Archive for the ‘USA’ Category

Im privilegierten Ghetto

August 20, 2014

Eine stille Wut brodelte in Malcolm. Friedlicher Bürgerrechtsaktivismus, befand er am Morgen unserer Abfahrt, sei gescheitert: “Vielleicht ist es Zeit, dass wir Afroamerikaner uns rächen.” Meine fast beiläufige, lahme Reaktion: Gewalt ist keine Antwort.

Worauf mein Partner erst recht hochging. Er sprach von “White Privilege”, von weißer Ignoranz und Arroganz, nannte meine Reaktion abschätzig, verständnislos, billig.

Ich war entsetzt über das Etikett “White Privilege”, hatte das noch nie gehört, nicht auf mich bezogen. Wo die USA doch seit Jahrzehnten meine Wahlheimat sind und ich mich gerne für “farbenblind” halte – in meiner Überheblichkeit. Der Vorwurf der Ignoranz schien mir abschätzig.

(Marc Pitzke)

Doch dann passiert das Unerhörte, das Pitzke schlagartig zu seinem Glauben an die Weiße Schuld zurückführt:

Sein schwarzer Freund kassiert von einem weißen Polizisten einen Strafzettel wegen eines Verkehrsdelikts.

Zufall? Bedeutungslos? Was für mich eine banale Verkehrskontrolle war, war für meinen Partner eine persönliche Verletzung, die gleichzeitig tief in die Geschichte hineinführt. Ähnlich wie der Fall Michael Brown: Ferguson ist, wie er mir später erklärte, das Spiegelbild seines eigenen Traumas. Jener “alltäglichen Furcht” vor dem wahllosen “death by cop”, die alle Afroamerikaner verfolgt.

Das Risiko, einem Cop zum Opfer zu fallen ist zwar in der Realität wesentlich geringer als das Risiko, von einem schwarzen Bruder ermordet zu werden.

Erst recht, wenn man in einem schwarzen Ghetto wie Ferguson mit seinem weißen Boy-Friend unterwegs wäre.

Wenn man im privilegierten New Yorker Schwulen-Ghetto lebt, gehen einem jedoch leicht die Relationen verloren.

Europäische Verhältnisse in Ferguson

August 19, 2014

In einem amerikanischen Ghetto geht es rund.

In Europa könnte so etwas natürlich nie passieren:

http://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Frankreich_2005

http://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_England_2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Unruhen_in_Stockholm_2013

Es folgt die übliche Berichterstattung über den “institutionellen Rassismus” der USA, an dem auch die Wahl eines schwarzen Präsidenten nichts zu ändern vermochte:

Browns Tod hat in der Kleinstadt etwas aufbrechen lassen, was unter der Oberfläche wohl schon länger brodelte. Zwei Drittel der gut 20.000 Einwohner sind schwarz, aber nur drei von 53 Polizisten. In Browns Tod sehen viele einen Fall von institutionellem Rassismus.

(Spiegel)

In Amerika gibt es nicht einmal 10 % Schwarze und trotzdem ist ein Schwarzer zum Präsidenten gewählt worden.

In Obamas Wahl könnte man nach der Spiegel-Logik daher ebenfalls eine Form von institutionellem (wenn auch verdrehtem) Rassismus sehen.

Dass bei solchen Krawallen nie den Tätern, sondern sonstwem die Schuld zugewiesen wird, ist allerdings eine Form von klassischem Rassismus, da den Tätern nicht einmal die Verantwortlichkeit für ihr eigenes Handeln zugetraut wird.

Jeder auf der Terrorliste?

August 6, 2014

Wieder einmal folgen sämtliche Medien einer Kampagne des Snowden-Anwalts und empören sich über die “Überwachungswut” der amerikanischen Geheimdienste:

Die am Dienstag auf The Intercept veröffentlichten vertraulichen Dokumente zeigen, dass die USA mindestens 680.000 Menschen auf einer Terrorist Screening Database (TSDB) genannten Liste als „bekannte oder mutmaßliche Terroristen“ führen. Davon seien 280.000 Menschen aber gar keiner als Terrororganisation eingestuften Gruppierung wie Al-Kaida, Hisbollah oder den Taliban zugehörig.

Vergangenen Monat hatte The Intercept berichtet, wie leicht Menschen ins Visier der US-Terrorfahnder geraten können. Bereits ein nicht näher zu begründender „angemessener Verdacht“ reicht demnach aus, um auf die Liste potenzieller Extremisten gesetzt zu werden.

(ORF)

Wenn bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden weniger als 700.000 auf die weltweite Terrorliste geraten, so trifft dies etwa jeden Zehntausendsten.

Wer keiner offiziellen Terrororganisation (wie Al Qaida, Al Shabab, Boko Haram) angehört (Muslimbrüderschaft, NPD, NSU gehören beispielsweise nicht dazu), hat lediglich ein Risiko von 1 : 30.000.

Allein in Deutschland hat der Verfassungsschutz hingegen 10.000 Rechtsextreme, 25.000 Linksextreme und 35.000 Islamisten beobachtet und als gewaltbereit eingestuft.

Bei einer Einwohnerzahl von 80 Millionen ist dies jeder Tausendste.

Demütigung für Amerika

Juli 10, 2014

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble nannte das Agieren der Amerikaner gestern Abend eine „Dummheit“.

Zwar hätte Deutschland ohne die Partnerschaft mit US-Geheimdiensten viele Terrorbedrohungen nicht abwehren können, sagte er nach Angaben des Senders Phoenix. Das heiße aber nicht, „dass die Amerikaner drittklassige Leute bei uns anwerben dürfen. Das ist so was von blöd, und über so viel Dummheit kann man auch nur weinen. Deswegen ist Kanzlerin Angela Merkel da auch ‚not amused‘“, so Schäuble weiter.

Schäuble hat leider vollkommen recht.

Ein Typ, der sich selbst bei der Botschaft meldet und lediglich eine Hilfskraft ist, bringt – außer dem Risiko erwischt zu werden – wohl gar nichts.

Wenn die CIA so einem Typen tatsächlich zwei Jahre lang bezahlt haben sollte, ist das ein absolutes Armutszeugnis.

Merkels Handy abzuhören oder Verräter von befreundeten Geheimdiensten zu finanzieren, ist selbstschädigendes Verhalten.

Die peinliche Spionage-Affäre stellt nicht für Deutschland, sondern für Amerika eine demütigende Blamage dar.

Augsteins Beitrag ist daher wieder einmal die pure Heuchelei:

Oops! Und sie haben uns schon wieder gedemütigt. Oh, baby, baby! Sie haben mit unserem Herzen gespielt. Wir hielten es für Liebe. Aber das war ein Fehler. Die bittere Wahrheit ist: Zwischen den Amerikanern und uns besteht ein Herr-Hund-Verhältnis.

(Spiegel)

Der linke Unsinn des Spiegel-Erben kommt beim Spiegel-Forum meistens nicht so recht an.

Wenn Augstein die USA basht und Israel „kritisiert“, klopft ihm das Spiegel-Forum jedoch anerkennend auf die Schulter.

Schwindende Panikmacher

Mai 9, 2014

Starker Tobak – und doch im Trend: Amerikas schwindende weiße Mehrheit begehrt auf gegen die gesellschaftlichen Umwälzungen, die sich nicht zuletzt in den Ergebnissen der vergangenen Präsidentschaftswahlen offenbart haben.

(Spiegel)

Wer behauptet, dass die europäische Mehrheit schwinde, wird von Pitzke & Co. gerne als “rassistischer Panikmacher” hingestellt.

Sobald die “gesellschaftlichen Umwälzungen” wie in den USA zur Realität geworden sind, werden die ehemaligen “Panikmacher” für ihr “Schwinden” auch noch verhöhnt.

Egal wen die Amerikaner zum Präsidenten wählen, sie bleiben im “Alltag” immer die schlimmsten “Rassisten”:

Auch ignoriert Fortgang den oft noch fest institutionalisierten Rassismus in Wirtschaft, Gesellschaft und Justiz. “Ertappte” oder offene Rassisten dienen da nur als groteske Medien-Sideshows: NBA-Teamchef Donald Sterling, Südstaaten-Starköchin Paula Deen, der von “Negern” faselnde Rancher Cliven Bundy.

Im Alltag zeigt sich Rassismus überall.

Hat irgendeine Privatperson in irgendeinem Privatgespräch irgendetwas Politisch Unkorrektes gesagt, wird es gleich als Beweis für den Alltags-Rassismus einer ganzen Bevölkerungsgruppe gewertet.

Wenn es um “Rassismus” geht, werden auch private Gedanken und Gespräche zu Verbrechen, die entsprechend geahndet werden müssen.

Allerdings nur wenn es sich bei den Tätern um “Weiße”, am besten “Rancher” oder “Starköchinnen aus den Südstaaten” handelt.

Beliebtester Präsident, verhassteste USA

April 27, 2014

Nie hatte ein amerikanischer Präsident in Europa so viel Zustimmung wie Obama.

Trotzdem ist Amerika heute sogar noch unbeliebter als unter Bush.

Antiamerikaner bleiben Antiamerikaner, aber unter Obama verliert Amerika auch die Proamerikaner.

Für diejenigen, die angesichts der Probleme wie Islamisierung und Terror eine starke Leadership wollen, hat die USA mit Obama stark an Attraktivität eingebüßt.

War PI-NEWS in den Bush-Jahren noch “proamerikanisch”, wird heute Putinismus gepredigt.

Dass Putin auch andere alte PI-NEWS-Ideale wie “Grundgesetz” und “Menschenrechte” nicht im Programm hat, kommt den Kewilisten ohnehin sehr gelegen.

Putin hat zwar bei den Mainstream-Medien etwas von der Bösewicht-Rolle der USA abbekommen, gleichzeitig wird er jedoch als Mann der Tat ernst genommen.

Tatsächlich ist es heute so, dass man sich besser an Putin hält, wenn man wie Israel Probleme in der Nachbarschaft hat.

Friedlicher ist die Welt unter einem schwachen Obama und einem starken Putin keineswegs geworden.

Je schwächer Obama sich zeigt, desto mehr stachelt er Putin dazu an, alle “roten Linien” zu überschreiten.

“Fuck the EU”

Februar 7, 2014

Angela Merkel ist empört über die US-Diplomatin Victoria Nuland. Deren abfällige Äußerung “Fuck the EU” im Zusammenhang mit der europäischen Ukraine-Politik verurteilt die Kanzlerin scharf. Gleichzeitig verteidigt sie die EU-Außenbeauftragte Ashton.

Dabei hat die Amerikanerin nur ausgesprochen, was auch viele Europäer denken.

Die Mehrheit der Europäer will Wohlstand, geschützte Außengrenzen und keinen Sozialtourismus innerhalb der Mitgliedstaaten.

Wenn die EU nicht mehr den Eindruck erwecken kann, zum Wohle ihrer Bürger beizutragen, sondern als undemokratisches sozialistisches Technokraten-Regime wahrgenommen wird, werden bei den kommenden Wahlen viele Europäer “Fuck The EU” wählen.

Kein Abhörskandal

Februar 7, 2014

Seit einem halben Jahr empört sich der Spiegel täglich über die Eingriffe in die Privatsphäre durch die NSA.

Wenn es jedoch um von Russland abgehörte Gespräche der Amerikaner geht, echauffiert man sich auf einmal nicht mehr übers Abhören, sondern über die Abgehörten:

Obamas wichtigste Europaberaterin sollte den Amerikafrust der Europäer mildern, stattdessen heizt sie ihn offenbar eher neu an. In einem YouTube-Video beleidigt sie die Europäische Union im Zusammenhang mit der Lage in der Ukraine hörbar grob.

Auch bei Berlusconis “Rubygate” hatte sich schon jene Doppelmoral der Medien gezeigt.

Dass Italiens Justiz das Handy eines unliebsamen Politikers offenbar permanent abhören ließ, war für Spiegel & Co. ebenfalls kein Abhörskandal.

Assads Überreder

Januar 20, 2014

Syrienkonferenz in der Schweiz: Nur Iran kann Assad überreden

Mit seiner Einladung an Iran hat Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon die syrische Opposition und die USA brüskiert. Dennoch ist die Teilnahme des Regimes am Treffen in Montreux wichtig: Teheran hat den stärksten Einfluss auf Diktator Assad.

(Spiegel)

Im Gegensatz zu Gaddafi und Saddam hätte Assad wohl kaum bis zum bitteren Ende gekämpft.

Wäre der iranische und russische Einfluss auf Assad nicht so strak gewesen und der Wille des Westens nicht so schwach, könnte die Familie Assad schon längst in einem angenehmen Exil verweilen und Syrien wäre ein äußerst blutiger Bürgerkrieg erspart geblieben.

Dass die Mullahs, die Assad zum Kämpfen gedrängt hatten, ihn auf einmal zum Frieden überreden sollten, glaubt wohl auch nur Herr Moon.

Obama wurde von Herrn Moon hingegen gar nicht erst groß gefragt (was allerdings wohl ziemlich egal ist, da Obama wahrscheinlich ohnehin nichts zu sagen gehabt hätte).

Russland, Iran, China haben vielleicht Grund, über Obamas Schwäche zu feixen.

Wir Europäer werden hingegen wie beim Balkankrieg die Folgen der amerikanischen Führungsschwäche in Form von weiteren Flüchtlingsströmen aus der Krisenregion sehr unangenehm zu spüren bekommen.

Omaba wie Bush oder Kennedy?

November 20, 2013

Amerikanische Präsidenten, die als Hoffnungsträger der Linken galten, können schnell zu Hassobjekten werden, wenn sie sich doch nicht an der Weltrevolution beteiligen, sondern stattdessen amerikanische Interessen vertreten.

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Der “Warlord Obama” sei ein imperialistischer Kriegshetzer, der sich dem Iran gegenüber höchst unfair verhalte.

Auch Kennedy wurde aufgrund seiner Kuba-Politik zum linken Feindbild.

Als ein geltungssüchtiger “Fair Play for Cuba”-Aktivist zur Tat schritt, wurde den linken Hetzern jedoch nicht die Schuld an seiner Indoktrinierung gegeben.

Das schlechte Gewissen wegen der peinlichen McCarthy-Ära führte dazu, dass man auf eine “Hexenjagd” gegen Oswalds Inspiratoren verzichtete.

Im Lauf der Jahre wurde der “Kriegstreiber” Kennedy zur linken Friedenstaube umdeklariert, die laut Oliver Stones Film von rechten Verschwörern umgebracht wurde, weil sie gegen den Vietnamkrieg gewesen wäre:

Falls sich irgendein Spinner dazu berufen fühlen sollte, den neuen imperialistischen “Warlord Obama” zu beseitigen, wird man auf altbewährte Erklärungsmuster zurückgreifen:

Den “Warlord” würde man dann ganz schnell wieder zum “Friedenspräsidenten” erklären werden, der von der allmächtigen “Israel-Lobby” aus dem Weg geräumt worden sei.


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