„Verschwörung gegen Amerika“

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Aus aktuellem Anlaß habe ich diese Rezension über Philip Roths Roman wieder hervorgekramt:

Wie wäre die Geschichte verlaufen, wenn in Amerika 1940 statt Roosevelt, Verfechter einer interventionistischen Politik, ein Kandidat gewählt worden wäre, der das Land nicht in den Weltkrieg geführt hätte?

Dieser sehr spannenden Frage geht Philip Roth in seinem Roman aus der Persektive eines neunjährigen Jungen und seiner jüdischen Familie aus Newark, New Jersey, nach.

Mit dem Versprechen sein Land vor den Grauen eines Weltkriegs zu bewahren, wird der berühmte Atlantiküberflieger Charles Lindbergh zum Präsidenten der USA gewählt . Für den Erhalt des Friedens ist er bereit, sich mit Hitler zu arrangieren.

Diese Politik findet bei großen Teilen der Bevölkerung große Zustimmung. Auch wichtige Vertreter der jüdischen Gemeinde können trotz des aufkeimenden Antisemitismus der Friedensmission des neuen Präsidenten Positives abgewinnen und unterstützen diesen sogar.

In Phils Familie führt die Wahl Lindberghs zu unübersehbaren Bruchlinien und heftigen Auseinandersetzungen. Der Vater ist ein strikter Gegner Lindberghs und wird durch seine unerbittliche Haltung zum Außenseiter. Der bewunderte ältere Bruder so wie seine Tante stehen jedoch auf Seite des neuen charismatischen Präsidenten.

Philip, ein von Natur aus ängstlicher Junge, durchlebt eine traumatisierende Zeit der fortschreitenden Entrechtung und der zunehmenden Entzweiung der Familie.

Leider endet der bis dahin politisch spannende Roman mit einer allzu simplen Verschwörungsgeschichte:

Lindbergh sei durch die Entführung seines Sohnes und dessen Geiselnahme im dritten Reich von den Nazis erpresst worden und daher nur eine Marionette Hitlers.

Dabei wäre eine neutrale Politik Amerikas historisch gesehen wohl auch ohne eine Verschwörung absolut möglich gewesen. Akzeptierte Motive hätte es dafür sogar auch in der jüdischen Bevölkerung gegeben, wie Philip Roth in seinem Roman so treffend dargestellt hat.

Von Konzentrationslagern und Massenmord wusste man zu jenem Zeitpunkt noch nicht, und schließlich gab es mit Stalin einen fast ebenso grossen Wahnsinnigen, der auch nicht gerade der ideale Verbündete war.

Philip Roth hat leider nicht den Mut gehabt, seine eigenen Gedanken konsequent zu Ende zu denken.

Sonst wäre er womöglich gezwungen gewesen, als einer der wenigen jüdischen Intellektuellen McCain statt Obama zu unterstützen.

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Eine Antwort to “„Verschwörung gegen Amerika“”

  1. Sieg der urbanen Weltoffenheit? « Aron Sperber’s Weblog Says:

    […] den Republikanern hat es immer auch starke Tendenzen gegeben, sich gegenüber der Welt zu isolieren. Geostrategisch wäre das für die Amerikaner auch wesentlich leichter möglich als für uns […]

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