Udos Spielkameraden

Was stellte sich der ehemalige Napola-Schüler Udo Proksch unter „Freimaurerei“ vor?

Ein teuflisch geniales Spiel nach eigenen Regeln und voller dunkler, geheimer Machenschaften –  eben das, was dem kleinen Udo in seiner Schule oder auch von seinen Nazi-Eltern über Juden und Freimaurer so beigebracht worden war.

Dieses Spiel wollte der große Udo dann selber spielen.

Spielkameraden konnte er speziell unter den SPÖ-Emporkömmlingen, Künstlern und sonstigen Wichtigtuern, die eine ähnliche Sozialisation wie der kleine Udo durchgemacht hatten, genug finden.

Den immer zahlreicheren Spielkameraden gefiel Udos Spiel, obwohl es sich zunächst außer durch den besonders unterhaltsamen Spiel-Leiter nicht von den gewöhnlichen Seilschaften in politischen Parteien, Kartellverband, Tennis-Club oder Stammtisch unterschied.

Als das Spiel außer Kontrolle geriet, glaubten die kleinen Spielkameraden trotz ganz offensichtlicher Fakten bereitwillig an die vom ihrem Spiel-Großmeister präsentierten Verschwörungstheorien. Wer wie der damalige Außenminister Leopold Gratz selber nicht davor zurückschreckte, gefälschte Schiffspapiere vom rumänischen Geheimdienst zu besorgen, um seinen Freund zu decken, traute den „echten Freimaurern“ natürlich erst recht alles zu.

Selbst Bundeskanzler Kreisky erklärte verdutzten Journalisten, dass die Lucona „vom Mossad versenkt“ worden sei.

Wäre da nicht ein unsympathischer Spielverderber gewesen, wäre Udo Proksch mt dem wohl größten Verbrechen der österreichischen Nachkriegsgeschichte dank seiner Freunde aus Politik, Justiz und Österreichs größter Tageszeitung  beinahe durchgekommen.

Robert Dornhelm, selbst auch ein alter Spielkamerad, setzte Udo Proksch nun ein filmisches Denkmal:

Was haben Udos alte Spielkameraden wie Robert Dornhelm aus der Geschichte gelernt?

KURIER: Sie kannten Proksch persönlich?
Robert Dornhelm : 28 war ich damals. Das war vor der Lucona. Wien war verstaubt. Und Proksch war locker. Offen. Direkt. Charmant. Das hat imponiert. Ich verstehe, dass er verführen konnte. Als Figur für einen Film war er perfekt. Als Busenfreund – ich weiß nicht.

Der Mord an 6 Matrosen mache den charmanten Verführer zu keinem „Killer“:

KURIER: 30 Jahre später haben Sie einen Dokumentarfilm gedreht. Ein Porträt in Mosaiksteinchen, ein Sittenbild der Zeit. Und der damalige Lucona-Staatsanwalt ist heute der Einzige, der Udo Proksch für einen Killer hält. Ihre persönliche Meinung kommt nicht vor. Wie sieht die aus?
Robert Dornhelm: Einen geplanten direkten Mord traue ich ihm nach wie vor nicht zu.

„Ungewollt“ hat Robert Dornhelm dann doch eine „Grauslichkeit“ des alten Spielkameraden entdeckt:

KURIER: Aber Sie haben eine Entdeckung gemacht, die Ihr Bild wohl verändert hat …
Robert Dornhelm: Ich wollte so eine Grauslichkeit nicht entdecken. Ich bin kein Detektiv. Prokschs Ehefrau Daphne Wagner hat im Interview von einer Schachtel mit Fotos erzählt. Fotos, die Proksch von seinen Club-45-Gästen heimlich gemacht hat. Das ist nicht nett. Ich wusste, dass er wahnsinnig war mit erotischen Fotos. Aber solche Fotos in der Absicht zu machen, mit ihnen später seine Freunde zu erpressen … Daphne Wagner hat, als sie die Schachtel gefunden hat, alles verbrannt.

Trotzdem fehlen Robert Dornhelm „schillernde Figuren“ wie Udo Proksch:

KURIER: Von der Lucona einmal abgesehen: Fehlt heute so eine Figur?
Robert Dornhelm: Es fehlen schillernde Typen, die Normen negieren. Das könnte uns nämlich im Positiven beeinflussen und etwa Doppelmoral aufbrechen. Wie weit kann ein Mann gehen? Das hat Proksch ausgereizt. Schon klar, es ging um seinen eigenen Vorteil. Aber an dieser Einstellung hat sich heute nichts geändert. Alle denken an ihren Vorteil. Jetzt wird das nur eleganter verpackt.

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7 Antworten to “Udos Spielkameraden”

  1. Claire Says:

    in Österreich gibt es keinen Mangel an schillernden Typen, die die Normen brechen: siehe anhängige Hypo, Buwog prozesse

    dass dies Dornhelm scheinbar nicht ausreicht und er Typen vermisst, die wie Udo Proksch auch bereit sind über Leichen zu gehen, nur damit man die Doppelmoral besser aufzeigen kann, ist schon etwas absurd

  2. aron2201sperber Says:

    laut wikipedia handelte es sich beim Club 45 um einen Geheimclub im Stile der P2 (Propaganda Due) Loge:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Club_45

    im Gegensatz zum club 45 handelte es sich bei der P2-Loge um eine echte Freimaurer-Loge.

    der faschist Licio Gelli hatte die Loge im Lauf der 70er jahre gegen den Widerstand der italienischen Großloge Grande Oriente unter seine Kontrolle gebracht.

    Ähnlich wie Udo Proksch hatte es Licio Gelli geschafft, einflußreiche Politiker, industrielle, Kriminelle und Militärs für seine Loge zu rekrutieren.

    Anfang der 80er Jahre hatte die Loge etliche Minister in der Regierung sitzen, auch der Medien-tycoon Berlusconi war Mitglied geworden.

    als die Machenschaften der P2 Loge um die Banca Ambrosiana aufflogen, kam es 1982 zu einem gewaltigen Skandal, der die italienische Republik schwer erschütterte.

    Bekannt geblieben ist die P2 Loge hingegen wegen einer anderen Geschichte:

    Gemäß der deutschen Wikipedia Seite „gilt es als gesichert“, dass durch die „Verwicklung der P2 Loge das Attentat im Rahmen der „Strategie der Spannung“ ausgeführt worden sei:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_von_Bologna_1980

    noch expliziter will es der Deutschland Funk wissen:

    Licio Gelli wird darin als Drahtzieher des Attentats benannt.

    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/402451/

    Licio Gelli war zweifellos ein krimineller Typ und verfügte außerdem über eine äußerst fragwürdige politische Gesinnung.

    und auch bei den für die Tat verurteilten „schwarzen Terroristen der NAR handelte es sich zweifellos um gewissenlose, mehrfache Mörder.

    nach der deutschen Lese-Art wurden nach dem Anschlag, bei dem 85 menschen ihr leben verloren hatten, zunächst die Roten Brigaden von Premier-Minister Cossiga verdächtigt:

    Die italienische Regierung unter Ministerpräsident Francesco Cossiga und die Polizei gingen zunächst von einem Unfall aus und machten später die militanten linksradikalen Rote Brigaden für den Bombenanschlag verantwortlich. Es wurde mehrmals versucht, die Aufklärung zu behindern und die Umstände des Attentats zu verschleiern.

    (deutscher Wikipedia-Beitrag)
    Im italienischen Beitrag, der zumindest den festen historischen Fakten naturgmäß näher steht, ist nichts über eine solche Verdächtigung zu lesen.

    Das liegt daran, dass Ministerpräsident Cossiga bereits wenige Tage nach dem Attentat faschistische Terroristen für den Anschlag verantwortlich gemacht hatte.

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2009/12/20/das-insiderwissen-eines-ex-ministerprasidenten-und-911-truthers/

    Wenn die mächtige P2 Loge geplant hatte, den Anschlg für einen Staatsstreich zu nutzen, so hatten die Logenbrüder den zweiten, entscheidenden Teil ihres Plans trotz ihrer zahlreichen Minister und Militärs nicht gerade generalstabsmäßig vorbereitet. Angesichts der massiven Tätigkeit der Brigatte Rosse wäre es eine leichte Übung gewesen ein paar schuldige Rote Terroristen zu präsentieren.

    Aber das kennen wir ja schon von Bush und CIA, die laut Verschwörungstheoretiker zwar das größte und perfekteste Verbrechen unter totaler Geheimhaltung zu verüben vermochten, nachher aber zu einfältig waren, ein paar Massenvernichtugswaffen im Irak „zu finden“.

    Fortsetzung folgt dald in ausführlichem Beitrag…

  3. Thomas Eppinger Says:

    Wenn man den Zustand der italienischen Demokratie heute betrachtet, ist es nur ein schwacher Trost, dass die Italiener auch dazu neigen, auf Blender reinzufallen.

    http://eppinger.wordpress.com/2010/03/18/sittenbild-einer-ara

  4. Gibt es eine P3-Loge? « Aron Sperber's Weblog Says:

    […] es eine P3-Loge? Von aron2201sperber Würden sich SPÖ Politiker wieder zu einer Loge zusammenschließen, wären sie wohl kaum so dumm sich „Club 46″ zu […]

  5. Straches „Wiener Blut“-Vorbilder? « Aron Sperber's Weblog Says:

    […] Falcos „Wiener Blut“ von Udo Proksch und seinem Club […]

  6. Verlockende Verschwörungstheorien « Aron Sperber Says:

    […] https://aron2201sperber.wordpress.com/2010/03/12/udos-spielkameraden/ Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  7. Italiens größter Bösewicht? | Aron Sperber Says:

    […] im Gegensatz zum österreichischen Pseudo-Logenmeister Udo Proksch, der von Wiens Schickeria immer noch verehrt und in Schutz genommenen wird, handelte es sich bei […]

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