Zwei 68er haben einen Film über die RAF gedreht

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Schon nach der Ansicht weniger Ausschnitte, ahne ich, was da auf uns zukommt:

Gewalt (Benno Ohnesorg, Vietnam) erzeugt Gegengewalt. Der RAF Terror ist aber zu verurteilen, da Gewalt im Allgemeinen zu verurteilen ist, und Opfer von Gewalt immer leiden müssen.

Ganz abgesehen davon, dass Gewalt gerade im Film auch beim intellektuell aufgeklärten Publikum alles andere als schlecht ankommt (siehe Oliver Stone, QuentinTarantino) handelt es sich dabei grundsätzlich um eine Heuchelei.

Terror ist eine Form der gewaltsamen Auseinandersetzung. Der Terror von oben oder Staatsterror ist ein Merkmal totalitärer Staaten. Durch Angst soll der Wille der Staatsgegner gebrochen werden.

Terror von unten richtet sich hingegen immer gegen Gesellschaften, deren politische Willensbildung beeinflussbar ist. So ist es kein Zufall, dass sich in totalitären Staaten wie Nazi-Deutschland, der Sowjetunion oder Saddams Irak der Terror von unten (ganz im Gegensatz zum Terror von oben) sehr in Grenzen hielt.

Viele bedeutende Exponenten der 68er Generation hatten erfolgreich dazu beigetragen, den demokratischen Verfassungsstaat BRD zum faschistisch-totalitären Staat zu erklären.

In Wahrheit wusste man natürlich, dass dem nicht so war, sonst hätten sich die ganzen 68er Maulhelden aus berechtigter Angst, selbst Opfer von Staatsterror zu werden, nie in ihrem Protest so weit hinausgelehnt.

Die 68er Generation rühmt sich bis heute, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geführt zu haben. Diese wurde jedoch in Wahrheit 25 Jahre zuvor von den Armeen der Alliierten geführt – die Gleichsetzung der BRD mit einem faschistischen Staat diente der Befriedigung der eigenen Eitelkeit und als Munition in einem Generationenkonflikt.

Die 68er Legende vom Kampf gegen den Faschismus war es aber, die enthusiastisch verblendeten jungen Leuten wie Ulrike Meinhof die Legitimation zu ihren Handlungen gab.

Dass Opfer von Gewalt leiden, ist selbstredend. Wichtiger wäre es allerdings gewesen, die Rolle der Anstifter zu beleuchten, auch wenn diese sich selbst die Hände mit aktivem Kampf nicht schmutzig gemacht hatten.

Dann hätte sich der Regisseur als alter 68er wohl auch selbst hinterfragen müssen, was 68er nur sehr ungern tun.

Ulrike Meinhofs Tochter Bettina Röhl hat ihre schmerzvolle Familiengeschichte in einem extrem wichtigen Buch aufgearbeitet.

Der Film wird kaum zur Aufklärung und echten Aufarbeitung jener deutschen Vergangenheit beitragen.

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4 Antworten to “Zwei 68er haben einen Film über die RAF gedreht”

  1. lebowski Says:

    Der Film ist insofern sehr schön als er zeigt, dass die „Antikapitalisten“ der RAF inzwischen Teil des RAF-Business und damit auch Teil der kapitalistischen Verwertungsmaschine sind. Ein schöne Pointe der Geschichte und dafür Dank an Stefan Aust.
    Der einzige Film zum Thema RAF bzw. linke Gewalt, den ich gut leiden kann, war ein bayrischer „Tatort“, in dem Rio Reiser einen linken Gewalttäter spielt der für einen Anschlag gesessen hat, und der, als er aus dem Knast entlassen wird, leider feststellen muss, dass seine Kampfgenossen Spießer geworden sind.
    http://www.tatort-fundus.de/web/index.php?id=1464

  2. kord Says:

    also mit einem wort: sehenswert. *g

  3. Katrin Says:

    wo kann man diesen film herbekommen?

  4. Keine Angst vor der Bombe! « Aron Sperber’s Weblog Says:

    […] selbternannte Entnazifizierer Deutschlands und Österreichs befürworten 68er wie Georg Hoffmann-Ostenhof die strenge […]

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