gleiche Mode, die gleiche Musik, dieselben Wünsche und Werte.” Wirklich? In Israel gibt es Gegenden, da wird eine Frau als Hure beschimpft, wenn sie im Bus vorn bei den Männern sitzt. Und es gibt Menschen, die bespucken ein kleines Mädchen auf dem Weg zur Schule, weil es falsch gekleidet ist.

(Augstein)

In Berlin gibt es solche Gegenden auch. Nur sind sich Salonkommunisten wie Augstein zu fein, um sich mit deren Existenz auseinanderzusetzen. Stattdessen kanzelt er Politiker, die darüber sprechen, dass sich ganze Stadtteile in Scharia-Zonen verwandeln, als islamophobe Rassisten ab.

Die von Augstein beschriebenen ultaorthodoxen Zustände findet man übrigens nicht in Tel-Aviv, sondern in Jerusalem…

…und bei den religiösen Fundamentalisten, denen man dort fahrlässigerweise die Herrschaft über ganze Stadtteile überlassen hat, handelt es sich um Gegner des weltlichen Staates Israel, die sich weigern, ihre staatsbürgerlichen Pflichten zu erfüllen.

Über die Auswüchse fundamentalistischer Parallelgesellschaften vor der eigenen Haustüre zu schreiben, gilt in Augsteins Lager als rassistisch und islamophob.

Wenn sich die Missstände jedoch in Israel zutragen, dürfen sie von Augsteins Lager präsentiert werden, um die antiisraelische Argumentation zu untermauern, selbst wenn jene Missstände nicht das Geringste mit dem Gaza-Konflikt zu tun haben.

Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager.

War West-Berlin auch ein Gefängnis. Ein Lager?

Wie hätten wohl die Ostberliner reagiert, wenn sie aus jenem Lager mit Raketen beschossen worden wären?


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