Henryk for President

Broder I

Ich werde mich dafür einsetzen, dass Holocaustleugnung als Straftatbestand aufgehoben wird. Das Gesetz war gut gemeint, hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, indem es Idioten dazu verhilft, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren. Unser aller Problem ist nicht der letzte Holocaust, dessen Faktizität außer Frage steht, sondern der Völkermord, der vor unseren Augen im Sudan stattfindet.

(Henryk M. Broder im Tagesspiegel vom 21.10.2009)

Als sich der Lindwurm in einem Beitrag über „irrlichternde Liberale“, die sich zur Forderung nach der Abschaffung der Strafwürdigkeit der Holocaust-Leugnung hinreißen ließen, beschwerte, fühlte ich mich von der Kritik angesprochen.

Und gerade vom Lindwurm nehme ich jede Kritik sehr ernst. Auch in jenem Fall war sie sicher berechtigt: wenn man in Kärnten lebt, muss einem meine Prämisse, dass der Holocaust in Europa ohnehin historisch unbestritten sei, wohl als Hohn vorkommen.

Von dieser wohl zu optimistischen Prämisse geht auch Broder in seinem Artikel aus.

Trotzdem wäre mir ein „irrlichtender Liberaler“  als Präsident des Zentralrats der Juden sympathischer als jene, die jetzt das Sagen haben.

Werbeanzeigen

Schlagwörter: , ,

14 Antworten to “Henryk for President”

  1. lindwurm Says:

    Nur kurz ein paar Worte vom Krankenbett aus: Ihr (du, Broder etc) scheint die Lage falsch einzuschätzen. Schafft die Strafwürdigkeit der Holocaustleugnung ruhig ab, binnen Tagen werden in Deutschland große Konferenzen wie in Teheran stattfinden und irgendwann wird sich die neonazisisch-arabsche Sichtweise durchgesetzt haben. Broder wäre nicht Broder, hätte er nicht höchstselbst eine Shoa-Relativierung durch den Vergleich mit dem Genozid im Sudan vorgetanzt. Aber da liegt auch schon der Denkfehler, oder ist mir bloß entgangenen, dass es NICHT zur Ideologe der Bürgerkriegsparteien dort unten gehört, die Welt zu erobern und zwar einzig und allein zu dem Zweck, um ALLE Vertreter einer bestimmten Religion und/oder „Rasse“ zu ermorden?

    • mrbaracuda Says:

      lindwurm sagt:
      Oktober 22, 2009 um 7:17

      Schafft die Strafwürdigkeit der Holocaustleugnung ruhig ab, binnen Tagen werden in Deutschland große Konferenzen wie in Teheran stattfinden und irgendwann wird sich die neonazisisch-arabsche Sichtweise durchgesetzt haben.

      Danke, jetzt weiß ich wieder, warum ich deinen Blog nicht frequentiere.

  2. aron2201sperber Says:

    du hattest und hast wohl recht – auch die Kommentare zu folgendem Artikel bestätigten mir deine Einwände:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2009/06/08/keine-angst-vor-der-bombe/

  3. oren1 Says:

    Ich erinnere mich noch deutlich an die weinerlichen Proteste gegen die Wehrmachtsausstellung. Wie beleidigt die Alten und auch ihre Nachkommen waren, so „pauschal“ angegriffen zu werden, nach allem was sie mitmachen mussten.
    Nun stelle ich mir einen Shoahüberlebenden vor oder einen seiner Nachkommen, die ja leider nicht sehr zahlreich sind, wie muss sich der fühlen, wenn irgend eine Rotznase, halbbetrunken und grölend die Shoah negiert, verharmlost oder entschuldigend erklärt, da kann einem nur das kotzen kommen.
    Schön wäre sie ja, die lieberale Gesellschaft, die mit so eine Rotznase sofort, aus Zivilcourage heraus schlittenfahren würde, aber leider ist sie Utopie….

  4. ramonschack Says:

    Das ist doch nur PR in eigener Sache.

  5. mrbaracuda Says:

    aron2201sperber sagt:
    Oktober 24, 2009 um 9:13

    hier ist es leider nicht nur „Unsinn“

    Ein Irrer soll mir jetzt was genau zeigen; dass man auch mit derzeitiger Rechtslage wunderbar den Holocaust leugnen kann, oder was willst du mir sagen?

    Wie du weißt beschäftige ich mich mit einer anderen Sorte Leugner. Würde es weniger von den Idioten geben, wenn es ein Gesetz gegen „11. September-Leugnung“ gebe, hier oder in den USA? Wohl kaum. Sie würden so reden wie der Irre in den von dir verlinkten Kommentaren; „durch die Blume“ – oder wie man dann sah offen, was dich zum Löschen animierte.

    An dem Irren sieht man doch, wohin so ein Gesetz führen kann: Idioten stilisieren sich zum Opfer oder wie Broder richtig sagte zum Märtyrer (der „Wahrheit“):

    „…wo der Holocaust zumindest in Europa ohnehin historisch unbestritten ist?“
    Ist er eben nicht. Sonst müsste man Leute wie Horst Mahler nicht wegsperren. […] was sicher ist, ist sicher. Was schwach und wackelig steht, muss geschützt werden.

    Wie ich sehe wuselte der Wurm auch dort im Kommentarbereich umher, mit folgendem Schwachsinn:

    lindwurm sagt:
    März 13, 2009 um 7:32

    Holocaustleugnung […] verfolgt immer eine politische Agenda. […] jeder weiß doch, was […] bezweckt wird: Die Reinwaschung der NSAP zwecks Wiederbelebung derselben.

    Der Wurm scheint stark antifaschistisch geschädigt zu sein, anders kann ich mir diesen Unsinn nicht erklären. Als ob der Holocaust das einzige Hindernis einer Reinwaschung der NSDAP wäre, oder diejenigen die mit Parteien wie der NPD flirten nicht um dessen Ansichten bzgl. des Holocaustes wüssten.

    Zu guter letzt sei festgehalten, dass ich Idioten lieber direkt erkennen möchte, als mir erst „Code“ aneignen zu müssen, um diese zu erkennen. Ob sich allerdings etwas daran ändern würde und weniger „durch die Blume“ gesprochen würde, ist fraglich.

    • mrbaracuda Says:

      Und noch kurz und konkret zum Unsinn. Wie diesem hier:

      Broder [hat] eine Shoa-Relativierung durch den Vergleich mit dem Genozid im Sudan vorgetanzt.

      Die Aussage soll kein Unsinn sein? Broder hat dieses gesagt:

      Das Gesetz war gut gemeint, hat sich aber als kontraproduktiv erwiesen, indem es Idioten dazu verhilft, sich als Märtyrer im Kampf um die historische Wahrheit zu inszenieren. Unser aller Problem ist nicht der letzte Holocaust, dessen Faktizität außer Frage steht, sondern der Völkermord, der vor unseren Augen im Sudan stattfindet. Wir brauchen nicht noch mehr Holocaustmahnmale und Gedenkstätten, sondern eine aktive Politik im Dienste der Menschenrechte ohne politische Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Interessen. Wer vom Kampf der Dissidenten in China und der Verfolgung der Baha’i im Iran nichts wissen will, sollte auch am 27. Januar und am 9. November zu Hause bleiben.

      Ich sehe da beim besten Willen keine Relativierung. Was ich sehe ist eine zu begrüßende Neugewichtung aktueller Geschehnisse und ein Aufzeigen von Misständen in der Relation zwischen „Erinnerungskultur“ und „Hinschaukultur“, wenn es um aktuelle Geschehnisse geht, die nicht selten in „Wegsehkultur“ endet, gerade auch weil es um wirtschaftliche Belange geht.

      Auch wenn der Lindwurm es sich sicher wünschen würde, wir können weder in die Vergangenheit reisen, noch sind wir in Deutschland politisch von einer nationalsozialistischen Bewegung bedroht, außer man möchte die Mauermörderpartei im neuen Gewand als solche zählen. Den 2-9%, die bei Landtagswahlen von NPD erzielt wurden, stehen 90% der anderen Seite gegenüber. Auch wenn viele Prozente davon auf die Mauermörderpartei fallen, um die man sich mehr Sorgen machen sollte, als um die Randgruppe die ich laut Lindwurm samt Lage falsch einschätze, bleiben noch gut 70% demokratische Partei. Zu Österreich kann ich nichts sagen.

  6. aron2201sperber Says:

    großartig:

    „Du wirst aussehen wie Norbert Blüm!“

    http://www.abendzeitung.de/panorama/141519

  7. lindwurm Says:

    @mrbaracuda : Warum is ihnen denn um die Sraffreiheit der Holocaustleugnunung so viel gelegen? Mitleid mit den Neonazis, die es ohnehin schon so schwer haben?

  8. lindwurm Says:

    Wenn die Argumente ausgehen, ist es halt „Unsinn“? Leben sie überhaupt in Deutschland oder Österreich? Haben sie eine Ahnung von der rechten Szene und wie groß die wirklich ist? Vor allem: Wie groß die Anzahl der Menschen ist, die zwar keine Neonazis sind, aber sich nichts dringender wünschen, als eine „historische Entlastung“, also eine Geschichtsfälschung? Schon mal die Umfragedaten gesehen, wieviele Menschen hier „Zweifel“ an der Shoa haben? Wieviele am Dritten Reich „nicht alles schlecht“ fanden? Und sie möchten unter solchen Umständen ernsthaft den Holocaustleugnern Tür und Tor öffnen? Tja, das mag vielleicht liberal sein, aber in der Frage bin ich kein Liberaler. Wer Nazis gegenüber liberal ist, ist ein Selbstmörder.

Schreibe eine Antwort zu mrbaracuda Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: