„Großes Strahlen-Theater“

Eine ketzerische Frage provozierte bei Maischberger einen der großartigsten Theaterabende der deutschen Fernsehgeschichte:

http://americanviewer.wordpress.com/2011/12/18/wie-viele-strahlentote-gab-es-in-fukushima-frau-maischberger/

— Theaterstück Anfang —

Köppel:
Es ist keine Person gestorben oder lebensgefährlich verletzt worden durch diese Strahlung.

Käßmann nuschelt empört etwas dazwischen.

Augstein: Das stimmt nicht!

Lehmann: Also keine Legendenbildung, bitte!

Köppel: Nein, es ist so, es ist so.

Käßmann: (entrüstet)
Man kann ja nicht einfach etwas behaupten, ohne, ohne…

Köppel: (ruhig)
Es ist so, wir können das auch gerne nach der Sendung besprechen.

Lehmann: (wird laut)
Das wird in der Sendung geklärt, das wird in der Sendung geklärt!

Köppel: (bleibt weiter ruhig)
Es ist so. Sie haben die Fakten doch gar nicht.

Maischberger: Haben sie andere Informationen Herr Augstein oder Herr Lehmann?

Augstein: (scheinheilig, sich dumm stellend)
Es sind doch, es sind doch, da sind doch Arbeiter ums Leben gekommen.

Lehmann: Natürlich, natürlich.

Köppel:
Es sind keine Arbeiter wegen Strahlung ums Leben gekommen.

Maischberger: (erleuchtet, hebt Zeigefinger)
Achso nicht wegen Strahlung.

Während die anderen beiden sprechen, zeigt die Kamera auf Augstein, der sich abwendet, die Augen verdreht und bewusst provozierend seinen Scheitel glättet. Das Anschauungsunterricht wie man die Glaubwürdigkeit seines Gegners allein durch Mimik und Gestik zerstören kann. Motto: Achja der Köppel, der erzählt doch nur Unsinn. Maischberger bemerkt Augsteins fehlende Kinderstube.

Maischberger: Herr Augstein wollen sie widersprechen?

Augstein: (rhethorisch meisterhaft das Thema Strahlentote umschiffend)
Nein, nein, ich will nur eine Sache sagen. Man kann natürlich sagen, dass Köppel Recht hat, wenn man bedenkt, dass das der größte Unfall war, den man sich vorstellen kann und wenn man dann sagt wie vergleichsweise wenig passiert ist. Also wenn man sehr zynisch ist.

Köppel: Das ist nicht zynisch.

Augstein: Natürlich! Wenn man sehr, sehr zynisch ist, kann man sagen, da sind jetzt nur 30 Quadratkilometer verstrahlt und so und so viel Zeug ins Wasser und so. Und die Wolke ist ja auch nicht nach Tokio gekommen, hätte ja auch passieren können, ist aber nicht passiert. Also wenn man sehr hartleibig ist, kann man das so sagen. Ich glaube aber, dass in dem Fall zumindest die Mehrheit der deutschen Bevölkerung da hinter der Kanzlerin steht, die gesagt hat, dieses Risiko, dass die Wolke dann wegen einer Winddrehung eben doch über Tokio fliegt, das wollen wir glaube ich so nicht mittragen!

Wildes Durcheinander.

Maischberger:(versucht wieder Ordnung reinzubringen)
Beide Standpunkte sind glaub’ ich jetzt ausgetauscht worden.

Lehmann: (leise)
Ne, ist nicht ganz ausgetauscht worden.
(energischer)
Neeeiinn, es ist nicht ganz ausgetauscht worden!

Lehmann darf fortfahren.

Lehmann: Ausstieg aus der Atomenergie? D’accord. Alle Experten sehen 2020 den Höhepunkt Ölförderung kommen.
(enthusiastisch)
Ich sehe nach der Finanz- und Schuldenkrise eine noch viel größere Krise: Die Energiekrise!

Maischberger: (irritiert)
Spricht das jetzt für oder gegen den Atomausstieg?

Lehmann: Sowohl als auch!

Maischberger: Aha.

Lehmann: Jaaa! Wir müssen die Energiewende haben!

Käßmann: (schält sich in Diskussion ein)
Aber ich finde nur wir können die Verstrahlung (weinerlich-schrille Betonung) nicht so klein reden.

Lehmann: (begeistert, mit ausgestrecktem Zeigefinger)
Das wollte ich ja gerade sagen!

Käßmann:
(mit ausgebreiteten Armen wie bei einer Predigt)
Das kann so nicht stehen bleiben. Aus Tschernobyl – das ist jetzt 26 Jahre her – werden Kinder noch jedes Jahr hierhergeschickt, um sich zu erholen, weil Kinder nach der Geschichte geboren wurden und mit, mit Schädigungen geboren wurden, sind.

(mit den Händen gestikulierend)
Sie können doch nicht so sagen: „Da sind ein paar Leute verstrahlt worden, so schlimm war es nicht,…

Köppel: (unterbricht leise)
Doch.

Käßmann:
…jetzt explodiert halt mal ein Atomkraftwerk, das ist doch nicht so schlimm.“
(Empörtes Zischen, Kopfschütteln, Griff zum Glas)

Köppel: (ruhig)
Ich habe nicht über Tschernobyl gesprochen, sondern über Fukushima.

Maischberger unterbricht Köppel.

Köppel: Nur ein Satz!

Maischberger:
Nein! Zu diesem Thema werden wir uns noch einmal in 20 Jahren unterhalten!

— Theaterstück Ende —

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3 Antworten to “„Großes Strahlen-Theater“”

  1. American Viewer Says:

    😉

  2. Griechen wollen Drama absetzen | Aron Sperber Says:

    […] griechische Bevölkerung musste jedoch (wie die meisten Europäer) für das elitäre Theater bezahlen, das von den selbstgefälligen Öffentlich-Rechtlichen veranstaltet […]

  3. Unsere Schuld? | Aron Sperber Says:

    […] Doch auf solche Realitäten zu verweisen, fände Augstein wohl wieder zynisch. […]

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