„Niemand in Gefahr“

Linksradikaler Terror wird gerne verharmlost:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,791014,00.html

Nahe des Berliner Hauptbahnhofs waren Menschen offenbar zu keiner Zeit in Gefahr. Selbst bei einem Brand wären Passagiere der Bahn nicht betroffen gewesen. Gleichwohl hätten mögliche Schäden an den Signalanlagen ein erhebliches Risiko für den laufenden Zugverkehr darstellen können, sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Montagmittag.

Schießlich sei „niemand in Gefahr“ gewesen.

Wenn bei so einem „harmlosen“ links-pazifistischen Anschlag dann doch einmal etwas schiefgehen sollte, finden sich bestimmt ein paar findige Köpfe, die es schaffen, ihre militanten Genossen von jeder Schuld reinzuwaschen.

Im Dezember 1969 explodierte in einer Mailänder Bank eine Bombe.

Weil an jenem Tag landwirtschaftliche Förderungen ausgezahlt wurden, war die Bank nach Ende der offiziellen Öffnungzeit noch voller Kunden.

17 Menschen verstarben bei dieser „anarchistischen Aktion“ gegen ein „unmenschliches Symbol des Kapitalismus“.

Die intellektuellen Sympathisanten der Anarchisten, die für die Aktionen ihrer tatkräftigen Genossen bislang viel Verständnis gezeigt hatten, wollten mit so einer häßlichen Sache natürlich nichts mehr zu tun haben.

Dabei begnügten sie sich jedoch nicht damit, sich von der Gewalt zu distanzieren, wie es etwa die Islamkritiker nach Breiviks Wahnsinnstat machten.

Der Anschlag auf die Bank wurde stattdessen zu einem Anschlag auf die „Piazza“ bzw. das „Volk“ umdeklariert:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bombenanschlag_auf_der_Piazza_Fontana

Und hinter Anschlägen auf das Volk konnten natürlich niemals Linke, sondern nur Rechte bzw. der Staat stecken.

Die Fürsprecher der „armen Anarchisten“ konnten sich mit ihrer Sicht – es habe sich um einen von Rechtsextremen ausgeübten Anschlag gehandelt, der den „unschuldigen Anarchisten“ untergeschoben werden sollte – weitgehend durchsetzen:

Die anfänglich verhafteten Anarchisten wurden 1972 befreit, und stattdessen ermittelte und prozessierte man über 30 Jahre lang gegen die gesamte rechtsextreme Szene.

Dass auch nach 30 Jahren keine Schuldigen verurteilt werden konnten, schadete der These nicht, sondern wurde sogar als zusätzliches Indiz einer besonders perfiden Verschwörung zwischen dem „rechten Staat“ und den “rechtsextremen Terroristen“ gedeutet.

Dario Fo, einem der Erfinder der „Strategie der Spannung“, wurde später der Literaturnobelpreis verliehen.

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12 Antworten to “„Niemand in Gefahr“”

  1. Nima Says:

    http://www.box.net/shared/8izpa7iaapbx4jemyyv4
    20 Questions to Christian Wulff
    20 Fragen an Christian Wulff
    بیست پرسش از کریستیان وولف

  2. Ulrich Elkmann Says:

    „Eingeordnet unter 68er“: Eben. Die kriminelle Radikalisierung von „1968“ – die „Aufnahme des bewaffneten Kampfs“ begann mit dem Frankfurter Kaufhaus-Brandanschlag und dem Versuch – der linken Medien und der Verteidigung – den unmittelbarne Anlaß – die Flugblattaktion der Kommune 1 („burn warehouse burn“ als Reaktion auf den Brüsseler Kaufhausbrand im Juni 1967 mit 130 Toten) als dadaistisches Happening hinzustellen (das entsprechende Gutachten stammte von Jacob Taubes) – wobei die Justiz insofern dem Zeitgeist noch zuarbeitete, daß die zwei Jahre Haftstrafe für Baader sich aus hauptsächlich einer noch offenen Vorstrafe (wegen vorzeitiger Haftentlassung aufgrund guter Führung) herleiteten. Was die „kritischen Geister“ wirklich fuchste, war, daß „Kaufhaus“ mit „warehouse“ zu übersetzen doch von blamablen Englischkenntnissen zeugen würde. Die „Gewalt gegen Sachen“ gehört seitdem zur eisernen Tradition des „linken Widerstands“ gegen „das System“ – Autos abfackeln und Gleise schottern inklusive. (NB: Ich weiß, daß Kritische Geister den RAF-Terror erst nach Baaders „Befreiung“ und der „Entscheidung, in den Untergrund zu gehen“ datieren; ich erlaube mir aber, das „principiis obsta!“ eher anzusetzen.)

  3. Alreech Says:

    Gewalt gegen Sachen – z.B. Bankgebäude – ist schon o.k.

    Wenn aus der Gewalt gegen Sachen Gewalt gegen Menschen wird – wie bei den griechischen Bankangestellten die nach dem Wurf eines Mollies verbrannt sind – dann trifft die Gewalt nicht den heldenhaften Weltverbesserer der den Molly geworfen hat.

    Sondern das böse System, das die Opfer dazu gezwungen hat sein Leben aufs Spiel zu setzen.
    http://de.indymedia.org/2010/05/280507.shtml

  4. „Jugendliche unter 30 Jahren“ « Aron Sperber Says:

    […] https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/10/niemand-in-gefahr/ Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  5. SR-71 Says:

    Auch islam-Abwehrer, in deren blog ja nun nicht mehr selten von Volks-Verrätern, Bürgerkrieg oder vertuschend und selbstbetrügend vom „großen Knall eines Tages“ die rede ist ( in norwegen schon eingetreten), sind vielleicht eines
    tages genötigt,
    Gewalt gegen Sachen anzuwenden.
    Tut doch nicht so, als sei dies eine Sache, die nur von der Moral einer Seite bzw. bestimmter Akteuere abhängig ist.

    Oft aber ist Gewalt, egal welcher art, nur eine Form der UNFÄHIGKEIT zu einer alternativen Politik-Entwicklung, einer speziellen Manipulation, wie es ja auch der gezielte terror ist, oder der UNFÄHIGKEIT, die persönliche und charakterliche (Krisen-) Entwicklung mit derdin der Politk auseinanderzuhalten.
    Was nicht untypisch gerade für das FASCHISTISCHE und eine art des Linksextremismus ist.
    – Bei aller überwiegend zutreffenden analyse ist auch Anders Breivik dort / dazwischen einzuordnen.

    Die infos zu 1969 hier und Dario Fo überraschen mich und ich wünsche mir dazu
    WEITERE INFORMATIONEN.
    Ihr / wir sollten aber nicht so tun, als hätte man im Beziehungsfeld Geheimdienste-GLADIO-Faschisten . . . nichts zu vertuschen (gehabt)

  6. SR-71 Says:

    Korrektur:
    „oft ist aber Gewalt . . . ., eine Form . . . , einer speziellen Manipulation, …“

  7. Unehrenhafter Terror « Aron Sperber Says:

    […] https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/10/niemand-in-gefahr/ Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  8. Das fliegende Auge Says:

    Ich fasse mal zusammen: Es werden von unbekannter Seite Anschläge versucht / inszeniert / durchgeführt, die unbeteiligte „Zivilisten“ gefährden / zum Opfer haben. Nützen tun diese Anschläge niemandem, außer vielleicht einem Staat und seinen Nutzniessern, die sich zunehmend in Punkto innere Sicherheit profilieren.

    Zum Glück haben wir Herrn Aron Sperber, der sofort weiß, aus welcher Ecke der Wind weht. Es sind natürlich die Anarchisten (bei ihm auch Synonym für linksradikale Pazifisten) und ihre intellektuellen Steigbügelhalter, die fiesen Gutmenschen.

    Na dann…

  9. Unehrenhafter NSU-Terror | Aron Sperber Says:

    […] der Erfinder des “Strategie der Spannung”-Mythos erhielt übrigens ebenfalls […]

  10. Vor 30 Jahren in Wien und Rom | Aron Sperber Says:

    […] bei Anschlägen, denen man eine rechte Urheberschaft zuweisen konnte, von Italiens Intelligenzija ein regelrechter Opferkult betrieben wurde, passte ein Anschlag […]

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