„Bajonette“ oder „Phallussymbole“?

„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unserer Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ 

(Recep Tayyip Erdogan, Türkischer Ministerpräsident)

„Das hat mit der verklemmten Mentalität des Schweizer Kleinbürgers zu tun. Der Moscheeturm wird als ein Phallussymbol wahrgenommen. Der Kleinbürger fürchtet sich vor einer Vergewaltigung durch eine aggressive Macht, durch den Islam. Das Ganze ist natürlich völlig irrational.“

(Jean Ziegler im Tagesspiegel)

Das eine die Kampfansage eines islamistischen Politikers.

Das andere die schmutzige Phantasie des „verklemmtesten aller Kleinbürger“ – dem linken Spießer.

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13 Antworten to “„Bajonette“ oder „Phallussymbole“?”

  1. ramonschack Says:

    Die Frage ist doch, schmeißen wir unsere westlichen Werte über Bord, unsere Grundrechte?

    Verwandeln wir uns in Angstgesellschaften?

    In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an mein Interview mit Avishai Margalit, dem israelischen Philosophen und Co-Autor des empfehlenswerten Buches“Okzidentalismus-Der Westen in den Augen seiner Feinde“.

    Ich hoffe der Link ist zu öffnen, er enthält das Interview:

    Klicke, um auf margalit1.pdf zuzugreifen

  2. aron2201sperber Says:

    von welchen Grundrechten verabschieden wir uns?

    brauchen Muslime für ihr Grundrecht auf Religionsausübung Minarette, die wohl nicht ganz „irrational“ als Machtsymbole des politischen Islam angesehen werden?

    wenn der Islam eine wandlung zu einer reinen Religion durchmacht, habe ich keine Probleme mit Minaretten – dann wäre ein Verbot von Minaretten tatsächlich diskriminierend und würde gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen.

    diese Trennung von religiösem und politischen islam ist leider in vielen islamischen Ländern nicht erfolgt – und in Ländern, wo sie bereits erfolgte, versuchen Islamisten sie wieder rückgängig zu machen (siehe Erdogans AKP)

    Verwandeln wir uns in Angstgesellschaften, wenn wir uns dadurch bedroht fühlen?

    die Ängste werden gerade von jenen geschürt, die zwar gerne dem Islam Friedfertigkeit unterstellen, aber ständig mit der „Gekränktheit und Wut der islamischen Welt“ drohen.

    Ziegler im Tagesspiegel: „Die Schweizer wissen nicht, was auf sie zukommt. Die Muslime verfolgen seit Wochen mit großer Sorge und mit Wut die Kampagne gegen sie in der Schweiz. Sie könnten Schweizer Produkte boykottieren, die Schweizer werden zu Feinden.“

    die Bedrohung durch den politischen Islam ist real – sowohl in der islamischen Welt – als auch bei uns, denn wir gehören auf Grund der islamischen Zuwanderung längst auch zur islamischen Welt.

    (das sieht übrigens auch PSL nicht anders)

    Islam-Hetze, wie sie in Österreich von der FPÖ betrieben wird, ist sicher nicht die Lösung.

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2009/02/07/islamhetze-und-islamismus-unterstutzung-kein-gegensatz/

    Dahinter verbirgt sich der pure Rassismus und die deutsche oder österreichische Version einer totalitär-rassistischen Ideologie ist mir um nichts lieber als eine islamische – der Islamismus müsste sich sogar noch sehr anstrengen, um ähnliche Verbrechen in die Tat umzusetzen.

    wenn man sich nicht mit den Ängsten (aber auch mit der realen Bedrohung) auseinandersetzt, weil man „Angst“ hat, dann selbst als „rechts“, „islamophob“, „rassistisch“ dazustehen, gibt man die Kompetenz zur Behandlung dieser Probleme an die Islam-hetzer der FPÖ ab:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2009/05/18/fpo-inserat-in-der-kronenzeitung/

  3. ramonschack Says:

    Danke für Deine ausführliche Antwort: Ich stimme Dir teilweise zu. Allerdings fällt mir immer wieder auf, wie die Debatte im Westen, speziell in Europa, am eigentlichen Kern des Problems vorbeigeht.

    Das eigentliche Problem ist und bleibt Saudi-Arabien, beziehungsweise der wahhabitische Einfluss, der -gerade mit Förderung der USA- unvermindert anhält.
    Solange man diese Tatsache nicht benennt, oder gar nicht kennt, verliert sich die Debatte häufig, wohl nicht immer, in heißer Luft.

    (das sieht übrigens auch PSL nicht anders)

    • aron2201sperber Says:

      wer immer sich das auch ausgedacht hat:

      die größten Rohstoff-Ressourcen und die heiligen Stätten des Islams in ein und dieselbe Wüste zu platzieren, war ein ziemlich perfider Einfall…

      was man in jenem Land „falsch“ machen kann, ist leicht benannt, wie man es dort „richtig“ macht, darauf weiß auch PSL wohl kaum eine Antwort…

      die Attentäter von 9/11 waren zwar Saudis – allerdings solche, denen ihr eigener Staat, eine Monarchie von religiösen Fundamentalisten, nicht ausreicht, sondern einen islamischen Staat wollen, der die Welt mit einem heiligen Krieg überziehen soll.

  4. ramonschack Says:

    PSL würde jetzt antworten, „wer sagt denn, dass es für alles eine Lösung gibt?“

    Ich habe heute imTagesspiegel dieses sehr bemerkenswerte Interview gelesen.Herr Alaa Al-Aswani bringt es auf den Punkt. Das Problem sind die Saudis:

    Immer mehr arabische Intellektuelle bestätigen dieses. Die selbsternannten Islamkritiker im Westen, die sogenannten Experten, unterschätzen diese Gefahr und spielen damit den Wahhabiten in die Hände.

    Lesebefehl:
    http://www.tagesspiegel.de/politik/international/Schweiz-Minarette-Alaa-Al-Aswani;art123,2963533

  5. aron2201sperber Says:

    sorry, irgendwie waren deine letzten Kommentare im spam-filter hängengeblieben

    danke für die lese-empfehlungen

  6. ramonschack Says:

    Da steckt bestimmt der saudische Geheimdienst hinter.

    Dann kannst Du vielleicht die beiden Kommentare zusammenfassen? Sieht doch sonst ein wenig komisch aus.

  7. aron2201sperber Says:

    immer diese saudis! 😉

    zum Lese-Tipp:

    auch wenn er recht hat, ist es ein bisschen zu einfach die Verantwortung für den Islamismus im land der Muslimbrüder allein den saudis zuzuschieben

    hatte im Zusammenhang mit dem schrecklichen Mord von Dresden von ihm gelesen:

    http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,637268,00.html

    der Mord war ein entsetzliches Verbrechen – es war jedoch die Tat eines Einzeltäters – durch seine Vorwürfe gegen die deutsche regierung hat er die Tat für seine Vorwürfe gegen den westen instrumentalisiert.

    beim 13fachen Mord in Texas, gab sich der Westen zunächst einmal selbst die Schuld – der arme Täter hätte schließlich nach Afghanistan einrücken müssen.

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,659646,00.html

    Vorwürfe gegen Muslime konnte man nach dem irren Amok-Lauf zumindest in den MSM keine finden.

    zu Recht, denn er hatte die Tat wohl als Einzelgänger ohne Auftrag oder Einbettung in eine politische Gruppe begangen – soviel Bedacht würde man sich von den „vernünftigen Stimmen“ der islamischen Welt, die uns angeblich als „Vorbild“ sehen, auch wünschen.

  8. ramonschack Says:

    Ich finde aber, man hört von den Saudis erstaunlich wenig, in unserer so wunderbar informierten Medienwelt. Von den selbsternannten Experten ganz zu schweigen.Das gleiche gilt ja auch für Pakistan. Na ja, ist ein langes Kapitel. Ich sollte jetzt noch ein wenig arbeiten…

  9. aron2201sperber Says:

    und ich muss in die Heia, damit ich morgen fit für die Arbeit bin…

  10. kaput Says:

    gibts denn zu erdogans aussage wenigstens auch ne quelle?

  11. aron2201sperber Says:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Recep_Tayyip_Erdo%C4%9Fan

    Im April 1998 wurde Erdoğan vom Staatssicherheitsgericht Diyarbakır wegen Missbrauchs der Grundrechte und -freiheiten gemäß Artikel 14 der türkischen Verfassung nach Artikel 312/2 des damaligen türkischen Strafgesetzbuches (Aufstachelung zur Feindschaft auf Grund von Klasse, Rasse, Religion, Sekte oder regionalen Unterschieden) zu zehn Monaten Gefängnis und lebenslangem Politikverbot verurteilt. Anlass war eine Rede bei einer Konferenz in der ostanatolischen Stadt Siirt, in der er aus einem religiösen Gedicht, das Ziya Gökalp zugeschrieben wurde, zitiert hatte: Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten

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