Mit ‘Augstein’ getaggte Beiträge

Moralist und Putinversteher

April 15, 2014

In ganz Europa gibt man sich dem reaktionären Denken hin. Großbritannien, Niederlande, Frankreich, Ungarn, Norwegen. In Deutschland haben wir Sarrazin, wir haben Lucke. Bosheit und Ressentiment.

Jetzt höre ich schon die Drähte summen, und gleich läuft das Netz heiß. Bevor das Forum unter dieser Kolumne flirrt, ihr grimmen Leser, greift nicht in die Tasten.

Das ist alles Unsinn. Und diese Haltung, die hinter vorgeschobenen Argumenten nur ihre Fremdenfeindlichkeit verbergen will, erzeugt Übelkeit.

Und übrigens: Nein, man muss den Deutschen nicht mit der bösen Vergangenheit kommen – sie taugt im Allgemeinen nicht als Argument für eine gute Gegenwart.

Nur für moralisch Empfindsame bedeuten die Verbrechen der Väter und Großväter eine gegenwärtige Verpflichtung. Und zur moralischen Empfindsamkeit kann man die Menschen nicht zwingen.

(Augstein)

Mit der Überlegenheit der “moralisch Empfindsamen” wischt Augstein die “vorgeschobenen Argumente” des reaktionären Foristen-Plebs lässig beiseite.

Lediglich beim Thema Außenpolitik kommt zwischen Prinz Augstein und seinem Volk so etwas wie Nähe auf.

Wenn Augstein Putin versteht (und die USA basht und Israel „kritisiert“), klopft ihm das Spiegel-Forum anerkennend auf die Schulter.

Deswegen hätte sich Augstein für Deutschland einen Syrien-Wahlkampf gewünscht.

Warum kommt Putin bei den rechten Spiegel-Foristen so gut an?

Putin weist alle Merkmale eines typischen rechten Führers auf, wofür er von vielen Rechten folgerichtig bewundert wird.

Dass Linke wie Augstein auf Putin stehen, hat hingegen lediglich sentimentale Gründe und nichts mit der politischen Ausrichtung Putins zu tun.

Solange Putin den Kalten Krieg gegen den unmoralischen Westen weiterführt, darf Putin inhaltlich rechts sein, wie er will, ohne dass es Augsteins moralische Empfindungen tangieren würde.

Rechtsaußen und Linksaußen für Putin

März 18, 2014

Weil es im Westen zu einem erschreckenden Schulterschluss zwischen Links- und Rechtsaußen in der Unterstützung Moskaus kommt, der in der Mitte wie immer von kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen begleitet worden ist ( Diese erinnern an den Lenin-Spruch: Sie werden uns noch den Strick verkaufen, an dem wir sie aufhängen).

(Andreas Unterberger)

Die Begeisterung von Rechtsaußen ist einerseits nachvollziehbar, da Putin alle Eigenschaften eines richtigen Faschisten-Führers aufweist.

Andererseits ist es angesichts der deutschen Geschichte trotzdem bizarr, dass ausgerechnet deutsche Rechte sich einen Putin als neues Idol erwählt haben:

Erst wollte man sich von Hitler vor dem Kommunismus beschützen lassen.

Nun wirft man sich einem KGB-Agenten, der den Zerfall der UdSSR als größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet hatte, an den Hals.

Die EU mag ihre Schwächen haben. Die ökonomischen Probleme Europas lassen sich jedoch nicht durch Putinismus lösen.

Ebenso gut könnte man die Errichtung eines Emirates postulieren. Das ökonomische Erfolgsgeheimnis ist nämlich das Gleiche.

Dass Linksaußen immer noch viel Verständnis für Putin hat, obwohl sich die EU in die gewünschte sozialistische Richtung entwickelt und Putin sich mit Europas Rechtsaußen verbrüdert, hat sentimentale Gründe.

Trotz des linken Obamas bleibt die USA der imperialistische Hauptfeind.

Für das Weiterführen des Kalten Krieges, den man beim Zusammenbruch des Ostblocks schon verloren geglaubt hatte, ist man dankbar, auch wenn man darüber Besorgnis heuchelt:

Der Ost-West-Konflikt lebt wieder auf. Aber die Kalten Krieger sitzen nicht im Kreml. Sondern in Washington, in Brüssel und in Berlin. Seit 1989 steuert der Westen einen Kurs der Konfrontation gegenüber Russland.

(Augstein)

…und wie in alten Zeiten (und nicht erst seit 1989) erklärt man den Moskauer Täter zum Opfer der westlichen “Kalten Krieger”.

Chodorkowski und Augsteins Vater

Dezember 25, 2013

Marx hätte seine Freude an den russischen Oligarchen gehabt: Sie perfektionierten die pure Akkumulation des Kapitals.

Wladimir Putin hat diese Leute in die Schranken gewiesen.

Aber solche politischen Prozesse sind keine russische Spezialität. Jedes System verfolgt die, von denen es sich bedroht sieht.

Vor wenigen Wochen verhängte ein New Yorker Bundesgericht gegen den 28-jährigen Jeremy Hammond die rechtlich mögliche Höchststrafe bei einem Geständnis. Hammond ist ein Aktivist und Hacker. Er brach in das Computersystem eines privaten Nachrichtendienstes ein, der Behörden und Unternehmen mit Informationen versorgt, und leitete die gestohlenen E-Mails an WikiLeaks weiter. Außerdem kopierte er Zehntausende von Kreditkartendaten und überwies damit mehrere hunderttausend Dollar an gemeinnützige Organisationen.

Denn anders als Chodorkowski wollte sich Hammond nicht selbst bereichern.

(Jakob Augstein – Spiegel)

Auch Augsteins Vater hatte durch seinen wirtschaftlichen Erfolg sich selbst (und leider auch seine bzw. Walsers Brut) bereichert.

Im Gegensatz zu Chodorkowski leben die Augsteins jedoch in einem System, das eben nicht mit Putins System zu vergleichen ist.

In einem System, das alle Möglichkeiten zur friedlichen politischen Opposition bietet, trotzdem zu kriminellen Mitteln zu greifen, hat wenig mit Dissidententum zu tun, sondern ist schlicht kriminell – auch wenn sich schon Leute wie die RAF-Verbrecher natürlich selbst gerne als “politische Gefangene” bezeichnet hatten und auch genug Bewunderer fanden, die ihre Sichtweise teilten.

Witzig ist auch, dass die Bezeichnung “Raubtierkapitalisten”, wie sie von Augstein für Chodorkowski verwendet wird, den russischen Oligarchen ursprünglich ausgerechnet von George Soros verpasst worden war.

Augsteins “Gut und Böse”

Dezember 11, 2013

Gauck geht es eben nicht um “guter Ami” oder “böser Russe”, auch wenn Augstein in diesen Kategorien denkt, sondern um Freiheit vs. Diktatur (bzw. Demokratur).

Hätte Russland eine jenen Werten verpflichtete Regierung, wäre Gauck wohl der Letzte, der Russland boykottieren würde.

Augstein & Co. bleiben hingegen trotz Obama Antiamerikaner (auch wenn sie vorher stets behauptet hatten, ihr Antiamerikanismus würde nur an Bush liegen).

Ossi-Angela ignoriert Augsteins Trauma

Dezember 9, 2013

Gauck kenne nur die Freiheiten von gestern:

Warum wurde Gauck als Präsident der Freiheit apostrophiert? Warum hat er ein Buch geschrieben, das einfach so heißt, “Freiheit”? Weil Gauck nur die Bedrohungen der Freiheit gelten lässt, die er kennt. Und die Russen kennt er eben von früher aus dem Osten. Gauck kann sich gar nicht vorstellen, dass die viel größere Bedrohung unserer Lebensweise heute aus dem Westen kommt.

Verfolgung der Opposition oder Antischwulengesetze des Russen seien jedoch nichts gegen die wahre Bedrohung unserer Lebensweise (als Internet-Che-Guevaras) durch den Ami.

Ossi-Angela solle sich statt um ihr eigenes Russen-Trauma endlich um das gesamtdeutsche NSA-Trauma kümmern:

Wir bleiben mit der Überlegung zurück: Sollen die beiden ruhig beherzt für die Rechte von russischen Schwulen und ukrainischen Oppositionellen eintreten. Aber wenn sie ihr Russen-Trauma abgearbeitet haben, könnten sie sich dann auch mal um unsere Rechte kümmern?

Augstein – “Böser Russe, guter Ami

Augstein will deutschen Syrien-Wahlkampf

September 18, 2013

“Insofern stellt sich die Frage nach einer Beteiligung der Bundeswehr jetzt ohnehin nicht.” Zum Glück – hätte sie noch hinzufügen können. Merkel hätte sich bei Russen und Chinesen bedanken sollen, dass sie ihr die Arbeit der Weltpolitik abnehmen.

Denn die Frage nach Krieg und Frieden ist eine, da muss die Kanzlerin Farbe bekennen. Aber nichts liegt Angela Merkel weniger als das. Sie ist die Kanzlerin des Ungefähren. Umso mehr gehört die Frage, welche Haltung die Bundesrepublik im Syrien-Konflikt einnehmen soll, in den Wahlkampf.

(Jakob Augstein – Spiegel)

Ausländerwahlkämpfe wurden in Europa und insbesondere in Deutschland zu Recht tabuisiert, da dabei lediglich Ressentiments geschürt werden.

Der Syrien-Wahlkampf, den sich Augstein wünscht, bestünde ebenfalls genau im Schüren von Ressentiments.

Augstein geht es nicht um Lösungen für Syrien, sondern um die Mobilisierung antiamerikanischer (und wenn es sein muss auch antisemitischer) Gefühle im deutschen Wahlkampf.

Als linker Gutmensch fordert Augstein von Deutschland auch außerhalb des Wahlkampfes, Themen wie Migration und Islam im Lichte bzw. Schatten seiner besonderen Geschichte zu behandeln.

Die besondere Geschichte hindert ihn jedoch selbst nicht daran, wesentliche Teile der Nazi-Ideologie zu übernehmen.

Augsteins unbelegtes Gerede

August 27, 2013

Dabei hatte schon Ahmadinedschads Vorgänger Chatami 2003 versucht, den kalten iranisch-amerikanischen Krieg zu beenden: Damals war die Rede davon, das iranische Atomprogramm zum Teil einer großen Verhandlungslösung zu machen. Es war die Rede davon, dass Iran Israel seine Anerkennung gewähren und Hisbollah und Hamas seine Unterstützung entziehen wolle. Aber die damalige Bush-Regierung winkte ab – die Amerikaner haben an einem gemäßigten Iran kein Interesse. Sie wollen den Regimewechsel.

(Jakob Augstein – Spiegel)

“Damals war die Rede davon” ist wohl keine sehr seriöse Quelle: Tatsächlich war nie die Rede davon, dass die Mullahs bereit gewesen wären, die von Augstein aufgezählten Maßnahmen in Erwägung zu ziehen.

Würden die Mullahs die Vernichtung Israels aus ihrer Staatsdoktrin streichen, würde dies der “Israel-Lobby” als “Regimewechsel“ wohl völlig ausreichen.

Bei Augstein wird jedoch der Bedrohte zum Aggressor gemacht: Nicht die Mullahs würden Israel aus ideologischen Gründen vernichten wollen, sondern Israel und Bush hätten aus ideologischen Gründen gar kein Interesse an einem “gemäßigten Iran”.

Ein demokratischer Iran wäre zwar tatsächlich wünschenswert – insbesondere für die Iraner.

Gerade Israel würde jedoch jedes iranische Regime, das bereit wäre, in Frieden mit Israel zu leben, akzeptieren.

Besserwessi Augstein

Juli 22, 2013

Ihr Verhalten im Überwachungsskandal legt die Vermutung nahe, dass ihr das Wesen dieser Demokratie in Wahrheit immer noch fremd ist.

Angela Merkel war 35 Jahre alt, als die DDR im Strudel der Wende versank. In dem Alter kann man noch lernen. Und es gab viel zu lernen für eine ostdeutsche Nachwuchspolitikerin. Heute kann man sagen: Merkel lernte das Falsche.

(Jakob Augstein)

Ausgerechnet Deutschlands größter Fan der sozialistischen Utopie hält Angela Merkel vor, im ostdeutschen realen Sozialismus aufgewachsen zu sein und danach über das Wesen der westlichen Demokratie das Falsche gelernt zu haben.

Dass der reale Sozialismus nicht nur in der DDR, sondern auch in sämtlichen anderen Staaten, die (wie Augstein es fordert) den Kapitalismus abgeschafft hatten, nur in Form einer repressiven Diktatur ohne bürgerliche Grundrechte aufrecht erhalten werden konnte, hält Augstein nicht davon ab, an seiner linken Utopie festzuhalten.

Rechtsradikale müssen sich die Taten eines Hitlers oder Mussolinis vorhalten lassen, Linksradikale schaffen es hingegen, sich vom realen Sozialismus erfolgreich abzugrenzen und ihre Utopie als etwas völlig Anderes als alle bisher verwirklichten sozialistischen Experimente zu verkaufen.

Traditionell spielen sich die Anhänger des Linksstaates gerne als große Hüter des Rechtsstaates auf, zumindest solange ihre Utopie nicht in die Realität umgesetzt wird.

Gleichschritt der Stürmer

Juli 15, 2013

Pincus hatte spekuliert, dass Whistleblower Edward Snowden sowie “Guardian”-Reporter Glenn Greenwald und Dokumentarfilmerin Laura Poitras – die die meisten NSA-Enthüllungen an die Öffentlichkeit brachten – eine politische Agenda hätten und heimlich von WikiLeaks-Gründer Julian Assange “gesteuert” würden. Pincus’ “Belege” waren nachweislich falsch. Die “korrigierte” Kolumne – oder was davon übrig ist – war nichts als üble Nachrede.

(Marc Pitzke: “Gleichschritt der Mitläufer“)

Snowden hatte keine politische Agenda?

Hat er es also nur wegen des Geldes getan?

Einen wirklich bemerkenswerten Gleichschritt gibt es zwischen der SPD und dem Spiegel, die gemeinsam gegen Merkel stürmen.

“Schaden vom Volke abzuwenden – das stelle ich mir anders vor.” Der Kanzlerkandidat der SPD hat Recht.

Es geht darum, dass man unsere Rechte verletzt, ohne dass wir Einspruch erheben können. Wir hören auf, Bürger zu sein, und werden zu Untertanen.

Das ist eine fundamentale Erfahrung der deutschen Geschichte, die wir nie wieder machen wollten. An wen wenden wir uns jetzt? Wer kommt uns zu Hilfe?

Im italienischen Grosseto wird gerade der Prozess gegen Francesco Schettino geführt. Er hatte als Kapitän die “Costa Concordia” vor der Insel Giglio auf Grund gesetzt. Und dann hatte er laut Anklage Schiff und Passagiere im Stich gelassen. Im Spionageskandal ist Angela Merkel unser Capitano Schettino. Sie lässt die Deutschen im Stich.

(Jakob Augstein:”Merkel lässt die Deutschen im Stich“)

Welche politische Agenda dabei verfolgt wird, ist ziemlich klar.

Vom Schaden, den Snowden den USA verursacht hat, sollen Grüne und SPD maximal profitieren.

Snowdens Enthüllungen verursachen weder in den USA noch bei deren Gegnern eine große innenpolitische Wirkung.

Wenn ein ohnehin schwacher US-Präsident dank der Kampagnisierung des “NSA-Skandals” seine verlässlichste Verbündete verliert, können sich USA-Gegner wie Assange, Augstein oder Putin allerdings sehr freuen.

Was SPD und Spiegel gerade veranstalten, ist ein klassischer Ausländerwahlkampf, bei dem sogar der “Verrat am Volke” angeprangert wird.

Wenn die USA die Volksfeinde sind, ist der Populismus jedoch salonfähig.

Würden hingegen Springer und die CDU Bushido zum Wahlkampfthema machen, würden Augstein & Co. indigniert die Nase rümpfen.

Schuldig!

Juni 10, 2013

Augstein entlarvt sich selbst als religiöser Eiferer, der die Ketzer für eine Naturkatastrophe verantwortlich machen will:

Jahrhunderthochwasser wälzen sich durch Süd- und Ostdeutschland. Jetzt ist Gelegenheit, die Leugner des Klimawandels auf die Deiche zu führen! Und die Wachstumsprediger nach Magdeburg. Aber sie würden nur sagen, dass sie nicht schuld sind.

…und als “Sehender” keine wissenschaftlichen Beweise benötigt:

Ob dieses eine Hochwasser auf die von Menschen gemachte Erderwärmung zurückgeht, wird sich nicht beweisen lassen. Die Frage ist: Welchen Beweis brauchen die Klimawandelleugner, bevor ihnen die Augen aufgehen?

Oder hat es ihm einfach nur ins Gehirn geregnet?


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