Beitrag zur Debattenverweigerung

Ingrid Thurner liefert im Presse-Spectrum einen „Debattenbeitrag“ zur politisch korrekten Debattenverweigerung.

„Tragisch ist, dass ein historisch und sozialwissenschaftlich schlecht informierter europäischer Feminismus ausgerechnet gemeinsam mit manchen Medien zur Verteidigung der muslimischen Schwestern antritt, die diese Verteidigung weder wollen noch brauchen.“

“ Frauenrechtsaktivistinnen und andere Verteidiger der Rechte Unterjochter – mögen sie im guten Glauben handeln, dann sind sie naiv. Denn wenn sie vorgeblich für die Rechte der muslimischen Schwestern kämpfen, rechtfertigen sie tatsächlich die eigene Position, indem sie behaupten, dass die anderen schlechter dran sind.“

Was wissen schon Alice SchwarzerNecla Kelek, Seyran Ates oder Ayaan Hirsi Ali ?

Frau Thurner beklagt die Nennung von Einzelfällen, mit denen der Islam zur Religion der Gewalt stilisiert werden soll:

Man zieht Einzelfälle heran, stilisiert sie medial hoch, reiht sie aneinander, man erklärt die islamische Kultur zur Kultur der Gewalt und nimmt sich so das Recht, die Religion als Ganzes zu diffamieren.“

Zur Bekräftigung ihrer eigenen Argumentation sind „Einzelfälle“ wie eine während einer Urlaubsreise kennengelernte, resolute Marokkanerin, die ihr Kopftuch stolz und freiwillig trug, dann doch wieder zulässig.

Auf eine gehörige Portion Relativismus will Frau Thurner nicht verzichten:

„Die Informationen über die islamische Welt, die einem hierzulande aus dem Blätterwald zufliegen, sind ebenso aufschlussreich, zuverlässig und allgemein gültig wie das, was aus unserer Welt an Wissen über uns dorthin exportiert wird. Frage eines Arabers in einem islamischen Land vor einigen Monaten: Was ist eigentlich los mit den österreichischen Männern, dass sie ständig kleine Mädchen in Kellern einsperren und schwängern?“

„Anders ausgedrückt: Zwischen Marokko und Saudi-Arabien liegen Welten, ebenso zwischen Nigeria und Bangladesch. Bloß wir werfen alles in einen Topf. Der ganze Diskurs hierzulande ist Teil jenes Orientalismus, den Edward Said im gleichnamigen Buch 1976 als westliche Erfindung enttarnte.“

Auch zwischen dem deutschen und dem italienischen Faschismus lagen Welten. Natürlich ist es richtig, zu differenzieren. Dass es in Marokko oder der Türkei nicht so zugeht wie bei den Taliban, macht die AKP oder die marokkanischen Islamisten jedoch nicht akzeptabler.

„Wer fragt je eine Muslimin oder einen Muslim, was sie dazu sagen? Wozu auch? Wir wissen es ohnedies ganz genau.“

„Eine Muslimin“ – genauer gesagt die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich wurde zwar schon längst befragt:

Sie hat sich eindeutig zur Freiheit für die Burka (und leider nicht zur Freiheit von Burkas) bekannt…

Nach derselben Logik düfte man auch nur fundamentalistische Christen über den christlichen Fundamentalismus befragen.

…und nur echte Rassisten hätten die Rassismus-Kompetenz.

Überhaupt sei das Kopftuch nur ein Stück Stoff, das von Islamophoben zur Diskriminierung einer Religion missbraucht werde:

„Die Ablehnung des Kopftuchs in westlichen Gesellschaften ist zur Metapher der Islamophobie geworden. Daraus folgt in logischer Ableitung, dass das Kopftuch selbst als Symbol für den Islam schlechthin herhalten muss. Das ist mindestens fragwürdig, wenn nichtfalsch. Denn zunächst einmal ist das Kopftuch nichts weiter als ein Stück Stoff.“

Ebenso seien Probleme zwischen Alteingesessenen und Neuzugewanderten lediglich ein „Konstrukt“ politisch rechts denkender Gruppierungen:

„Die Muslimin in der Opferrolle – so wollen wir sie haben. Und es ist geballte Medienmacht, die sie dahin gebracht hat, ein Prozess, der seit 9/11 ständig neuen Höhepunkten entgegensteuert. Vorher nämlich waren Islam und Muslime kaum ein Thema im öffentlichen Diskurs, wenngleich politisch rechts denkende Gruppierungen auch schon damals ihr Möglichstes taten, Probleme zwischen Alteingesessenen (wir, die schon länger da sind und daher da sein dürfen) und Neuzugewanderten zu konstruieren. Inzwischen sieht es so aus, als ob es ihnen in naher Zukunft gelänge.“

Diese Diskursverweigerung hat „politisch rechts denkenden Gruppierungen“ letztlich tatsächlich mehr genutzt als geschadet.

Wer sich weigert, Probleme zur Kenntnis zu nehmen, kann auch keine Antworten auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit finden.

Die „politisch rechts denkenden Gruppierungen“ sind gegenüber den politisch korrekten Debattenverweigerern klar im Vorteil:

Immerhin haben sie Antworten – auch wenn es die Falschen sind.

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