Vor 31 Jahren in Bologna

Vor 31 Jahren brüskierte Italien seinen engen Wirtschaftspartner Libyen (Gaddafi besaß 13 % der FIAT-Aktien und der Energiekonzern ENI war als einzige ausländische Erdöfirma von Gaddafi nicht verstaatlicht worden) durch einen Beistandspakt mit Malta.

Am Tag der endgültigen Unterzeichung des Abkommens, dem 2. August 1980, explodierte am Bahnhof von Bologna eine Bombe, die 85 Menschen das Leben kostete.

Doch Cossigas Italien war nach dem Platzen des ENI-Petromin Deals mit Saudi-Arabien (durch den das italienische Parteiensystem in Form von „Tangenten“ finanziert werden sollte) auf die Geschäfte mit dem libyschen Terror-Paten dringend angewiesen:

So gab Cossiga am 4. August 1980 (2 Tage nach dem Anschlag) im Parlament bekannt, dass es sich beim Anschlag von Bologna um eine „faschistische Tat“ gehandelt habe.

Die „schwarzen Terroristen“ wurden nicht etwa deswegen als Attentäter bestimmt, weil die von Cossiga angeführte Regierung so „antifaschistisch“ gewesen wäre. Doch hätte man „rote Terroristen“ als Schuldige präsentiert (wie fälschlicherweise im deutschen Wikipedia-Beitrag behauptet wurde), hätten Italiens linke Medien und Bolognas rote Justiz die gesamte Geschichte niemals geschluckt.

Aber eine Tat „schwarzer Terroristen“ – noch dazu im Auftrag Licio Gellis P2-Loge, hinter der wiederum die CIA gestanden habe – das war genau die „Musik“, die Bolognas Polit-Justiz hören wollte.

(Staatsanwalt Libero Mancuso, heute Abgeordneter der Linken)

Der Militärgeheimdienst SISMI versorgte die Justiz mit Zeugen und Beweismitteln, welche die „P2/Faschisten-Piste“ bestätigen sollten. Selbst als sich die Beweismittel als Fälschungen entpuppten, ermittelte Bolognas Justiz einfach stur in die gleiche Richtung weiter:

Statt einer „internationalen faschistischen“ Verschwörung, hinter der P2 und CIA stünden, habe es sich eben um eine „nationale faschistische“ Verschwörung gehandelt (hinter der ebenfalls P2 und CIA stünden). Die P2 habe durch das „Legen der falschen internationalen Fährte“ von der „nationalen Fährte“ ablenken wollen.

Der SISMI-General Santovito und die beiden Offiziere Musumeci und Belmonte, welche die falschen Beweismittel deponiert hatten, waren zwar tatsächlich in der P2-Loge eingeschrieben. Die durch den SISMI beschafften Zeugen und Beweismittel hätten jedoch genau dazu gedient, ihren Logenmeister Licio Gelli zu belasten, wie ein Spiegel-Artikel von 1983 ganz klar zeigt.

Santovito & Co dürften also trotz ihrer offiziellen P2-Mitgliedschaft nicht dem Logenmeister, der schon längst auf der Abschußliste gestanden haben dürfte, hörig gewesen sein, sondern ihren offiziellen und wohl auch faktischen Vorgesetzten: den DC-Politikern, von denen sie eingesetzt worden waren. („Absitzen“ durften sie ihre Haftstrafen wegen „Behinderung der Ermittlungen“ übrigens in Hausarrest in ihren Villen)

Aus der äußert gespannten Lage, mit der das Jahrzent begonnen hatte, entwickelte sich eine Epoche der italienisch-libyschen Freundschaft, die soweit ging, dass Giulio Andreotti 1986 den libyschen „Freund“ rechtzeitig vor Reagans Raketen warnte.

Aus der Differenz zwischen dem günstigen Preis, den Gaddafi seinen „italienischen Freunden“ machte, und dem offiziellen Preis, um den Italien sein Öl über den staatlichen ENI-Konzern bezog, konnte man bequem das italienische Parteiensystem ein weiteres Jahrzehnt finanzieren (auch die PCI, welche von Cossigas Cousin Enrico Berlinguer geführt wurde, bekam wohl ihren Anteil)

Selbst nachdem das alte Parteiensystem im Tangentopoli-Skandal unterging, schwammen die beiden „Senatoren auf Lebenszeit“ und Architekten der „ENI-Supertangente“ weiter oben auf – und Gaddafi blieb fast bis heute ein „alter Freund Italiens“.

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9 Antworten to “Vor 31 Jahren in Bologna”

  1. jack Says:

    Sind solche Untaten Bestrafungsaktionen und die Bestraften, nicht die Toten, die Vollzieher einer endlosen Bestrafung?

  2. aron2201sperber Says:

    jährlich wird beklagt, dass man die „Mutmaßlichen Auftraggeber“ noch nicht gefasst habe.

    gegen die gesamte rechtsextreme Szene wurden jahrzehnentelange Prozesse geführt, die Verurteilung der NAR-Mitglieder basierte dann jedoch allein auf der windigen Zeugenaussage eines Kriminellen, der im Gegenzug wegen eines Pankreas-tumors (der ihn dann jedoch nicht daran hinderte 20 Jahre weiterzuleben) aus der Haft entlassen wurde.

    Zusammenhänge zwischen P2 oder gar Gladio und den NAR konnten jedoch nie nachgewiesen werden.

    die „Verschleierung der Taten“ für die verschiedene Geheimdienstler und der P2-Chef verurteilt wurden, hätten nicht die Linken belastet, sondern rechte Terroristen.

    Trotzdem haben sich die „Magistrati“ nie gefragt, ob die „depistaggi“ nicht etwas ganz anderes hätten verschleiern sollen, sondern folgten stur der Theorie der „Strategie der Spannung“, sowenig Sinn diese auch ergab:

    weder wurden für Bologna jemals Kommunisten beschuldigt, noch konnten irgendwelche auch noch so abstrakten Vorbereitungen für einen rechten Staatsstreich festgestellt werden.

    Die P2-Loge war damals in Regierung und Militär am stärksten vertreten, ein Staatsstreich hätte sich somit gegen sie selbst gerichtet.

    abgesehen davon halte ich die Bedeutung der P2 für maßlos überbewertet:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2010/07/15/gibt-es-eine-p3-loge/

    nicht der Matratzenverkäufer Licio Gelli war der mächtige Mann Italiens, sondern Giulio Andreotti und seine stets regierende DC

    http://de.wikipedia.org/wiki/Giulio_Andreotti

    Der P2-Logenmeister Licio Gelli wurde als der „Puppenspieler“ präsentiert (eitel und dumm, wie solche Leute oft sind, glubte er es wahrscheinlich sogar selbst) in Wahrheit war er wohl selbst eher eine Marionette Andreottis.

    Die linken „Magistrati“ waren nicht von ihrer Theorie abzubringen, was für die Geschäfte von Andreotti & Co sehr praktisch war:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/11/gaddafis-treue-freunde/

    was beim „Anschlag auf die Piazza Fontana“ (in Wahrheit eine Bank)nicht gelungen war, vor Gericht nachzuweisen, musste bei Bologna klappen.

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2008/08/24/italiens-bleierne-jahre/

    zur Not auch mit der abstrusen Zeugenaussage eines römischen Halbweltlers, der dafür auf Grund eines vorgetäuschten Pakreas-Tumors die Freiheit geschenkt bekam:

  3. Merci Sarkozy « Aron Sperber Says:

    […] https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/02/vor-31-jahren-in-bologna/ […]

  4. Italiens 9/11 « Aron Sperber Says:

    […] https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/02/vor-31-jahren-in-bologna/ […]

  5. Als libysches Öl europäische Ermittlungen behinderte « Aron Sperber Says:

    […] https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/02/vor-31-jahren-in-bologna/ Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  6. Die wundersame Heilung des Massimo Sparti « Aron Sperber Says:

    […] seiner Zeugenaussage konnte der schlimmste Terroranschlag der italienischen Geschichte gerichtlich „aufgeklärt“ […]

  7. Humanist Says:

    Sorry Herr Sperber, in ihrer verdrehten rechten Art, scheint es ja Gang und Gebe zu sein die Fakten zu verdrehen. Selbst zuverlässige Quellen sprechen schon davon das „Gladio“ dahinter steckt. Gladio ist und war eine Geheimarmee, die sich gerade in Deutschland aus der rechten Szene rekrutiert hat. Auch liegt der Verdacht nahe das der Anschlag auf das Oktoberfest in München 80 auch Gladio anzurechnen ist. Gladio eine Stay Behind Organisation die im Falle einer russischen Invasion als Partisanen agieren sollten.

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