Archiv für die Kategorie ‘Naher und Mittlerer Osten’

Eine Welt ohne Sheriff

Juni 16, 2013

Die Welt hat sich einen Präsidenten wie Obama gewünscht.

Nun muss die Welt eben ohne Sheriff auskommen.

In Libyen ist Sarkozy noch eingesprungen.

Syrien ist für Europa jedoch eindeutig eine Nummer zu groß.

Was bedeutet, dass sich Assad und die Dschihadisten das Land am Ende wohl aufteilen werden.

So werden wir weiterhin mit einer (wenn auch etwas verkleinerten) alten miesen Diktatur (von Putins und der Mullahs Gnaden) leben müssen und bekommen wohl auch noch einen netten kleinen neuen Taliban-Staat (von der Ölscheichs und des Sultans Gnaden) dazu.

Schönwetter-Friedensmission

Juni 7, 2013

Großartig haben unsere Kicker heute Abend gekämpft.

Was man von unseren Politikern leider nicht behaupten kann.

Österreichs Politiker labern gern vom Frieden in Nahen Osten.

Unser ehemaliger Zivi-Verteidigungsminister hatte stets besonders gute Ezzes für Israel parat.

Sobald es jedoch bei einer Friedensmission einmal ernst wird, blasen unsere Friedens-Experten mit Blick auf die baldigen Wahlen zum Rückzug.

Was wir uns gewünscht haben?

Mai 24, 2013

Die Welt hat sich einen Präsidenten wie Obama gewünscht.

Nun muss die Welt eben ohne Sheriff auskommen

In Libyen ist Sarkozy noch eingesprungen.

Syrien ist für Europa jedoch eindeutig eine Nummer zu groß.

Was bedeutet, dass sich Assad und die Dschihadisten am Ende das Land wohl aufteilen werden.

So werden wir weiterhin mit einer (wenn auch etwas verkleinerten) alten, miesen Diktatur (von Putins und der Mullahs Gnaden) leben müssen und bekommen wohl auch noch einen netten, kleinen, neuen Taliban-Staat (von der Ölscheichs und des Sultans Gnaden) dazu.

Propaganda der Opferzahlen

April 3, 2013

Casualty counts during modern wars have become a highly politicised business. On one hand, they can help alert the outside world to the scale of violence and suffering, and the risks of conflict spreading both within a country’s borders and beyond them. On the other, as in Syria, Iraq, Darfur, the Democratic Republic of Congo and elsewhere, death tolls have routinely been manipulated, inflated or downplayed – a tool for the advancement of political interests.

(2013 – Sharmine Narwani im Guardian)

Die Dame weiß, wovon sie redet.

Der die Lancet-Studie widerlegende Bericht von Iraq Body Count, mit dem sie ihren aktuellen Beitrag verlinkt hat, war zum Zeitpunkt als sie in einem Anti-Bush-Artikel von mehreren Hunderttausend toten Irakern und Afghanen schrieb, auch schon längst bekannt:

by the time US troops begin their promised 2011 withdrawal, and several hundred thousand innocent Afghani and Iraqi men, women and children have been killed in wars that have become increasingly difficult to justify to a skeptical American public.

(2010 – Sharmine Narwani auf Mideast Shuffle)

Auch wenn ihre Aussage zum Propaganda-Missbrauch von Opferzahlen grundsätzlich richtig ist, braucht es schon eine gehörige Portion Frechheit, um für die Relativierung der Opferzahlen in Syrien ausgerechnet auf die eigenen Übertreibungen beim Irak-Krieg zu verweisen.

Schlicht verlogen

März 21, 2013

Bei allem emotionalen Verständnis für diejenigen, die verzweifelt einen Weg suchen, die Truppen Assads in Syrien zu stoppen – Waffenlieferungen verschärfen mittelfristig die Situation in Syrien. Richtig ist: Die Rebellen haben ein Recht auf Widerstand, auch auf militärischen Widerstand. Und: Die EU-Mitgliedstaaten sind nicht neutral. Hilfe für die leidende Bevölkerung und für bestimmte Widerstandsgruppen ist geboten.

Die Forderung also, Waffen nur an die nicht-extremistische Opposition zu liefern, ist schlicht naiv. Hinzu kommt, dass mittlerweile Teile der FSA rücksichtslos auch gegenüber der Zivilbevölkerung handeln und sogar Uno-Blauhelme angreifen. Ferner ist davon auszugehen, dass Waffenlieferungen westlicher Staaten entsprechende Lieferungen von Iran und Russland verstärken.

Saudi-Arabien und Katar werden seit Jahren als strategische Partner des Westens behandelt, obwohl sie gleichzeitig die Hauptfinanziers des extremistischen Islamismus sind.

(Spiegel: “Liefert den Rebellen keine Waffen!“)

Die Forderungen des Spiegels sind nicht nur schlicht naiv, sondern auch schlicht verlogen.

Einerseits solle man nicht neutral sein, andererseits dürfe man die Rebellen nicht mit Waffen, sondern nur humanitär unterstützen.

Ein Assad lässt sich jedoch nicht durch humane Worte vertreiben.

Das Saudi-Bashing ist daher ziemlich scheinheilig.

Wenn man den Kampf den Dschihadisten überlässt, braucht man sich nicht darüber zu wundern, wenn hinterher die Dschihadisten und deren Förderer das Sagen haben.

Während man den Rebellen keine Waffen liefern dürfe, weil womöglich islamistische Extremisten unter ihnen seien, müsse man mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, egal ob islamistische Extremisten unter ihnen seien:

So gibt die Bundesregierung zwar Geld für die Flüchtlingslager in den Nachbarstaaten Syriens, tut aber zu wenig für eine abgestimmte Flüchtlingspolitik in der EU.

Warum soll schon wieder die EU und nicht etwa die arabischen Nachbarstaaten für die Flüchtlingspolitik zuständig sein?

Die Golfstaaten, Russland und der Iran finanzieren die Kriegsparteien üppig.

So wäre es nur recht und billig, wenn sie auch für die Flüchtlingskosten aufkämen.

Steinmeiers ganzer Stolz

März 18, 2013

Steinmeier kloppft sich im Spiegel selbst auf die Schulter: “Unser standhaftes Nein

Saddam Hussein ist beseitigt, im Übrigen sind alle Befürchtungen eingetreten. Allein auf den Irak bezogen ist die Bilanz ernüchternd: mehr als 4000 US-Soldaten tot und 32.000 verwundet. Weit über 100.000 irakische Opfer.

Eine miese Diktatur abzusetzen, kann mit großen Opfern verbunden sein. Trotzdem gab es immer wieder Staatsmänner, die bereit waren, zu handeln. Steinmeier ist stolz darauf, nicht zu ihnen gezählt zu haben.

Der Traum von der Demokratisierung des Iraks nach dem Vorbild von Nachkriegs-Deutschland und Nachkriegs-Japan – ausgeträumt.

Gemessen am erträumten Maximalziel mögen die Amerikaner im Irak gescheitert sein.

Der Irak hat jedoch heute eine demokratische Regierung. Die US-Truppen konnten abziehen, ohne das Land in einem Bürgerkriegs-Chaos zu hinterlassen.

100.000 tote Iraker waren zwar ein hoher Preis.

Dass die 100.000 irakischen Opfer zum größten Teil auf das Konto von Dschihadisten gingen, die von der deutschen antiimperialistischen Fankurve als “Irakischer Widerstand” angefeuert wurden, verschweigt Steinmeier.

Wie hoch der Preis für den Sturz einer miesen Dikatur ohne amerikanische Hilfe ist, kann man gerade in Syrien beobachten, wo der Aufstand gegen Assad bereits nach zwei Jahren über 70.000 Opfer gefordert hat.

Wie viele Syrer beim Kampf gegen die Diktatur noch sterben werden, steht in den Sternen, und selbst wenn es gelingen sollte, Assad zu stürzen, steht es keineswegs fest, dass auf Assad eine ähnlich demokratische und säkulare Regierungsform wie im Irak folgen wird.

Gastarbeit am Golf, Asyl in Europa

Januar 10, 2013

Riad/Colombo – Eine junge Haushälterin aus Sri Lanka ist am Mittwoch in Saudi-Arabien enthauptet worden, weil sie das Baby ihrer Chefin getötet haben soll. Das teilte das saudiarabische Innenministerium laut der amtlichen Nachrichtenagentur SPA mit. Die Justiz des Landes hatte es demnach als erwiesen angesehen, dass die Haushälterin nach einem Streit mit ihrer Chefin deren Baby erstickte. Menschenrechtsaktivisten verurteilten die Vollstreckung des Todesurteils und verwiesen darauf, dass die Frau zum Tatzeitpunkt erst 17 Jahre alt war. Zudem habe sie die Tat unter Zwang gestanden.

Hätte es sich um eine siebzehnjährige Muslima aus Palästina gehandelt, hätten es sich die Scharia-Richter wohl zweimal überlegt, so ein Urteil zu vollstrecken.

Als Arbeitstiere und Sündenböcke holen sich die Ölscheichs daher lieber Ungläubige ins Land:


http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/12/26/asyl-in-europa-statt-arbeit-am-golf/

Allerdings sorgen sie dafür, dass die in Europa materiell versorgten Muslime auch weiterhin mit der richtigen Ideologie versorgt werden und liefern Moscheen, Imame und Dialüg-Zentren nach Europa.

“Das ist Syrien heute”

Januar 8, 2013

Schauen wir uns zunächst das Video an. Sicherlich, ein Propagandavideo. Aber interessant ist schon, welche Werte da propagiert werden: Der Clip zeigt Frauen an der Seite der Männer. Der Clip zeigt Frauen mit und (vor allem) ohne Kopftuch. Der Clip zeigt Schulkinder, die koedukativ unterrichtet werden. Der Clip zeigt ein Renterehepaar, wie man es auch in einer europäischen Stadt sehen könnte. Im zentralen Innenteil steht die religiöse Toleranz im Mittelpunkt: Die Versöhnung zwischen Islam und Christentum. Die Kirche und das Kreuz sind sogar länger zu sehen als jedes andere Bauwerk und Symbol! Der Bruderkuss der religiösen Führer symbolisiert die Bruderschaft der abrahamitischen Religionen.

Das ist Syrien heute. Dieses Syrien soll von Terroristen zerstört werden!

(Jürgen Elsässer – “Lang lebe Assad!”)

Als die arabische Revolution in Ägypten ausbrach, wurde sie von Jürgen Elsässer bejubelt:

Hoch lebe die arabische Revolution

Dass islamische Extremisten gerade versuchen, Ägypten in einen Gottesstaat zu verwandeln, wird nicht als Rückschritt empfunden:

Die Mursi-Verfassung ist KEIN Rückschritt

Mubaraks Ägypten war zwar mindestens genauso säkular wie das Regime aus dem Propaganda-Video, und im Gegensatz zu Assad unterstützte Mubarak auch außerhalb seines eigenen Landes keine extremistischen Terrororganisationen wie die Hisbollah.

Mubarak hatte jedoch keine Verbündeten, die ihn dazu ermutigt hätten, einen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen und damit das Schicksal der christlichen Minderheit an sein eigenes Schicksal zu ketten…

…und wohl auch keine westlichen Groupies, die ihn dafür auch noch als Held bejubelt hätten.

Putins Marinebasis und Erdogans Raketen

Dezember 25, 2012

Der Anteil der Sunniten beträgt in Syrien etwa 75 % und Syrien ist von lauter Staaten mit sunnitischen Mehrheiten umgeben. Selbst in Libyen, das nicht von einer religiösen Minderheit regiert wurde und dessen Diktator mittlerweile ein gutes Verhältnis zum Westen entwickelt hatte, bedeutete die arabische Revolution für das alte Regime das Ende .

Für die alawitischen und christlichen Minderheiten in Syrien wäre ein Machtwechsel zwar in jedem Fall bitter gewesen. Wäre der Sturz des altes Regimes jedoch wie in Libyen schnell vollstreckt worden, hätte es im post-revolutionären Syrien trotzdem eine Zukunft für Assads ehemalige Regime-Stützen geben können.

Durch die Einmischung Russlands und des Iran und die Nichteinmischung des Westens ist eine Bürgerkriegs-Situation entstanden, in der es für die Christen und Alewiten in einem geeinten Syrien endgültig keine Zukunft mehr geben kann.

Die einzige Chance besteht in der Gründung eines Alawitenstaates am Mittelmeer, der vollkommen von Russland abhängig wäre. Russland könnte so seinen (einzigen) Marine-Stützpunkt im Mittelmeer massiv ausbauen. Russland wird damit wohl auch durchkommen, da es dabei auch um das Schikal von Zehntausenden Christen geht, die auch der Westen nicht der Rachsucht der sunnitischen Mehrheit überlassen wird wollen.

Wenn der syrische Staat zerfällt, werden natürlich auch die Kurden versuchen, einen Anteil zu erhalten. Dies ist wohl auch der Grund, warum Erdogan die Patriot-Raketen so dringend benötigt, denn eine kurdische Souveränität an der syrisch-türkischen Grenze würde natürlich auch die Souveränitätsbestrebungen der Kurden in der Türkei beflügeln. Durch die Patriot-Raketen könnte Erdogan sie wesentlich leichter zunichte machen. Die angebliche Gefahr einer militärischen Bedrohung durch das ohnehin massiv geschwächte Assad-Regime ist daher nur ein Vorwand, um sich gegen die Kurden in eine gute militärische Position zu bringen.

Da die Kurden keine Lobby haben, wird auch Erdogan damit durchkommen, und die Kurden werden am Ende wohl wieder einmal übrig bleiben.

Auch die linken Antiimperialisten werden sofort wieder aufhören, sich über den “Kriegstreiber” Erdogan zu empören, sobald sie merken, dass seine Raketen nicht gegen den ”Antiimperialisten” Assad, sondern gegen die Kurden gerichtet sind…

…obwohl gerade die Kurden die einzigen Linken in der Region sind.

Assad und der Dschihad

Dezember 23, 2012

Was wäre geschehen, wenn der Westen in Libyen nicht eingegriffen hätte?

Der Bürgerkrieg zwischen Bengasi und Tripolis wäre wohl trotzdem ausgebrochen.

Nur hätte er nicht 6 Monate gedauert, sondern er wäre länger, verworrener und auch wesentlich blutiger ausgefallen. Italien und die Türkei hätten weiter ihren Erdöllieferanten unterstützt, während reiche Ölscheichs die Sache der “Rebellen” gefördert hätten.

Obama hätte wohl die Politik seiner demokratischen Vorgänger in Afghanistan und Bosnien wiederholt, und die größten Feinde des Westens indirekt unterstützt. Dieser Sumpf wäre der ideale Nährboden für Al Qaida und Konsorten gewesen.

Extremisten werden vom Bürgerkriegs-Chaos angezogen wie Schmeißfliegen von Exkrementen.

Am Ende hätte man erst recht eingreifen müssen, um sich nicht vorhalten zu lassen, man kümmere sich nicht um die armen Muslime.

Was dann aber trotzdem nichts mehr an den bitteren Vorwürfen der islamischen Welt geändert hätte (siehe Bosnien).

Auch das syrische Regime gewinnt durch das Veto seiner alten Verbündeten lediglich ein wenig Zeit.

Zeit, die der Dschihadismus dazu nutzen wird, auch in Syrien prächtig zu gedeihen.

Angesichts seiner eigenen Vergangenheit als Terror-Förderer steht es jedoch gerade Assad am wenigsten zu, sich über eingesickerte Terroristen zu beklagen.


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