Einer, der aus Versehen Theologe wurde

Wir Europäer belächeln (mit wenig Milde) die religiösen Amerikaner.

Im Gegensatz zum stets gottesfürchtigen Amerika wurde in Europa nicht nur die Trennung zwischen Staat und Religion, sondern auch die Trennung von Mensch und Religion vollzogen.

Doch können religiöse Gefühle einfach so verschwinden?

Matthias Matussek veranschaulicht in seiner „Strafpredigt zum Aschermittwoch“, wozu sich in der postreligiösen 68er Theologie die 7 Todsünden sublimiert haben:

Eitelkeit: Brangelina

Habgier: Börsenhändler in Chicago

Wollust: Studentenparty in Florida

Zorn: US-Präsident Bush

Völlerei: Gastronomenball in München

Neid: noch einmal Hollywood

Trägheit des Herzens: gestrandeter Immigrant auf Fuerteventura

5 von 7 Todsünden sind amerikanisch. Das Ergebnis hätte sogar noch deutlicher ausfallen können:

Bei der Todsünde der geregelten Zuwanderung wurde einem vor herzlosen europäischen Touristen gestrandeten Immigranten gegenüber dem ebenfalls sehr sündigen amerikanischen Grenzzaun zu Mexiko der Vorzug gegeben.

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18 Antworten to “Einer, der aus Versehen Theologe wurde”

  1. Bernd Dahlenburg Says:

    Hi Aaron,

    danke für deinen Hinweis bei BackSpin!

    Matussek ist mir ehrlich gesagt zu oberflächlich und naiv, der SPIEGEL von je her plump-aggressiv gegenüber allen gläubigen Menschen und Theologen eingestellt (Augsteins Erbe) und in den Beiträgen wimmelt es nur so von handwerklichen Fehlern.

    Schon der Begriff „Todsünde“ ist (bis auf eine Ausnahme [die Sünde wider den Hlg. Geist]) lächerlich. Als Protestant kann ich damit überhaupt nichts anfangen. Die Bibel unterscheidet von A-Z zwischen Sünde, also Getrennsein von Gott, und Schuld. Schuldig wird man aber nur an seinen Mitmenschen. Komplett Ahnungslose wie Matussek bzw. der SPIEGEL setzen dann Sünde und Schuld gleich.

    Wer das macht, handelt grob fahrlässig und verunsichert bzw. belügt seine Mitmenschen. Und wer davon nichts versteht sollte besser die Finger davon lassen.

    🙂
    Bernd

  2. sayadin Says:

    Ja aber warum bist Du nun Theologe geworden?
    Ich finde es nicht schlimm, das die Menschen sich von der Religion abwenden. Sie hatte und hat einen negativen Einfluss auf die Menschen. Sie zwingt Gläubige anderen wegen hirnrissigen Gründen den Schädel einzuschlagen.

  3. aron2201sperber Says:

    nicht „ich“, sondern Matthias Matussek, der zuvor schon aus Versehen, ein Linker wurde 😉

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,648339,00.html

    ich finde es auch nicht schlimm, wenn sie Menschen von der Religion abwenden (bin selbst Agnostiker) – mich stört es aber, wenn sie auf religiöse Menschen herabschauen, und geichzeitig religiös verbrämte Predigten halten.

    auf jeden Fall bin ich für die strenge Trennung zwischen Staat und religion – und die ist z.B. bei der Klimareligion nicht mehr gegeben (weltweiter staatlich betriebener Ablaßhandel etc.)

    im großen Rahmen „die Schädel eingeschlagen“ haben sich die Menschen im 20. Jahrhundert auf Grund nichtreligiöser Ideologien

    und meistens sind es die schärfsten Religionskritiker, die gefährliche ideologien zu schützenwerten Religionen verharmlosen:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2008/10/29/masochismus/

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2008/07/30/akp-doch-nicht-verboten-%e2%80%93-grose-erleichterung-im-orf/

  4. sayadin Says:

    Religiöse Menschen schauen auf Agnostiker herab und Agnostiker auf religiöse. Da wir alle die Wahrheit haben können wir das. Dadurch wird die Wahrheit zur Illusion. Und die Wirklichkeit ist eine Illusion.

    Kommunismus und Faschismus waren durchaus religiöse Bewegungen.
    Und heute ist es der Islam der die Welt nervt.

    Ich mag Gott nicht besonders. Dieses ganze System des Lebens ist zwar auf der einen Seite sehr faszinierend, auf der anderen Seite aber auch furchtbar. Und das Furchtbare nehme ich ihm übel.
    Ich würde ihm so gern eins reindrehen.

    Aber ich hab bis jetzt noch keinen Weg gefunden wie ich mich an ihm rächen könnte.

  5. Bernd Dahlenburg Says:

    Sayadin sagt:

    Religiöse Menschen schauen auf Agnostiker herab und Agnostiker auf religiöse. Da wir alle die Wahrheit haben können wir das. Dadurch wird die Wahrheit zur Illusion. Und die Wirklichkeit ist eine Illusion.

    Na ja, den ersten Satz würde ich so nicht formulieren: ich blicke auf niemenden herab, der nichtgläubig ist oder auch sonst andere Vorstellung hat. Das wäre ziemlich unreif. Allerdings behalte ich mir vor, eine eigene Meinung zu seiner Weltanschauung zu haben, ohne ihn als Person damit zu verletzen.

    Im Besitz der Wahrheit ist übrigens niemand. Für mich als Christen ist die Wahrheit eine Person: Jesus Christus. Und diese Person ist eins mit dem Vater.

  6. Ray Says:

    Ein köstlicher Artikel!

    Allerdings ist Ihnen eine kleiner aber nicht unwichtiger Fehler unterlaufen:

    Im Gegensatz zum stets gottesfürchtigen Amerika wurde in Europa nicht nur die Trennung zwischen Staat und Religion […] vollzogen.

    Das stimmt so nicht ganz. Der 1. Zusatzartikel zur US-Verfassung:

    Congress shall make no law respecting an establishment of religion, or prohibiting the free exercise thereof; […]

    Artikel VI:

    The Senators and Representatives before mentioned, and the Members of the several State Legislatures, and all executive and judicial Officers, both of the United States and of the several States, shall be bound by Oath or Affirmation, to support this Constitution; but no religious test shall ever be required as a qualification to any office or public trust under the United States

    Die Einführung einer Staatsreligion ist also verboten und ein religiöser Bekenntnisakt darf nicht zur Bedingung eines Amtsantritts gemacht werden. Diverse Entscheidungen des Supreme Courts haben dies immer wieder bestätigt.

    Ironischerweise hinkt Deutschland, etwa durch Konkordate und anderen Verträgen zwischen Staat und Kirche(n), diesem Grad an praktischer Trennung hinterher.

  7. sayadin Says:

    Auf Dich mag das zutreffen, aber die meissten Texte die ich so von religiösen Menschen gelesen habe, haben im Hintergrund immer dieses „ich weiss es besser, ich habe die Wahrheit.“ Und das was die Kirchen oder Moscheeführer so ablassen ist noch viel schlimmer.

    Aber es hat auch sein Gutes, ich mag es solche Typen zu ärgern. Gott sei dank haben diese Leute hier keine Macht mehr, aber sie sind heute nicht besser als in der Vergangenheit.

    Die Interpretation von Wahrheit die ich in buddhistischen Texten gelesen habe erscheint mir sehr viel Stichhaltiger zu sein als die des Christentums.

  8. Bernd Dahlenburg Says:

    Sayadin schreibt:

    Und das was die Kirchen oder Moscheeführer so ablassen ist noch viel schlimmer.

    Dazu kann ich nur sagen: Schau nicht auf die Repräsentanten, die du hier ansprichst, sondern sprich mit den einfachen Leuten.

    Zum Buddhismus könnte ich jetzt einiges sagen, aber ich will hier nicht das große Fass aufmachen. Auch könnte man z.B. nie den tantrischen Buddhismus mit dem Mahayana-Buddhismus vergleichen.

    Aber sei’s drum: mir das liebende „Du“ in der persönlichen Zuwendung Gottes (Martin Buber) trotz aller zweifel (Hiob) lieber als ein unpersönliches „Es“, das kein Interesse an mir hat.

    ————–
    Zur Situation in der amerikanischen Verfassung, weil die oben angesprochen wurde:

    Ich finde es prima, wenn dies so geregelt ist, andererseits schlummert aber auch ein Problem darin: In den USA kann jeder eine Hundehütte aufstellen, ein Kreuz oder sonstwas draufsetzen und dann sagen: „Hier, eure neue Kirche“. Scientology, Kinder Gottes u.v.a. Sekten lassen grüßen.

    • Ray Says:

      In den USA kann jeder eine Hundehütte aufstellen, ein Kreuz oder sonstwas draufsetzen und dann sagen: “Hier, eure neue Kirche”. Scientology, Kinder Gottes u.v.a. Sekten lassen grüßen.

      Das ist eben wahre Religionsfreiheit. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Wieso sollten keine neuen Religionen gegründet werden? Die „traditionellen“ Religionen sind alle einst ähnlich entstanden. Als Atheist kann ich zwar eh nur den Kopf schütteln angesichts der Deutungshoheit, die sämtliche Denominationen für sich beanspruchen (alleine 38000 Christliche!), aber das ist ein anderes Thema. Ich finde es ein gesundes und korrektes Verständnis von Religionsfreiheit, welche nicht nur die freie Ausübung sondern auch die Neugründung oder Abspaltung von bestehenden Kirchen erlaubt und keiner bestimmten Konfession Privilegien zusichert. Da sind „die Amis“ den Europäern mit ihren offiziellen bzw. faktischen Staatsreligionen weit voraus.

      Allerdings bedeutet das auch, dass gefährliche Sekten oder Abzockerfirmen wie Scientology (deren Anführer es nachweislich nicht um Spiritualität, sondern um Dollars geht) entstehen können; da teile ich Ihre Sorge vollkommen.

      Allerdings ist die Lösung des Problems implizit Teil der Verfassung: Religöse Rechte (so wie andere Rechte auch) hören da auf, wo sie gegen andere Menschenrechte sowie das Gesetz verstoßen. Zum Besipiel wurden in letzter Zeit wieder Eltern wegen grober Fahrlässigkeit verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, ihre Kinder medizinisch behandeln zu lassen und sich auf Gebete verlassen hatten. Mit tödlichen Folgen.

  9. Bernd Dahlenburg Says:

    Allerdings ist die Lösung des Problems implizit Teil der Verfassung: Religöse Rechte (so wie andere Rechte auch) hören da auf, wo sie gegen andere Menschenrechte sowie das Gesetz verstoßen. Zum Besipiel wurden in letzter Zeit wieder Eltern wegen grober Fahrlässigkeit verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, ihre Kinder medizinisch behandeln zu lassen und sich auf Gebete verlassen hatten. Mit tödlichen Folgen.

    Mir fallen da spontan die Zeugen Jehovas ein mit ihrer Weigerung, Bluttransfusionen durchführen zu lassen.

    Das Recht auf Relgionsfreiheit kollidiert hier ganz massiv mit anderen Grundrechten, die im zweifelsfall höher zu hängen sind.

  10. sayadin Says:

    Ich hab mal Theologie studiert (ich war jung und brauchte das Geld). Das Argument „schau nicht auf die Institution sondern auf den Menschen“ kenne ich. Es gab auch anständige Nazis. An ihren Früchten sollst du sie erkennen. Natürlich gibt es viele religiöse Menschen die gute Früchte sind. Aber sie wären es auch, wenn sie nicht religiös wären.
    Aber insgesamt hat das Christentum viel zu viel Schaden und Leid angerichtet. Und der Islam folgt dem christlichen Beispiel.

    Wenn religiöse Menschen sich selbst Leid zufügen, finde ich, ist das ihre Sache. Ich hab nur ein Problem damit wenn sie anderen Leid zufügen.

    • Bernd Dahlenburg Says:

      Ich hab mal Theologie studiert (ich war jung und brauchte das Geld). Das Argument „schau nicht auf die Institution sondern auf den Menschen“ kenne ich. Es gab auch anständige Nazis.

      So ein idiotisches Argument wie „Es gab auch anständige Nazis“ im Zusammenhang mit einem Theologiestudium zu nennen ist schon ein starkes Stück. Und ein Theologiestudium, das fiskalischen gründen geschuldet ist, kann man eh‘ vergessen. Ich habe Theologie studiert und durchgezogen, weil ich mein Bekenntnis zu Jesus Christus in wissenschaftliche Formen gießen wollte. Tja…

      Und: Bin ich ein Nazi, weil ich Evang. Theologe und Lutheraner bin?

      Statt Respekt zu zollen, dass ein lutherischer Theologe wie ich sich gegen seine Staatskirche stellt, dabei viele Ärgernisse, Anfeinungen und Berufshemmnisse erfährt, versuchst du, Menschen wie mich nieder zu machen.

      Ja, in der Tat – es ist sehr schwer, es allen Menschen recht zu machen.

  11. aron2201sperber Says:

    zum Islam bzw. den Muslimen, die nach deiner Ansicht dem christlichen Beispiel folgen:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2009/01/03/eigentlich-die-besseren-menschen/

  12. antifo Says:

    Auch wenn viele US-Bürger das meinen: die USA sind keine christliche Nation:
    http://wp.me/pzNay-4W

    @Bernd Dahlenburg
    Und wo steckst Du den Heiligen Geist hin? Das ist nämlich der Geist der Wahrheit! Als Christus auf Erden war, war in Ihm freilich auch der Vater und der Geist war auf Ihn gekommen, aber jetzt sitzt Christus zur Rechten des Vaters als Sein Wort und hat uns nur den Tröster dagelassen, den Er zu Pfingsten auf die Gemeinde herabgesandt hat:

    „Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.“ (Joh. 15, 26)

  13. sayadin Says:

    Als ich bei den Adventisten war haben wir jeden Sabbat darüber geredet was Jesus oder Gott so will. Und die meissten haben es ganz genau gewusst, was er so will. Ich hab dann irgendwann gedacht „wenn der jetzt zwischen uns sitzen würde, ob ihm das wohl peinlich wäre?“

    Ich bin mir ziemlich sicher das es ihm peinlich ist, was Christen so alles reden oder tun. Und bei Mohammed wird es nicht viel anders sein.

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