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Putins Marinebasis und Erdogans Raketen

Dezember 25, 2012

Der Anteil der Sunniten beträgt in Syrien etwa 75 % und Syrien ist von lauter Staaten mit sunnitischen Mehrheiten umgeben. Selbst in Libyen, das nicht von einer religiösen Minderheit regiert wurde und dessen Diktator mittlerweile ein gutes Verhältnis zum Westen entwickelt hatte, bedeutete die arabische Revolution für das alte Regime das Ende .

Für die alawitischen und christlichen Minderheiten in Syrien wäre ein Machtwechsel zwar in jedem Fall bitter gewesen. Wäre der Sturz des altes Regimes jedoch wie in Libyen schnell vollstreckt worden, hätte es im post-revolutionären Syrien trotzdem eine Zukunft für Assads ehemalige Regime-Stützen geben können.

Durch die Einmischung Russlands und des Iran und die Nichteinmischung des Westens ist eine Bürgerkriegs-Situation entstanden, in der es für die Christen und Alewiten in einem geeinten Syrien endgültig keine Zukunft mehr geben kann.

Die einzige Chance besteht in der Gründung eines Alawitenstaates am Mittelmeer, der vollkommen von Russland abhängig wäre. Russland könnte so seinen (einzigen) Marine-Stützpunkt im Mittelmeer massiv ausbauen. Russland wird damit wohl auch durchkommen, da es dabei auch um das Schikal von Zehntausenden Christen geht, die auch der Westen nicht der Rachsucht der sunnitischen Mehrheit überlassen wird wollen.

Wenn der syrische Staat zerfällt, werden natürlich auch die Kurden versuchen, einen Anteil zu erhalten. Dies ist wohl auch der Grund, warum Erdogan die Patriot-Raketen so dringend benötigt, denn eine kurdische Souveränität an der syrisch-türkischen Grenze würde natürlich auch die Souveränitätsbestrebungen der Kurden in der Türkei beflügeln. Durch die Patriot-Raketen könnte Erdogan sie wesentlich leichter zunichte machen. Die angebliche Gefahr einer militärischen Bedrohung durch das ohnehin massiv geschwächte Assad-Regime ist daher nur ein Vorwand, um sich gegen die Kurden in eine gute militärische Position zu bringen.

Da die Kurden keine Lobby haben, wird auch Erdogan damit durchkommen, und die Kurden werden am Ende wohl wieder einmal übrig bleiben.

Auch die linken Antiimperialisten werden sofort wieder aufhören, sich über den “Kriegstreiber” Erdogan zu empören, sobald sie merken, dass seine Raketen nicht gegen den “Antiimperialisten” Assad, sondern gegen die Kurden gerichtet sind…

…obwohl gerade die Kurden die einzigen Linken in der Region sind.


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