Putins Marinebasis und Erdogans Raketen

Der Anteil der Sunniten beträgt in Syrien etwa 75 % und Syrien ist von lauter Staaten mit sunnitischen Mehrheiten umgeben. Selbst in Libyen, das nicht von einer religiösen Minderheit regiert wurde und dessen Diktator mittlerweile ein gutes Verhältnis zum Westen entwickelt hatte, bedeutete die arabische Revolution für das alte Regime das Ende .

Für die alawitischen und christlichen Minderheiten in Syrien wäre ein Machtwechsel zwar in jedem Fall bitter gewesen. Wäre der Sturz des altes Regimes jedoch wie in Libyen schnell vollstreckt worden, hätte es im post-revolutionären Syrien trotzdem eine Zukunft für Assads ehemalige Regime-Stützen geben können.

Durch die Einmischung Russlands und des Iran und die Nichteinmischung des Westens ist eine Bürgerkriegs-Situation entstanden, in der es für die Christen und Alewiten in einem geeinten Syrien endgültig keine Zukunft mehr geben kann.

Die einzige Chance besteht in der Gründung eines Alawitenstaates am Mittelmeer, der vollkommen von Russland abhängig wäre. Russland könnte so seinen (einzigen) Marine-Stützpunkt im Mittelmeer massiv ausbauen. Russland wird damit wohl auch durchkommen, da es dabei auch um das Schikal von Zehntausenden Christen geht, die auch der Westen nicht der Rachsucht der sunnitischen Mehrheit überlassen wird wollen.

Wenn der syrische Staat zerfällt, werden natürlich auch die Kurden versuchen, einen Anteil zu erhalten. Dies ist wohl auch der Grund, warum Erdogan die Patriot-Raketen so dringend benötigt, denn eine kurdische Souveränität an der syrisch-türkischen Grenze würde natürlich auch die Souveränitätsbestrebungen der Kurden in der Türkei beflügeln. Durch die Patriot-Raketen könnte Erdogan sie wesentlich leichter zunichte machen. Die angebliche Gefahr einer militärischen Bedrohung durch das ohnehin massiv geschwächte Assad-Regime ist daher nur ein Vorwand, um sich gegen die Kurden in eine gute militärische Position zu bringen.

Da die Kurden keine Lobby haben, wird auch Erdogan damit durchkommen, und die Kurden werden am Ende wohl wieder einmal übrig bleiben.

Auch die linken Antiimperialisten werden sofort wieder aufhören, sich über den “Kriegstreiber” Erdogan zu empören, sobald sie merken, dass seine Raketen nicht gegen den “Antiimperialisten” Assad, sondern gegen die Kurden gerichtet sind…

…obwohl gerade die Kurden die einzigen Linken in der Region sind.

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17 Antworten to “Putins Marinebasis und Erdogans Raketen”

  1. besucher Says:

    Solange Erdogan die Rückendeckung der NATO hat, solange werden die Kurden keine Chance haben.

    • aron2201sperber Says:

      die NATO bzw. der Westen müsste schon aktiv Partei für die Kurden ergreifen, damit sie eine Chance hätten.

      zumal sie sich jedoch selbst immer noch als Linksradikale definieren, besteht für den Westen auch wenig Grund, sich für die Kurden besonders zu engagieren

      abgesehen davon hätte der Westen im Moment wohl ohnehin nicht die Eier, sich für die Kurden einzusetzen, selbst wenn diese sich zu westlichen Werten bekennen würden.

  2. antifo Says:

    Durch die Einmischung Russlands und des Iran und die Nichteinmischung des Westens ist eine Bürgerkriegs-Situation entstanden, in der es für die Christen und Alewiten in einem geeinten Syrien endgültig keine Zukunft mehr geben kann.

    Nicht Russland, sondern der Westen hat sich in Syrien eingemischt.

    • aron2201sperber Says:

      die arabische Revolution (die zunächst einmal Verbündete des Westens traf) hatte auch für die syrische Diktatur, in der eine Minderheit über die Mehrheit herrschte, eine Auswirkung.

      Syrien wird zu 75 % von Sunniten bewohnt und rund um Syrien sind lauter Staaten mit sunnitischer Mehrheit.

      Im Gegensatz zum Westen, der darauf verzichtet hatte, seine Verbündeten um jeden Preis (z.B. einen Bürgerkrieg) zu halten, hat Putin den Syrern diesen Preis zahlen lassen.

      klar gibt es für den Westen keinen Grund im daraus folgenden Bürgerkrieg auf der Seite Assads zu stehen.

      verantwortlich für den Bürgerkrieg sind jedoch diejenigen, die am syrischen Diktator unbedingt festhalten mussten, obwohl dies angesichts der innereren und äußeren Umstände Syriens zu einem Bürgerkrieg führen musste

      • antifo Says:

        verantwortlich für den Bürgerkrieg sind jedoch diejenigen, die am syrischen Diktator unbedingt festhalten mussten, obwohl dies angesichts der innereren und äußeren Umstände Syriens zu einem Bürgerkrieg führen musste

        Wenn Russland an Präsident Assad “festhält”, dann bedeutet das gerade mal, daß es darauf hinweist, daß die von Assad geführte Regierung und die ihn stützenden Kräfte in Syrien in die Suche nach einer Lösung einbezogen werden müssen. Was man uns im Westen als “syrische Opposition” verkaufen will, ist eine Bande vom Ausland finanzierter Söldner und freischaffender Terroristen, die ganz sicher weniger demokratisch legitimiert sind, als Assad und die der zeitige syrische Regierung. Nicht vergessen darf man auch, daß Präsident Assad demokratische Reformen eingeleitet hat. Teile der früheren Opposition sind bereits in der Regierung.

      • Nichtglauber Says:

        Die Reputation ist nicht mehr zu retten.
        Wenn man sich anschaut, auf welche Quellen die “Informationen” der Qualitätsmedien hier zu lande fußen, wundert man sich, dass sie in den Regalen noch unter “Tagespresse” und nicht unter “Satire” einsortiert sind.
        Und ich bekomme eine leise Ahnung davon, wie u.a. aron zu seinen abenteuerlichen, geschichltlichen Einschätzungen kommt:

        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ein-abschied-von-al-dschazira-vergiss-was-du-gesehen-hast-11988966.html

        Jetzt kann man sich nur noch auf den in London ansässigen Gemüsehändler verlassen – sorry, vergessen – und natürlich auf die glasklaren und unbestechlichen Aussagen der “Aktivisten”.

        PS.: in den so gehassten und abgewerteten “Syria-Blogs” konnte ich die o.g. Story bereits im April 2011 (!!) lesen… entweder absolute Hellseher, diese Leute, oder mit einem ungeheueren Informationsvorsprung ausgestattet!

      • aron2201sperber Says:

        solange Al Dschasira gegen die USA Stimmung machte und die Taten der Terroristen ím Irak preiste, war es also “seriöser Journalismus”, wenn gegen Assad Stimmung gemacht wird, ist es hingegen “Propaganda”.

        was für ein “seriöser Journalismus”, den die FAZ da verbreitet.

        wirklich beeindruckend deine Quellen ;)

      • Nichtglauber Says:

        Wann, lieber aron, habe ich je gesagt, dass Al Dschazira für mich bereits vor “Syrian-Comedy” eine ernst zu nehmende Quelle gewesen sei?
        Ganz zu Anfang, haben sie sich wirklich bemüht, das ist aber sehr lange her. Und wie es der FAZ-Redakteur bereits sagt: “man gewann den Eindruck, die Leute von Al Dschazira wüssten über die eigenen Familienangehörigen in Syrien besser bescheid als die eigene Familie”…
        Das sind beeindruckende Quellen. Absoluter Glückwunsch :-)

      • arprin Says:

        @Nichtglauber: Wie kommst du darauf, dass aron alles glaubt, was Al Jazeera über Syrien schreibt? Du konstruierst mal wieder einen nicht existenten Sachverhalt und stellst dich und deine Kumpels dann als dien einzigen dar, die wirklich Bescheid wissen.

        PS: Sogar Al Jazeera ist 100-mal objektiver als Syriens Völkischer Beobachter … upps, SANA.

      • salamshalom Says:

        Nichtglauber kämpft ja wie ein Löwe… kleiner Wortwitz passend zum Thema.
        Auch wenn ich oft deine forsche Art und deinen scharfen Ton unpassend finde, aber grundsätzlich lieferst ordentliche Arbeit ab und du belebst die Diskussionen spürbar. So empfinde ich das zumindest.
        Ansonsten: Asad ist ein Verbrecher, der von seinen Landsleuten gerichtet gehört. Der noble Westen brilliert aber auch hier durch Beugung des Rechts und Autoparteinahme, ganz gemäß der eigenen Interessen und ist somit kein Deut besser. Auch er gehört von seinen Landsleuten gerichtet.
        Was die verschiednen Quellen beidseits der Interessensgrenzen angeht, so glaube ich, dass der Journalismus auf allen Ebenen verloren hat. Die Grenze zwischen Propagandaorgan, Staatsorgan, Lobbyorgan oder Parteiorgan ist global so verwischt, dass kein Medium mehr den alleinigen Anspruch erheben kann, unabhängig zu sein.
        Mehr oder weniger frei vielleicht, aber in letzter Konsequenz immer einen Leumund befriedigend. Und ob man Al Jazeera, SANA, IRIB, DPA oder AFP zitiert, macht nur noch für den Zitierer einen Unterschied.

    • aron2201sperber Says:

      was man Nichtglauber zugute halten kann ist, dass er hier überhaupt diskutiert, obwohl er hier in der Minderheit ist.

      dass man hier mit ihm zivilisiert diskutiert, obwohl er eine andere Meinung hat und sich obendrein oft im Ton vergreift, müsste man Arprin und mir jedoch erst recht zugute halten.

      auf Blogs, in denen Nichtglaubers Meinung der “Linie” entspricht wie “Jürgen Elsässers Blog” oder “Mein Parteibuch” werden andere Meinungen erst gar nicht freigeschalten.

      • Nichtglauber Says:

        Erstens möchte ich mich der Meinung arons anschliessen und ihm sowie arprin dafür danken, dass ich zumindest in der Äusserung meiner Meinung in ihren Blogs nicht beschnitten werde.
        Zweitens möchte ich erklären, dass meine Beiträge offensichtlich von dem einen oder anderen als “aggressiv oder scharf” wahrgenommen werden, ich aber keine Aggressivität oder Schärfe favorisiere, und auch andere Forenmitglieder untereinander teilweise gut austeilen.
        Und drittens: Elsässers Blog habe ich noch nie besucht (vielleicht sollte ich dasmal tun), Mein Parteibuch aber schon, so wie viele viele andere auch, von der Metaebene der Tagesschau bis zu GFP. Bei der Tagesschau bin ich übrigens seit 05/11 gesperrt!

        Zu Salamshalom:
        es gibt in deinem Beitrag keine Aussage, die ich nicht unterschreiben würde…

        salam und shalom!

      • aron2201sperber Says:

        Und drittens: Elsässers Blog habe ich noch nie besucht (vielleicht sollte ich dasmal tun),

        als Widerspruchsgeist würdest du dich dort wohl ziemlich langweilen ;)

  3. Nobilitatis Says:

    In Syrien gibt es zahlreiche Minderheiten. Neben den meistgenannten, Alawiten und verschiedenen christlichen Konfessionen, gibt es auch noch Schiiten, Drusen und einige kleinere, aber auch sunnitische. Der Verweis auf “75 % Sunniten” verkürzt die Realität stark. Dazu werden auch Palästinenser, Kurden, Turkmenen gezählt. Außerdem: Zahlreiche “säkulare” Sunniten unterstützen die Regierung, welche nicht nur aus dem Präsidenten besteht. Die Rebellen ermorden diese gern mit der Begründung, sie seien “Schabiha”.
    Zu den Nachbarländern gehört neben der Türkei und Jordanien auch Israel, Libanon und Irak. Soviel zu den Nachbarländern mit “sunnitischer Mehrheit”. In der Türkei ist eine Bevölkerungsmehrheit gegen die türkische Agression mittels der “Rebellen”, die überwiegend von türkischem Territorium ausgeht.
    Die Angreifer gegen den syrischen Staat bestehen nahezu ausschließlich aus sunnitischen Extremisten, z.B. aus dem Irak von denselben Leuten unterstützt, die dort die Amerikaner angreifen.
    Assad wird den Krieg gewinnen. Ganz einfach deshalb, weil die Alternative für zu viele Syrer nicht annehmbar ist. Für breite Schichten gibt es keine Alternative, selbst wenn Assad beseitigt wird, werden diese um ihr Überleben kämpfen. Dafür sorgen auch die Völkermordparolen der Rebellen und die Kampfhandlungen (Autobomben u.a.) gegen diese Volksgruppen.

    Ich kommentiere hier nicht, um jemanden zu überzeugen, sondern weil man solchen Unsinn nicht unwidersprochen lassen sollte.

    • aron2201sperber Says:

      seltsam, dass Assad trotzdem sämtliche demokratischen Bestrebungen unterdrückt hatte, obwohl die Mehrheit doch ohnehin hinter ihm stehe.

      hätte Assad eine demokratische Opposition zugelassen, läge es nicht an irgendwelchen Rebellen den Kampf gegen die syrische Diktatur zu führen.

      das kennt man jedoch auch von Putins Tschetschenien-Politik:

      http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/10/11/putin-als-unterstutzer-der-gemasigten/

      erst alle gemäßigten tschetschenischen Politiker ermorden, um sich dann als Kämpfer gegen die übriggebliebenen Extemisten aufzuspielen.

      • Nobilitatis Says:

        Sieht eher so aus als würden die islamistischen Rebellen die Demokraten in das Assad-Lager treiben. Assad ist vermutlich kein westlicher Demokrat, aber bekanntlich ist ja Demokratie nicht mit der Scharia vereinbar.
        Demokratie-Wunschdenken hilft jedenfalls nicht beim Verstehen des syrischen Konflikts. Wenn man den Bürgerkrieg nach diesem Blickwinkel betrachtet, haben Sie auf der einen Seite einen (verhandlungsbereiten) Diktator, auf der anderen religiös verblendete heilige Krieger. Demokratie bekommen Sie also nur mit Assad, nicht mit den Rebellen.

      • Nobilitatis Says:

        Außerdem argumentieren Sie out of context.
        1) Ist die Situation jetzt anders als zur Zeit der Demonstrationen.
        2) Habe ich nicht behauptet, dass die “Mehrheit hinter Assad steht”. Ich habe Ihrer obigen Behauptung widersprochen, dass aufgrund der Bevölkerungsverteilung nach ethnisch-religiösen Gruppen Assad automatisch im Nachteil sei und alle anderen Bevölkerungsgruppen (wegen des “falschen Verhaltens” von Rußland, Iran und Assad selbst) sich schon mal mit ihrer Auslöschung anfreunden könnten.
        3) Lassen Sie die von Katar/ saudi Arabien und Türkei losgeschickten internationalen Söldner völlig außer Acht. Das verzerrt das Bild noch zusätzlich.
        Und das war noch nicht mal polemisch, lesen Sie’s oben nach.

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