Ustica – Italiens Lockerbie

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als „Strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.

Die „Libyen-Fraktion“ der damaligen italienischen Regierung, die trotz NATO-Bündnisses auf ihre Geschäfte mit dem Terrorpaten dringend angewiesen war, hatte stets versucht, Gaddafis geschäftsschädigende Terrorstreiche zu vertuschen.

Am leichtesten konnte man dies tun, in dem man den Terror der „Strategie der Spannung“ zuschrieb, da dies die Musik war, die Italiens rote Medien und Justiz hören wollten.

So wurde bereits am nächsten Tag vom Geheimdienst SISMI ein falsches Bekennertelefonat an den Corriere della Sera getätigt, in dem die rechtsextremen NAR die Verantwortung für den Anschlag übernahmen.

Nachdem sich das Bekenntnis der NAR als Fake erwies, ging man zunächst von einem technischen Gebrechen der DC-9 aus.

Erst Jahre später kam es zu einer gerichtlichen Untersuchung des Falles.

In den 90er-Jahren kamen die vom Gericht beauftragten, internationalen Sachverständigen zu dem Schluß, die DC-9 sei durch eine Bombenexplosion abgestürzt.

Hätte man in jene Richtung weiter ermittelt, wäre man wohl schnell auf Gaddafi gestoßen. (zu jenem Zeitpunkt wusste man schon von der libyschen Verantwortung für Lockerbie)

Eine Minderheit der Sachverständigen ging von einem Zusammenstoß mit einem anderen Flugzeug aus – auch in diesem Fall wäre man wohl schnell bei Gaddafi gelandet, da eine in Kalabrien abgestürzte libysche MiG wenige Tage nach dem Unglück von Ustica aufgefunden worden war.

Stattdessen wurde die unwahrscheinlichste Theorie, welche von Gaddafis italienischen Geschäftsfreunden ins Spiel gebracht worden war, zur populärsten Erklärung für Ustica.

Bei Cossigas Theorie eines versehentlichen NATO-Raketentreffers auf das italienische Flugzeug war Gaddafi nicht „Täter“ sondern das „Opfer“.

…auch wenn jahrelange Ermittlungen, bei denen nebenbei die Karrieren von Italiens verdientesten Luftwaffengenerälen zerstört wurden, zu keinerlei Ergebnis führten.

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11 Antworten to “Ustica – Italiens Lockerbie”

  1. Karl Says:

    Wer war die „libysche Fraktion“ der italienischen Regierung?

  2. aron2201sperber Says:

    das war in erster Linie Giulio Andreotti.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Giulio_Andreotti

    jener hatte 1986 Gaddafi vor Reagans Raketen rechtzeitig gewarnt.

    für die Irreführung war jedoch sein Kumpane Cossiga zuständig, der die ganzen originellen Theorien in Unlauf brachte.

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2010/03/17/die-strategie-der-spannung-und-der-gaddafi-freund/

  3. aron2201sperber Says:

    erst als es doch zu Untersuchungen kam, wurde die Theorie eines NATO-Raketenangriffs von Cossiga ins Spiel gebracht.

    laut Cossiga hätte der italienische Geheimdienstchef Gaddafi gewarnt, aber dies erst Jahre später Cossiga (zum Zeitpunkt des Anschlags Premier) erzählt.

    eine völlig absurde Geschichte:

    der Geheimdienstchef Santovito hätte in einer so wichtigen Sache niemals ohne den Auftrag von Cossiga und Andreotti gehandelt, genausowenig wie Gaddafis Agenten ohne Auftrag Gaddafis gehandelt hätten…

    und wenn die Franzosen tatsächlich einen Angriff auf Gaddafi über italienischem Territorium versucht hätten, so hätten sie dies niemals ohne der Einwilligung der italienischen Regierung (Cossiga, Andreotti) getan – abgesehen davon, dass die französische Regierung zum damaligen Zeitpunkt wohl nicht einmal mit italienischer Zustimmung eine solche Aktion gewagt hätte – und sie dann auch noch so stümperhaft durchgezogen hätte.

    zum damaligen Zeitpunkt waren außerdem nicht die Franzosen, sondern eben die Italiener im Clinch mit dem Wüstensohn, wie dieser Spiegel-Artikel von September 1980 zeigt:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14332299.html

  4. Eine Runde lustige Verschwörungstheorien | Aron Speiber Says:

    […] nur der Vergleich mit der „Truther„-Bewegung übrig. So erklärt uns Aron Speiber in zwei Artikeln, dass das Massaker von Ustica und der Anschlag von Bologna jeweils Gaddafi zuzuschreiben […]

  5. Gaddafi und Tangentopoli « Aron Sperber Says:

    […] Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen “Strategie der […]

  6. Italiens Öl- und Terrorlieferant « Aron Sperber Says:

    […] Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen “Strategie der […]

  7. Gaddafis untreuer Amico « Aron Sperber Says:

    […] Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen “Strategie der […]

  8. Guglielmo Says:

    Es war ein geplantes Blutbad. Das Flugzeug wurde absichtlich abgeschossen und zwar von einem libyschen MIG 23, das aus Italien startete und geflogen von einem lybischen Disterteur. Das Ziel war nicht Geddafis Flugzeug abzuschiessen (dafür hätten sie eine UNO-Mandat benötigt), sondern haben sie einen triftigen Grund gebraucht um sich dann zu rächen (dafür braucht man keinen UNO-Mandat). Da aber Geddafi von dem Vorhaben gewarnt wurde, drehte sein Flugzeug ab richtung heimat. Nun blieb diesen MIG in der Luft übrig. Der für den Abschuß verantwortlicher “lybischen” Pilot, wurde später selbst abgeschossen und eliminiert, sowie viele anderen Augenzeugen. Der Fall wurde wie man weißt von den Geheimdiensten sehr raffiniert verschleiert, sodass am Ende niemand ins Gefängnis musste und die Hinterbliebenen der 81 Opfer bis heute keinen Schadensersatz oder Gerechtigkeit erhilten.
    von Guglielmo

    • aron2201sperber Says:

      wenn es nicht das Ziel war, Gaddafi abzuschießen, warum musste er dann angeblich gewarnt werden?

      das Flugzeug wurde ja abgeschossen.

      warum hat man sich nicht gerächt?

      warum hat man nicht versucht, Gaddafi die Schuld in die Schuhe zu schieben, nachdem der libysche Pilot ja tot war, und das Komplott nicht mehr hätte auffliegen können?

      und warum hat man nicht den angebichen libyschen Piloten-Deserteur gleich Gaddafis Flieger abschießen lassen, wenn man ihn nachher ohnehin liquidieren wollte?

  9. „TangentENI“ « Aron Sperber Says:

    […] Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen “Strategie der […]

  10. Andreotti, Gaddafi und Tangentopli | Aron Sperber Says:

    […] Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen ”Strategie der […]

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