Posts Tagged ‘Gaddafi’

Putin als Opfer?

Juli 19, 2014

In Moskau verbreitete am Freitag das staatlich kontrollierte Fernsehen die These, das Flugzeug des russischen Präsidenten Wladimir Putin könnte das eigentliche Ziel der abgefeuerten Rakete gewesen sein. Tatsächlich war die Präsidentenmaschine zur gleichen Zeit auf dem Heimflug aus Lateinamerika.

(Kronen Zeitung)

Nach dem Absturz eines italienischen Flugzeugs war es Gaddafis italienischen Geschäftsfreunden gelungen, den Täter zum Opfer zu erklären:

Dennoch gelang es Untersuchungsrichter Rosario Priore in jahrelanger Puzzlearbeit, das Szenario von Ustica zu rekonstruieren. Seine These: Nato-Jäger waren an jenem Abend unterwegs, um ein Flugzeug mit Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi abzuschießen. Der aber entkam; stattdessen wurde die Itavia-Maschine vor Ustica von der Rakete getroffen.

(taz)

Allerdings wurde die italienische DC9 erst nach Jahren gefunden – genug Zeit, um Legenden zu stricken, deren Gegenteil – bei umgekehrter Beweislast der perversen italienischen Justiz – nicht mehr bewiesen werden konnte.

Putin wird mit dieser Geschichte nicht so leicht durchkommen.

Zu eindeutig sind die Fakten, die auf dem Tisch liegen.

Dass er mit dem Flugzeug zu jener Zeit in jener Gegend unterwegs gewesen wäre, wird ja nicht einmal von ihm selbst behauptet (allerdings 1980 auch nicht von Gaddafi).

 

Vor 28 Jahren am Flughafen Schwechat

Dezember 27, 2013

Am Freitag, dem 27. Dezember 1985, gegen 9 Uhr früh gelangten drei palästinensische Terroristen über die Stiege an der Ostseite des Flughafengebäudes zur Abflughalle und rollten eine Rauch- und drei Handgranaten in eine Passagierschlange, die an den Schaltern Drei und Vier auf die Abfertigung des El-Al-Fluges warteten. Danach eröffneten sie mit „Kalaschnikow“-Sturmgewehren das Feuer. Die Schüsse alarmierten auch die beiden israelischen Sicherheitsbeamten am El-Al-Schalter, die ebenfalls die Attentäter unter Feuer nahmen und auf diese Weise ein weiteres Vordringen der Terroristen in die Halle verhinderten. In der Zwischenzeit hatten österreichische Kriminalbeamte ebenfalls in das Gefecht eingegriffen. Insgesamt fielen fast 200 Schüsse. Dabei kamen der österreichische Magister Ekkehard Karner und der Israeli Elias Jana ums Leben. 39 Personen wurden verletzt, darunter 23 Österreicher.

Anschließend flüchteten die Angreifer mit einem vor dem Flughafengebäude geraubten PKW, dessen Besitzer sie bedrohten. In der Nähe von Fischamend auf der Preßburger Bundesstraße wurden die Attentäter von der Polizei gestellt. Bei dem Schusswechsel starb der Terrorist Abdel Aziz Merzoughi. Die beiden anderen (Mongi Ben Abdollah Saadaoui und Tawfik Ben Ahmed Chaovali) wurden schwer verletzt festgenommen und ins Wiener Allgemeine Krankenhaus eingeliefert. Sie haben sich dort zur Fatah-Splittergruppe Abu Nidals („Fatah – Revolutionärer Rat“) bekannt. 1987 verurteilte sie ein Wiener Gericht zu lebenslangen Haftstrafen.

Zeitgleich verübte eine zweite Terrorgruppe auf dem Flughafen Rom-Fiumicino einen ähnlichen Anschlag, bei dem 16 Menschen starben und Dutzende verletzt wurden.

(Wikipedia)

Die für das Attentat verantwortliche Abu Nidal-Gruppe hatte zum Zeitpunkt des Anschlags ihren Stützpunkt in Libyen:

1985 zog Abu Nidal nach Tripolis, wo er mit Gaddafi Freundschaft schloss, der bald sein Partner wurde und auch Gebrauch davon machte. Am 15. April 1986 griffen US-Truppen in der Operation El Dorado Canyon von britischen Stützpunkten aus Tripolis und Benghazi an. Dutzende wurden getötet. Diese Aktion war die Vergeltung für ein Bombenattentat zehn Tage davor auf einen Berliner Nachtclub, der häufig von US-Soldaten besucht wurde. Nach Abu Nidals Tod berichtete Atef Abu Bakr, ein ehemaliges Mitglied der Fatah RC gegenüber Journalisten, dass Gaddafi Abu Nidal gebeten hatte, gemeinsam mit seinem Geheimdienstchef, Abdullah al-Senussi, eine Serie von Racheattentaten gegen britische und US-Ziele zu planen.

(Wikipedia)

Dass Kreisky mit Gaddafi gekuschelt hatte, hielt den alten Terrorpaten nicht davon ab, Österreich mit Terror zu überziehen.

Andreotti, Gaddafi und Tangentopoli

Mai 6, 2013

Giulio Andreotti ist heute gestorben.

Kein anderer Mann hat das Nachkriegsitalien so stark geprägt wie der Senator auf Lebenszeit.

Giulio Andreotti war zwar wie Silvio Berlusconi ein Feindbild des angeblich besseren Italiens. Auch er musste wie Berlusconi absurde Mafiavorwürfe, die von einer linken Polit-Justiz begeistert aufgegriffen wurden, über sich ergehen lassen.

Den “Tangentopoli”-Skandal, der zur völligen Auflösung seiner Partei geführt hatte, bestand er hingegen völlig unbeschadet, obwohl er die Skandal-Partei davor 30 Jahre lang geleitet hatte und daher in jedem anderen zivilisierten Land der Welt wohl zur Verantwortung gezogen worden wäre.

In Italien wurde er stattdessen zum Senator auf Lebenszeit ernannt.

(more…)

Ustica – Neues Urteil ohne neue Beweise

Januar 28, 2013

Die italienischen Justizbehörden sind nach mehrjährigen Ermittlungen zum Schluss gekommen, dass der mysteriöse Flugzeugabsturz einer DC-9-Maschine, die am 27. Juni 1980 von Mailand Richtung Palermo geflogen war, von einer Rakete verursacht wurde. Die Maschine wurde im Mittelmeer unweit der Insel Ustica abgeschossen.

Das Kassationsgericht in Rom hat daher heute beschlossen, dass der italienische Staat die Familienangehörigen der Opfer entschädigen muss, weil er nicht mit ausreichenden Zivil- und Militärkontrollen die Sicherheit des Flugraums garantiert hatte.

Das Zivilgericht von Palermo hat einfach das alte Urteil des Strafrichters Priore recycled, obwohl sein Urteil vom Obersten Strafgerichtshof aus Mangel an Beweisen aufgehoben worden war.

Nun wurde das neue Urteil vom Obersten Zivilgerichtshof bestätigt, obwohl seit dem Urteil des Obersten Strafgerichtshof kein einziger neuer Beweis aufgetaucht ist.

Der Strafrichter Priore, der gegen Offiziere der Aeronautica Militare einen Prozeß geführt hatte, beauftragte ursprünglich ein internationales Sachverständigenteam mit der Untersuchung der Absturzursache.

Als seine Sachverständigen zu dem Schluss kamen, es habe sich um eine Bombe gehandelt, wurden sie von Priore kurzerhand gefeuert. Stattdessen wurde ein italienisches Team eingesetzt, welches seine Ansichten über einen angeblichen Luftkampf teilte. Sie führten Experimente durch, die beweisen sollten, dass es sich nicht um eine Bombe gehandelt haben konnte.

Aus eigener beruflichen Erfahrung weiß ich, dass wenn der Auftraggeber ein Gutachten in einer bestimmten Richtung haben will, er es vom Auftragnehmer auch so bekommt.

Da es sich laut Gutachten seiner Sachverständigen nicht um eine Bombe gehandelt hatte, konnte es sich für den Richter nur um einen Luftkampf gehandelt haben.

Dies brauchte man praktischerweise nicht in Experimenten zu beweisen, da nachdem die Bombe ausgeschlossen worden war, nach Priores Logik nur noch jene Möglichkeit übrig blieb (auch wenn sich seine neuen Sachverständigen nicht einmal darüber einig waren, ob die Absturzursache ein Raketentreffer oder ein Fast-Zusammenprall mit einem Kampfjet war).

Der Richter Priore wollte Gaddafi übringens nicht nur für Ustica die Absolution erteilen, sondern auch für Lockerbie.

Diese absurde Art von Beweisführung hielt vor dem Berufungsgericht nicht.

Wenn Berlusconi nicht mit seinen Vorwürfen der linksideologischen Unterwanderung der Justiz recht gehabt hätte, hätte das Berufungsgericht auch das neue zivilrechtliche Urteil aus Mangel an Beweisen wieder aufheben müssen.

Gerade Berlusconi konnte allerdings bis vor kurzem mit der “historischen Wahrheit” über Ustica sehr gut leben.

Die richtige Wahrheit zu finden, hätte Berlusconis Geschäften mit Gaddafi wohl schwer geschadet.

Nun ist Gaddafi weg…

…und aus der lukrativen “historischen Wahrheit” ist ein 100 Millionen teures “Skandalurteil” geworden, das Berlusconis Verteidigungsminister erfolglos zu bekämpfen versucht hatte.

Italiens Lockerbie

September 7, 2012

Die libysche Regierung hat Gaddafis rechte Hand überstellt bekommen.

Sanussi war seinem Schwager stets treu zu Diensten. Studentenproteste in Tripolis und Bengasi ließ er niederschlagen und die Anführer öffentlich hinrichten. Tausende andere Regimegegner landeten hinter Gittern und wurden gefoltert. Lange nahm die Welt kaum Notiz davon. Dies sollte sich erst ändern, als 1988 der Pan-Am-Jumbo, Flugnummer 103, über dem schottischen Lockerbie explodierte. Den 2001 als Attentäter verurteilten Abdel Basset Ali al-Megrahi hatte Sanussi zuvor für den Geheimdienst angeworben. Megrahi gehörte demselben Stamm an wie Sanussi.

Auch für den Bombenanschlag auf einen Linienflug der französischen Airline UTA im September 1989 soll der Ex-Geheimdienstchef verantwortlich sein. Bei der Explosion über dem Niger kamen alle 170 Insassen ums Leben, darunter auch die Frau des US-Botschafters im Tschad.

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als „Strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.

Bereits am nächsten Tag wurde vom Geheimdienst SISMI ein falsches Bekennertelefonat an den “Corriere della Sera” getätigt, in dem die rechtsextremen NAR die Verantwortung für den Anschlag übernahmen.

Nachdem sich das Bekenntnis der NAR als “Fake” erwies, ging man zunächst von einem technischen Gebrechen der DC-9 aus.

Erst Jahre später kam es zu einer gerichtlichen Untersuchung des Falles.

In den 90er-Jahren kamen die vom Gericht beauftragten, internationalen Sachverständigen zu dem Schluß, die DC-9 sei durch eine Bombenexplosion abgestürzt.

Hätte man in jene Richtung weiter ermittelt, wäre man wohl schnell auf Gaddafi gestoßen.

Zu jenem Zeitpunkt wußte man bereits von Libyens Verantwortung für Lockerbie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lockerbie-Anschlag

Auch die Absturzursache für eine im Niger verunglückte französische Passagiermaschine war bereits bekannt:

http://de.wikipedia.org/wiki/UTA-Flug_772

Eine Minderheit der Sachverständigen ging von einem Zusammenstoß mit einem anderen Flugzeug aus – auch in diesem Fall wäre man wohl schnell bei Gaddafi gelandet, da eine in Kalabrien abgestürzte libysche MiG wenige Tage nach dem Unglück von Ustica aufgefunden worden war.

Stattdessen wurde die “unglaublichste Theorie”, welche von Gaddafis italienischen Geschäftsfreunden ins Spiel gebracht worden war, zur populärsten Erklärung für Ustica.

“TangentENI”

Januar 13, 2012

Die Öllieferungen des Irans an Italien könnten fortgesetzt werden, weil der Iran mit diesen Lieferungen Schulden beim italienischen Energiekonzern ENI bezahle, sagte ein Diplomat am Freitag. Lieferungen, die nicht mit Zahlungen an Teheran verbunden seien, sollten nicht unter das Embargo fallen.

http://derstandard.at/1326466449273/Italien-wird-von-Oelembargo-ausgenommen

Wieder einmal wollen die Italiener und ihre ENI nicht auf ihre Geschäfte mit einem miesen Regime verzichten.

Der Tangentopoli-Skandal, der Anfang der 90er Jahre Italiens politische Landschaft erschütterte, war in Wirklichkeit ein ENI-Skandal.

Im Sommer 1980 stand der alte Terrorpate Gaddafi in Italien unter Verdacht, für die bis dahin schlimmsten Terroranschläge der europäischen Nachkriegsgeschichte verantwortlich zu sein.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/02/als-libysches-ol-europaische-ermittlungen-behinderte/

Leider war Italiens Politik nach dem Scheitern des Eni-Petromin-Deals mit Saudi-Arabien dringend auf Gaddafis Öl angewiesen.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/20/gaddafis-italienischer-komplize/

Aus der Differenz zwischen dem günstigen Preis, den Gaddafi seinen “nachsichtigen” italienischen Freunden machte, und dem offiziellen Preis, um den Italien sein Öl über den staatlichen ENI-Konzern bezog, konnten Cossiga und Andreotti das italienische Parteiensystem bequem ein weiteres Jahrzehnt finanzieren (auch die PCI, welche von Cossigas Cousin Enrico Berlinguer geführt wurde, bekam wohl ihren Anteil)

Gaddafis geschäftsschädigende Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen “Strategie der Spannung” zuschrieb.

Solange Gaddafis Öl sprudelte, rührte keine italienische Regierung an dieser “bequemen Wahrheit”.

Hatschi Gaddafis tiefer Fall

November 19, 2011

Der Tod eines Feiglings

Oktober 22, 2011

Gaddafi hätte alle Möglichkeiten gehabt, sich rechtzeitig zu irgendeinem befreundeten Despoten abzusetzen.

Damit hätte er seine Familie und zumindet einen Teil seines Vermögens retten können und seinem Land einen blutigen Bürgerkrieg (der nur dank Sarkozys beherzten Einschreitens wenigstens nicht allzu lange dauerte) erspart.

War es mutig von Gaddafi, bis zu seinem Tod in seinem Land auszuharren?

Es war höchstens dieselbe Art von Mut, die auch Hitler dazu gebracht hatte, bis zum bitteren Ende weiterzumachen.

Die Realität zu verdrängen und damit zahllose Menschen mit ins Verderben zu reißen, hat in meinen Augen jedoch nichts mit Mut zu tun.

Es ist vielmehr eine der schlimmsten Formen von Feigheit.

Gaddafis letzter Frühling

Oktober 21, 2011

Gaddafi hatte den Israelis zu Beginn des “Arabischen Frühlings” eine „Erhebung der arabischen Massen” an den Hals gewünscht.

Stattdessen ist er nun selbst daran verreckt.

Gaddafis italienischer Komplize

Oktober 20, 2011

Der alte Terrorpate hatte einen alten Mafiapaten zum Komplizen.

Nein, ich spreche nicht von Silvio Berlusconi.

Dieser hatte Gaddafi zwar besonders unappetitlich hofiert.

Jedoch zu einer Zeit, als Gaddafis wilde Terrorjahre schon längst vorüber waren.

Giulio Andreotti hatte hingegen dafür gesorgt, dass die beiden schlimmsten Verbrechen der italienischen Geschichte bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt werden konnten.

Ein paar Jahre später hatte er den Financier seines “Tangentopoli”-Systems auch noch vor Reagans Raketen gewarnt.


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