Historiker: Darum plante mein Vater das Wiesn-Attentat
Welche Gründe kann es denn geben, dass der BND einen Terrorakt – und dazu noch diesen Ausmaßes – verübt? Das ergibt doch keinen Sinn.
Das ergibt schon einen Sinn, wenn man sich mit den politischen Hintergründen dieser Zeit beschäftigt. Das Schlüsselwort dafür lautet „Gladio“. Durch Untersuchungen in anderen Ländern, vor allem in Italien, weiß man inzwischen, dass unter Federführung der CIA und unter Einbindung europäischer Geheimdienste nach dem Krieg ein geheimes paramilitärisches Netzwerk in verschiedenen Ländern Europas errichtet wurde.
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Historiker oder Histrioniker?
Mai 11, 2013Andreotti, Gaddafi und Tangentopoli
Mai 6, 2013Giulio Andreotti ist heute gestorben.
Kein anderer Mann hat das Nachkriegsitalien so stark geprägt wie der Senator auf Lebenszeit.
Giulio Andreotti war zwar wie Silvio Berlusconi ein Feindbild des angeblich besseren Italiens. Auch er musste wie Berlusconi absurde Mafiavorwürfe, die von einer linken Polit-Justiz begeistert aufgegriffen wurden, über sich ergehen lassen.
Den ”Tangentopoli”-Skandal, der zur völligen Auflösung seiner Partei geführt hatte, bestand er hingegen völlig unbeschadet, obwohl er die Skandal-Partei davor 30 Jahre lang geleitet hatte und daher in jedem anderen zivilisierten Land der Welt wohl zur Verantwortung gezogen worden wäre.
In Italien wurde er stattdessen zum Senator auf Lebenszeit ernannt.
Im Zweifel für die Verschwörungstheorie
März 26, 2013Rom – Schuldspruch, Freispruch – und nun die nächste juristische Runde: Die US-Amerikanerin Amanda Knox, von Medien als “Engel mit Eisaugen” bezeichnet, muss sich wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher erneut vor Gericht verantworten, ebenso wie ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito.
Wenn man die Geschichte der italienischen Justiz kennt, musste man damit rechnen, dass sich das Höchstgericht im Zweifelsfall für die Verschwörungstheorie entscheiden würde.
“Der Engel mit den Eisaugen”
März 25, 2013Wenn man eine ermordete, vergewaltigte Frau auffindet, ist es wohl das Naheliegende von einem Mord durch den Vergewaltiger auszugehen.
Außer es finden sich Indizien, die für etwas völlig Außergewöhnliches – wie einen von mehreren Tätern ausgeführten Ritualmord – sprechen.
Die italienische Justiz zäumte wie alle Verschwörungstheoretiker das Pferd von hinten auf.
Sie verfolgte gleich die ungewöhnlichste Variante, was sie dazu brachte, alle nicht passenden Indizien zu Manipulationen der Täterin, eines übermächtigen “Engels mit eiskalten Augen” umzudeuten, die es mit inquisitorischen Methoden zu überführen galt.
Wer es mit einem bösen, manipulativen Engel zu tun hat, dem steht es natürlich auch frei, selbst kräftig zu manipulieren:
http://www.guardian.co.uk/world/2011/oct/04/knox-acquittal-only-possible-verdict
Die im Verhör des angeblichen Mittäters zustande gekommene Aussage, die Täterin habe sich womöglich, während er schlief zum Tatort geschlichen, zeugt von einer extrem suggestiven Befragungstechnik.
Als sich keine Spuren der Täterin an der Leiche fanden, musste sie nach Ansicht des Richters die Spuren entfernt haben, auch wenn es dafür keine wissenschaftlich fundierten Beweise gab.
Vom Vergewaltiger fanden sich hingegen jede Menge Spuren an der Leiche.
Seine Erklärung, er habe mit dem Opfer einvernehmlichen Sex gehabt, sich jedoch während der Tat, die angeblich von wem anderen ausgeführt worden sei, am Klo aufgehalten, kann eigentlich kein vernünftiger Mensch ernst nehmen.
An der Ritualmordtheorie ist nichts logisch, außer man manipuliert und verdreht sich alles so zurecht, wie man es gerade braucht:
Alle Anträge, die Untersuchungshaft in Hausarrest umzuwandeln, wurden abgelehnt. Für den Untersuchungsrichter Paolo Micheli besteht kein Zweifel, dass Knox, Sollecito und Guede gemeinsam am Tatort waren, vermutlich um Meredith Kercher zu einem Sexspiel zu zwingen. Die Männer hätten sie festgehalten, Amanda Knox habe die Klinge angesetzt. Darum geht es jetzt im zweiten Prozess.
Nach der Tat hätten sie versucht, den Mord als Einbruch darzustellen, die Wohnung gereinigt und die Scheibe eingeworfen. Als Beweis genügten die gefundenen Spuren, “Logik und gesunder Menschenverstand”, schreibt der Richter. Wegen der amerikanischen Staatsbürgerschaft von Knox bestehe Fluchtgefahr. Vor allem aber: Amanda Knox sei “bereit, nochmals zu töten”. So steht es in der 17-seitigen Ablehnungsbegründung des Richters.
Auch ich bin auf diese konstruierte “Logik” hereingefallen, als ich den Artikel im Spiegel las.
Obwohl italienische Verschwörungstheorien eigentlich mein Spezialgebiet sind, und der Gerichtsfall bei genauerer Betrachtung alle Merkmale einer klassischen Verschwörungstheorie aufweist, habe ich mich von der Geschichte über den “Engel mit den Eisaugen” blenden lassen.
“Avanti Populismo!”
März 1, 2013Mailand/Essen – Im Verfahren um den tödlichen Brand in einem italienischen ThyssenKrupp-Werk hat ein Gericht die Haftstrafe gegen einen früheren Manager reduziert. Dieser muss wegen Totschlags nun zehn statt sechzehneinhalb Jahre ins Gefängnis.
Das Gericht in Turin begründete dies am Donnerstag damit, dass der ehemalige Italien-Cchef von ThyssenKrupp bei den Sicherheitsbestimmungen in dem Turiner Werk nicht bewusst fahrlässig gehandelt habe. Bei dem Brand waren 2007 sieben Menschen ums Leben gekommen. Das Gericht verringerte die Haftstrafen gegen fünf weitere Manager auf sieben bis neun Jahre.
Der Fall hatte in Italien für großes Aufsehen gesorgt. Angehörige der Opfer reagierten empört auf die Entscheidung der Turiner Richter und weigerten sich, den Saal zu verlassen. Die Dauer des Verfahrens und das ursprüngliche Urteil hatte hingegen die Wirtschaftswelt in Italien geschockt. “Das Urteil bleibt von historischer Bedeutung”, sagte Staatsanwalt Raffaele Guariniello. Noch nie seien für Arbeitsunfälle so hohe Strafen verhängt worden.
Das italienische “Popolo” ist jetzt natürlich empört, weil ein Urteil der linken Polit-Justiz gegen die “Padroni” etwas abgeschwächt werden musste.
Zur Strafe wird das “Popolo” bei den (baldigen) nächsten Wahlen noch mehr Grillo (der wegen dreifacher fahrlässiger Tötung keinen einzigen Tag in Haft verbracht hatte) wählen.
Italiens Arschwahl
Februar 25, 2013Vom Spiegel wird natürlich wieder lang und breit erklärt, warum ein Erfolg des “Rechtspopulisten” Berlusconi eine Tragödie wäre…
…so als ob vom Ex-Kommunisten Bersani und seinem linken Bündnis kein “Populismus” (das lateinische Wort für “Demokratie”) zu erwarten wäre.
Dass Monti inhaltlich ein Konservativer ist, der mit Bersani wohl kaum harmonieren würde, ist sogar dem Spiegel klar. Grillos “va fanculo – geh nen Arsch ficken”-Partei (von den deutschen “Italien-Experten” fälschlich mit “leck mich am Arsch” übersetzt), steht für nihilistischen Populismus eines fahrlässigen Töters, der jenseits von links und rechts steht.
Selbst wenn Bersani mit Ach und Krach im Abgeordnetenhaus Sieger bleibt und dank des Wahlrechts kurzfristig regieren kann, haben die Rechts-Parteien gegenüber den Links-Parteien bei den Wählern wieder eine klare Mehrheit gehabt.
Den Italienern wird angesichts der Pattstellung zwischen Regierung und Senat nichts anderes übrig bleiben, als bald noch einmal zu wählen.
Blöd wie meine italienischen Landsleute sind, werden sie jedoch erst recht wieder für “va fanculo” stimmen und sich wundern, warum ihr Land den Bach runtergeht.
Blöd wie die deutschen Journalisten sind, werden sich dann wieder freuen, dass wenigstens der “Rechtspopulist” Berlusconi nicht gewonnen hat, auch wenn Europa damit die nächste schwere Krise durchleben wird, für die letztlich wieder die Deutschen zahlen werden müssen.
Italiens falsch gestartete Demokratie
Februar 20, 2013Weil Italiens Intelligenzija sich einbildete, es sei schick, die Kommunisten zu wählen, konnten bzw. mussten die Christdemokraten mangels demokratischer Alternativen 45 Jahre an der Macht kleben bleiben, was für eine Demokratie einfach nicht gesund sein kann.
Dabei bedienten die regierenden Christdemokraten ausgerechnet das Publikum, das sie ohnehin nicht gewählt hätte, das man jedoch – mit totalem Kündigungsschutz und allen möglichen anderen teuren Privilegien – trotzdem milde stimmen musste.
Italiens regierende Christdemokraten waren so auf das Zusammenspiel mit ihrem antidemokratischen Gegenpol eingerichtet, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nicht nur die PCI, sondern auch die DC gleich mitverschwand.
Die Auflösung der Partei, die fast 50 Jahre an der Macht war, verlief auf eine völlig bizarre Art und Weise.
Verschwinden musste nämlich lediglich die Partei, die in einem ominösen “Tangentopoli”-Skandal verwickelt war, nicht jedoch nicht die Männer, die jene Partei geleitet hatten und dafür in jedem anderen zivilisierten Land auch die Verantwortung zu tragen gehabt hätten.
In Italien konnten Cossiga und Andreotti stattdessen genauso wie die Ex-Kommunisten (unter ihnen auch der heutige farblose rote Spitzenkandidat) einfach weitermachen.
Die beiden wurden trotz des Skandals sogar zu Senatoren auf Lebenszeit ernannt.
Der einzige, den es erwischte, war Craxi: ein eitler Dummkopf, der sich von den tatsächlichen Chefs Cossiga und Andreotti zum “Premier” und damit auch zum zukünftigen Sündenbock für ihr System hatte küren lassen.
Ähnlich war es auch einem Matratzenverkäufer ergangen, der eitel genug war, sich von Cossiga und Andreotti als der ”Gran Maestro” einer allmächtigen “Freimauer-Loge” namens “P2″ präsentieren zu lassen.
10 Jahre fasste Licio Gelli für seine Eitelkeit bzw. seine angebliche Schuld bei der Vertuschung der Spuren des schlimmsten Terroranschlags der italienischen Geschichte aus.
Ein Restposten der “Strategie der Spannung”
Februar 4, 2013Berlin – Der Selbstmordattentäter, der sich am vergangenen Freitag vor der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara in die Luft sprengte, war seit Jahren im Visier deutscher Sicherheitsbehörden. Nach SPIEGEL-Informationen ermittelte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe seit Frühjahr 2011 gegen Ecevit S. – wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Nach Angaben eines Sprechers bestand der Anfangsverdacht, dass sich S. in der Bundesrepublik als Mitglied an der linksextremistischen türkischen Gruppierung “Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front” (DHKP/C) engagiert habe.
In den 70ern war die Türkei Schauplatz eines Bürgerkriegs, der von der UdSSR gefördert wurde, um das NATO-Land zu destabilisieren.
Dass es in der Türkei wie in vielen anderen Ländern der westlichen Peripherie nicht zur Etablierung eines linken Systems, sondern zur Errichtung einer rechten Militärdikatur kam, stellte für die Sowjetunion keineswegs eine Niederlage, sondern ein Minimalziel dar, denn jede rechte Militärdikatur enthüllte zumindest das “wahre Gesicht” der ”imperialistischen westlichen Demokratie” und konnte propagandamäßig ausgeschlachtet werden.
Trotz der relativen Stärke der kommunistischen Partei hätte man auch in Italien kaum mehr als jenes Minimalziel erreichen können.
In West-Berlin hatte man hingegen das Maximalziel vor Augen. Nirgendwo in Europa war die Chance auf eine kommunistische Übernahme so groß wie im Berlin der späten 60er-Jahre.
Bei vollem Bewusstsein, dass es sich bei Kurras um ihren eigenen Mann gehandelt hatte, verfolgte die Stasi höchst erfolgreich eine “Strategie der Spannung”.
Kein Wunder, dass man bei der Anprangerung einer angeblichen “Strategie der Spannung” durch westliche Geheimdienste stets so viel Phantasie zeigte. Schließlich hatte man damit selbst genug praktische Erfahrungen.
Ustica – Neues Urteil ohne neue Beweise
Januar 28, 2013Die italienischen Justizbehörden sind nach mehrjährigen Ermittlungen zum Schluss gekommen, dass der mysteriöse Flugzeugabsturz einer DC-9-Maschine, die am 27. Juni 1980 von Mailand Richtung Palermo geflogen war, von einer Rakete verursacht wurde. Die Maschine wurde im Mittelmeer unweit der Insel Ustica abgeschossen.
Das Kassationsgericht in Rom hat daher heute beschlossen, dass der italienische Staat die Familienangehörigen der Opfer entschädigen muss, weil er nicht mit ausreichenden Zivil- und Militärkontrollen die Sicherheit des Flugraums garantiert hatte.
Das Zivilgericht von Palermo hat einfach das alte Urteil des Strafrichters Priore recycled, obwohl dieses vom Obersten Strafgerichtshof aus Mangel an Beweisen aufgehoben worden war.
Nun wurde das neue Urteil vom Obersten Zivilgerichtshof bestätigt, obwohl seit dem Urteil des Obersten Strafgerichtshof kein einziger neuer Beweis aufgetaucht ist.
Der Strafrichter Priore, der gegen Offiziere der Aeronautica Militare einen Prozeß geführt hatte, beauftragte ursprünglich ein internationales Sachverständigenteam mit der Untersuchung der Absturzursache.
Als seine Sachverständigen zu dem Schluss kamen, es habe sich um eine Bombe gehandelt, wurden sie von Priore kurzerhand gefeuert. Stattdessen wurde ein italienisches Team eingesetzt, welches seine Ansichten über einen angeblichen Luftkampf teilte. Sie führten Experimente durch, die beweisen sollten, dass es sich nicht um eine Bombe gehandelt haben konnte.
Aus eigener beruflichen Erfahrung weiß ich, dass wenn der Auftraggeber ein Gutachten in einer bestimmten Richtung haben will, er es vom Auftragnehmer auch so bekommt.
Da es sich laut Gutachten seiner Sachverständigen nicht um eine Bombe gehandelt hatte, konnte es sich für den Richter nur um einen Luftkampf gehandelt haben.
Dies brauchte man praktischerweise nicht in Experimenten zu beweisen, da nachdem die Bombe ausgeschlossen worden war, nach Priores Logik nur noch jene Möglichkeit übrig blieb (auch wenn sich seine neuen Sachverständigen nicht einmal darüber einig waren, ob die Absturzursache ein Raketentreffer oder ein Zusammenprall mit einem Kampfjet war).
Der Richter Priore wollte Gaddafi übringens nicht nur für Ustica die Absolution erteilen, sondern auch für Lockerbie.
Diese absurde Art von Beweisführung hielt vor dem Berufungsgericht nicht.
Wenn Berlusconi nicht mit seinen Vorwürfen der linksideologischen Unterwanderung der Justiz recht gehabt hätte, hätte das Berufungsgericht auch das neue zivilrechtliche Urteil aus Mangel an Beweisen wieder aufheben müssen.
Gerade Berlusconi konnte allerdings bis vor kurzem mit der “historischen Wahrheit” über Ustica sehr gut leben.
Die richtige Wahrheit zu finden, hätte Berlusconis Geschäften mit Gaddafi wohl schwer geschadet.
Nun ist Gaddafi weg…
…und aus der lukrativen “historischen Wahrheit” ist ein 100 Millionen teures “Skandalurteil” geworden, das Berlusconis Verteidigungsminister erfolglos zu bekämpfen versucht hatte.
Italiens Hauptproblem
Dezember 9, 2012Europas Journalisten bekommen ihren Lieblingsfeind zurück.
Berlusconi-Bashing funktioniert immer.
Doch Italiens Hauptproblem ist nicht Bunga Bunga (so peinlich Berlusconis Altersgeilheit auch sein mag).
Es ist auch nicht die Mafia (die organisierte Kriminalität wandert auch in Italien ohnehin immer mehr in ausländische Hand).
Italiens Hauptproblem ist die “Alitalia-Klasse”.
In Italien hat sich eine Klasse von Privilegierten herausgebildet, die nicht bereit ist, auf ihre Vorrechte zu verzichten, selbst wenn diese ihr Unternehmen in den Ruin treiben.
Sei es nur die “Alitalia” oder gleich das ganze Italien.
Das angeblich “bessere Italien” hat die italienischen Staatsinstitutionen (Justiz, Administration, Universitäten, Staatsfernsehen) und alle staatsnahen Unternehmen wie die Alitalia fest im Griff.
Finanziert werden die Privilegien dieser kaum arbeitenden, unkündbaren Klasse von den Angehörigen der wirklich arbeitenden Klassen.
Menschen, die unternehmerisches Risiko tragen müssen.
Menschen, die keine unkündbare Arbeitsplatzgarantie haben, sondern auf eine funktionierende Wirtschaft angewiesen sind.
Aus jenen arbeitenden Klassen rekrutierte Berlusconi auch seine Wähler.
Die arbeitenden Menschen wählten die rechte Partei des Unternehmers.
Die linken Parteien der angeblichen Arbeiterklasse werden von Akademiker-Kindern und sonstigen Privilegierten gewählt.
