Musharraf mag man nicht

Musharraf_Uniform

Diejenigen, die sonst immer gerne alles relativieren, Demokratie und Menschenrechte als westliche oder gar eurozentrische Extravaganzen betrachten, fordern diese ohne wenn und aber ein, wenn es gegen einen Verbündeten der USA geht.

Shah-Reza-Pahlavi-Last-Shah-Iran

Als General Musharraf die Macht übernahm, war Pakistan wohl das gefährlichste Land der Welt, die politische Kultur strotzte vor Gewalttätigkeit.

Man stand wieder einmal am Rande zu einem Krieg mit Indien. Beide Länder verfügen über Atomwaffen, was einem derartigen Konflikt ziemliche Brisanz verliehen hätte.

Zusätzlich war auch der Geheimdienst dank Nawaz Sharif von Islamisten unterwandert.

Nach 9 Jahren unter Musharraf gibt es immer noch viele Probleme – große Teile des Landes sind in Hand archaischer Stämme, die Fanatiker in den Koranschulen stellen weiterhin eine Bedrohung dar.

Aber es wurden auch große Erfolge erzielt. Durch seine besonnene Politik konnte der Konflikt mit Indien entschärft werden. Die von seiner Regierung begangenen Menschenrechtsverletzungen reduzierten sich auf ein zumindest für die Region erträgliches Ausmaß.

Die Demokratie hätte wieder eine Chance in Pakistan. Wichtig wäre jedoch, dass die pakistanische Intelligenzia dafür kämpft. Davon ist leider nur wenig zu merken.

Die PPP, die Partei der Intelligenzia glaubt wieder einmal die islamistische Bestie reiten zu können und versucht Musharraf durch ein Amtsenthebungsverfahren zu stürzen.

Ähnlich wie die iranische Intelligenzia im Jahr 1979, die sich statt für die mögliche Errichtung einer Demokratie einzusetzen lieber gleich bei einer richtigen antiwestlichen Revolution mitmachen wollte.

Eine derartige historische Chance hätten sich ihre 68er Gesinnungsgenossen an den Universitäten in Berlin, Paris und Bologna bestimmt auch nicht entgehen lassen.

Schließlich war Revolution und Kampf gegen den Imperialismus über 10 Jahre der große und leider unerfüllbare Traum gewesen.

Aber bekanntlich fressen Revolutionen ihre Kinder. Das gilt umso mehr für marxistische Kinder einer islamistischen Revolution. Freilich floh keines dieser ungeliebten Kinder in ein gelobtes Bruderland, sondern alle begaben sich exklusiv in die Höhle des Löwen, den imperialistischen Westen.

Fragt man einen dieser politisch bewussten Iraner heute über Mossadegh, wird er ihnen alle Einzelheiten über die Operation Ajax im Jahre 1953 und die unrühmliche Rolle des CIA erzählen, als wäre es gestern geschehen. Wenn es um die eigene Rolle bei der Revolution um 1979 geht, wird alles schon viel schwammiger.

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6 Antworten to “Musharraf mag man nicht”

  1. khan Says:

    das Kommentar berücksicht weder die Geschichte Pakistans, die ethnische Zusammensetzung, noch die Rolle des Miltärs und der etablieren großen Parteien.

    Man kann die Situation in Pakistan nicht mit Iran 1979 vergleichen. Beim Schah Palawi handelte es um einen Diktator, der die eigene Bevölkerung tyranisierte.
    ich sehe hier keine Parallen zwischen der momentanen Machtenthebung Musharafs und der islam. Revolution im Iran.

    Reine Mutmaßungen. Bei Bedarf kann ich ihnen einen interessanten (selbstgeschriebenen) Essay zu Pakistan zu kommen lassen.

  2. aron2201sperber Says:

    ich wollte nicht die Situation pauschal gleichsetzen – das kann man niemals, sondern nur auf die Unterschätzung der Islamisten durch die intellektuelle Elite des Landes hinweisen

    der Schah hätte möglicherweise auch ohne eine islamische Revolution abgesetzt werden können – unter dem Schah wurde zwar eingesperrt und gefoltert – das Regime war aber eindeutig schon schwach – offener Protest stand längst auf der Tagesordnung

    und nebenbei war in Amerika ein Präsident gewählt worden, der sich die Einhaltung der Menschenrechte auf die Fahnen geschrieben hatte

  3. aron2201sperber Says:

    ihr Essay würde mich auch sehr interessieren

  4. Stop The Bomb Or Appease The Mullahs « Aron Sperber’s Weblog Says:

    […] wird in diesen Kreisen lieber über die Operation Ajax und den Sturz Mossadeghs geredet. Über die vor 30 Jahren stattgefundene Revolution wird man so gut wie nichts Konkretes […]

  5. Nachhilfe für Obama « Aron Sperber’s Weblog Says:

    […] genau hat den Krieg auf Pakistan ausgeweitet? War es Bushs “Marionette” General Musharraf – heimlich – nach seiner […]

  6. Georg Hoffmann-Ostenhof und die demokratische Volksrevolution « Aron Sperber’s Weblog Says:

    […] folgt ein Mossadegh-Exkurs – die ultimative Lieblingsrechtfertigung für alle totalitären Streiche, die das revolutionäre […]

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