Bassam Tibi in der „Kleinen Zeitung“

Als Erfinder des „Euro-Islam“ war Bassam Tibi der Liebling der „Großen Medien“ und der „Hohen Politik“.

Bassam Tibi begnügte sich jedoch nicht damit, Europa eine schöne Theorie für das Zusammenleben mit dem Islam zu geben, sondern er verlangte auch, dass diese in die Praxis umgesetzt werde.

Und zwar nicht nur von den Europäern, sondern auch von den nach Europa zugewanderten Muslimen.

Seitdem wird der unbequeme Geist von den den „Großen Medien“ weitgehend ignoriert.

Bassam Tibi, Erfinder des „Euro-Islam“, in einem desillusionierenden Gespräch mit der Kleinen Zeitung:

Mit Moslembrüdern ist kein demokratischer Staat zu machen?

Sie spielen ein Doppelspiel: Nach außen reden sie liberal und demokratisch, in ihrem eigenen Kreis treten sie für einen Scharia-Staat ein. Aber Scharia und Demokratie vertragen sich wie Öl und Wasser. In einer Demokratie muss man zwar auch undemokratische Bewegungen einbinden, aber man darf ihnen nicht die Macht überlassen. Wir sehen das jetzt in der Türkei.

In der Türkei?

Die Türkei ist formal ein demokratisches Land, wo die Regierung demokratisch gewählt ist, aber die Regierungspartei AKP ist keine demokratische, sondern eine islamistische Partei, die das Land wie in einem Einparteienstaat regiert. 163 türkische Journalisten sind ohne Gerichtsprozess in Haft. Wer heute Premier Recep Erdogan kritisiert, wird morgen verhaftet. Die AKP islamisiert das Land schleichend mit formal demokratischen Mitteln.

Wäre die EU gut beraten, der Türkei eine Beitrittsperspektive zu bieten, um dieses Bündnis zu verhindern?

Das ist ein unheimlich naiver Glaube in Europa. Man sagt, wenn die Türkei Mitglied der EU werden würde, würde die Türkei demokratisiert. Aber die EU ist kein Demokratisierungsklub. Man erfüllt die Aufnahmekriterien oder nicht. Auch Griechenland wurde auf Basis gefälschter Tatsachen Mitglied der Währungsunion. Und die griechische Ökonomie wird durch die EU nicht besser. So verhält es sich mit der Türkei, in Bezug auf Demokratie. Nach den Wikileaks-Enthüllungen wissen wir: Der türkische Außenminister hat intern gesagt, wir wollen Mitglied der EU werden, um auf diese Weise den Islam besser in Europa verbreiten können.

Sie sind ganz klar gegen einen EU-Beitritt der Türkei?

1998 habe ich mich für den Beitritt ausgesprochen. Damals war das Land noch nicht unter islamistischer Herrschaft. Ich sage immer noch nicht Nein, aber man muss ganz genau beobachten, was passiert. Wenn diese Entwicklung zum Islamismus die Türkei weiterhin bestimmt, dann sollen die Europäer die Tür zumachen. Ich möchte nicht, dass ein islamistisch regiertes Land wie ein trojanisches Pferd die EU kaputt macht.

Präsident Abdullah Gül war in Österreich auf Staatsbesuch, und hat ausgerechnet einen islamistischen Studentinnenverein besucht. Hat das System?

Das hat System. Als er noch Außenminister war, hat Gül die deutsche Bundesregierung aufgefordert, die islamistische Bewegung ?Milli Görüs“ von der Liste der verfassungsfeindlichen und undemokratischen Bewegungen zu streichen. Die deutschen Politiker haben ihn darauf aufmerksam gemacht, dass in einer Demokratie Behörden unabhängig arbeiten. Gül hat das nicht verstanden. Als der frühere US-Präsident Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre Probleme hatte, hat der syrische Staatspräsident den amerikanischen Botschafter gefragt, warum Clinton nicht einfach den Staatsanwalt verhaftet. Genauso denkt Gül.

Sie haben vor 20 Jahren einen Euro-Islam beschworen, einen sekulären Islam der sich von der Scharia verabschiedet. Sind die europäischen Muslime diesem Ideal seither näher gekommen?

Ich habe Anhänger. Sie haben voriges Jahr in Deutschland eine Bewegung gegründet: Verband europäisch-demokratischer Muslime. Ich bin keine Ein-Mann-Sekte, aber ich muss offen sagen, dass Islamisten in Europa, auch hier bei Ihnen in Österreich, stärker sind als wir. Die haben mehr Geld, mehr Mittel. Die verstorbene Innenministerin Liese Prokop hat mich zu einem Dialog mit dem früheren Vorsitzenden der Islamischen Glaubensgemeinschaft eingeladen. Er hat erklärt, dass sein Verband zu dem Ergebnis gekommen sei, dass mein Modell eindeutig abzulehnen sei. Ich habe gesagt: ?Wenn Sie keinen europäischen Islam haben wollen, dann sind sie nicht für Integration.“ Ich bin aus Protest aufgestanden und weggegangen. Mit diesen Leuten kann man nicht seriös diskutieren.

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4 Antworten to “Bassam Tibi in der „Kleinen Zeitung“”

  1. JoM Says:

    Das Problem ist, dass die Mainstrammedien keine „Experten“ einsetzen, bei denen nicht von vornherein klar ist, was sie sagen werden. Man stelle sich vor, die Leute in Fernsehdiskussionen würden sich gegenseitig zuhören, ihre eigenen Positionen hinterfragen und sich vielleicht sogar von Argumenten überzeugen lassen! Das ergäbe ja ein Chaos. Also werden die immer gleichen Leute, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie ihre gewohnten Vorurteile absondern, zu den immer gleichen Themen befragt. Herr Tibi, früher gern gesehen, gilt jetzt wohl als unberechenbar und kann daher nicht mehr vermittelt werden. Man hat ja Steinbach, Lüders, Gysi, Däubler-Gmelin, Henkel und Konsorten. Vielleicht interessiert dich mein Beitrag dazu: http://karinkoller.wordpress.com/2011/04/30/dinge-die-wir-hassen-tv-%e2%80%9eexperten%e2%80%9c/

    • aron2201sperber Says:

      Bassam Tibi kann man schwer vorwerfen, „islamophob“ zu sein, da er selbst bekennender Gläubiger ist und außerdem den gesamten Koran auswendig kann…

      umso gefährlicher ist es daher, für die Verharmloser der traurigen Entwicklungen ihn um seine Meinung zu fragen.

  2. joaniebegood Says:

    Schöner Beitrag. Vieeleicht interessiert dich dieser Artikel, in dem zu den „Experten“, die im Fernsehen Gehör finden, und zu denen Tibi nun nicht mehr gehört, Stellung genommen wird: http://karinkoller.wordpress.com/2011/04/30/dinge-die-wir-hassen-tv-%e2%80%9eexperten%e2%80%9c/

  3. aron2201sperber Says:

    was wir Europäer von den „Sprechern des Islam“ zu hören wünschen:

    deswegen verwundert es nicht, dass sich ein Bassam Tibi mit seinen offenen Worten ins Out manövriert hat…

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