Demokraten siegen bei libyschen Wahlen

Es ist ein klarer Sieg für die säkularen Kräfte in Libyen: Die liberale Allianz des früheren Regierungschefs Mahmud Dschibril hat bei den Wahlen mehr als doppelt so viele Mandate gewonnen wie die religiösen Parteien. Die Mehrheitsverhältnisse im Parlament sind dennoch unklar.

Wie die Entwicklung in Libyen weitergehen wird, kann natürlich trotzdem niemand voraussagen (außer man hält sich wie PSL für einen Propheten).

Das Wahlergebnis ist jedoch erfreulich.

Erstmals seit Beginn der arabischen Revolution wurde eine demokratische Wahl von Demokraten und nicht – wie in Ägypten und Tunesien – von Islamisten gewonnen.

In Libyen wurde der Krieg gegen den Tyrannen dank Sarkozys beherztem Einsatz rasch beendet.

In Syrien überlässt man den Kampf gegen den Tyrannen den Dschihadisten.

Folglich werden auch die Dschihadisten bestimmen, wie das politische System aussehen wird, sofern es ihnen gelingt, den Tyrannen zu stürzen.

Jürgen Todenhöfer hatte über die Revolutionen in Ägypten und Tunesien jubiliert, obwohl die Zukunft um nichts sicherer war als in Libyen und Syrien.

Ausgerechnet bei der Absetzung von Tyrannen wie Gaddafi und Assad wird jedoch Besorgnis über eine „islamistische Zukunft“ oder die „Verfolgung der christlichen Minderheit“ geheuchelt.

Schlagwörter:

22 Antworten to “Demokraten siegen bei libyschen Wahlen”

  1. Nichtglauber Says:

    Sehr romantisch dieser Text, so naiv – und so wundervoll an der Realität vorbei:

    http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=7761
    „Das ist die Realität des neuen Libyens: Bürgerkrieg, verschwendete Ressourcen und gesellschaftlicher Zusammenbruch; zu sagen, dass man die Tage lieber mochte, in denen es Libyen gut ging und Frieden herrschte, ist ein Verbrechen, doch Lynchmorde und Folter werden erlaubt, ja sogar gefördert.“

    Zur Wahl:
    62% Wahlbeteiligung (ganze 1,6 Mio.), Stimmzezzelverbrennungen, Einschüchterungen, Dutzende Tote am Wahltag, ganze Landteile außerhalb Bengasi so zu sagen von der Wahl ausgeschlossen… das reicht, um hier zu Lande triumphale mediale Schlagzeilen zu produzieren.

    Vergleich:
    Refenrendum-Wahl in Syrien, 60% Wahlbeteiligung (ca. 7 Mio. Teilnehmer), trotz tobenden Kämpfen, 80% Ja-Stimmen zur Annahme der reformierten politischen Agenda…
    das reicht, um – keinerlei Schlagzeilen hier zu Lande zu produzieren.

    Ein Schelm, der sich Sachlichkeit, Objektivität und weniger Heuchelei wünscht…

    • aron2201sperber Says:

      jaja, der friedliebende, gute Onkel Gaddafi:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/21/gaddafi-bejammert-einmischung/

      das „Nichtglauber“ bezieht sich natürlich nur auf die westlichen Medien.

      die romantische antiwestliche Propaganda wird hingegen mit größter Gläubigkeit konsumiert

    • arprin Says:

      Ach, der Nichtglauber…
      Wie kann man selbst als Kritiker der westlichen Medien diesen Text bei Tlaxcala ernst nehmen? Es gibt einen Unterschied zwischen der tatsächlich vorherrschenden Militanz und einem Bürgerkrieg. Im sozialistischen Paradies Venezuela gab es in den letzten sechs Monaten 9.510 Morde, 52 pro Tag:
      http://latina-press.com/news/130037-52-morde-pro-tag-in-venezuela/
      Ist Venezuela jetzt auch im Bürgerkrieg?

      Die Medien berichten nicht „triumphal“ über die Wahlen, sie geben nur die Ergebnisse wieder. Die gewalttätigen Vorfälle werden natürlich nicht verschwiegen (wobei es nicht stimmt, das „ganze Landesteile von der Wahl ausgeschlossen wurden“).

      Und dass die Medien nicht über die syrischen „Wahlen“ berichtet haben, ist natürlich auch Unsinn. Nur haben sie eben dabei nicht die Propaganda des Regimes wiederholt, sondern die Wahl als das bezeichnet, was sie ist: Eine Farce. Spiegel/politik/ausland/wahl-in-syrien-assad-laesst-neues-parlament-waehlen-a-831747.html
      In Syrien gab es viel mehr Tote am Wahltag, es gab viel mehr Einschüchterungen (u.a mit Panzern) und es wurden nur Pseudo-Oppositionelle zur Wahl gelassen.

      Wenn Nichtglauber mehr Sachlichkeit, Objektivität und weniger Heuchelei wünscht, sollte er mal bei sich selbst anfangen.

      • Nichtglauber Says:

        „Ist Venezuela jetzt auch im Bürgerkrieg?“

        Hallo arprin 🙂

        Macht das denn einen Unterschied, welches Etikett des Morden bekommt?

      • arprin Says:

        Natürlich. Ein Bürgerkrieg betrifft ein Land viel mehr als „gewöhnliche“ Kriminalität. Niemand würde aktuell wohl lieber in Syrien als in Brasilien oder Mexiko sein (außer man ist Dschihadist).

        In Libyen ist die Gewalt natürlich auch politisch motiviert, aber die Ausmaße sind nach Oktober 2011 relativ gering, man spricht da von einem „low intensity conflict“.

      • besucher Says:

        Eine kühne These: Legalisiert den Drogenhandel und der Bürgerkrieg in Mexiko ist vorbei.

      • arprin Says:

        Besucher: ???

        Wie kommst du auf das Thema Drogen? Und die These ist übrigens gar nicht so kühn.

      • besucher Says:

        weil hier gerade von Mexiko die Rede war.
        Aber sogar den Bossen ist es lieber das der Handel illegal bleibt. Ansonsten sinken die Verdienstmöglichkeiten.

  2. Paul Says:

    Lieber Aron, mangels Sachkenntnis habe ich zu diesem Problem keine eigene Meinung.
    Aber lies mal hier:
    http://zettelsraum.blogspot.de/2012/07/marginalie-ist-mahmud-dschibrils-als.html
    Das klingt für mich sehr logisch.
    Für mich heißt es: Abwarten und das Beste hoffen. Das Schlimme kommt von alleine.

  3. Carsten Says:

    „Jürgen Todenhöfer hatte über die Revolutionen in Ägypten und Tunesien jubiliert, obwohl die Zukunft um nichts sicherer war als in Libyen und Syrien.
    Ausgerechnet bei der Absetzung von Tyrannen wie Gaddafi und Assad wird jedoch Besorgnis über eine “islamistische Zukunft” oder die “Verfolgung der christlichen Minderheit” geheuchelt.“

    Interessant dass hier Toddenhöfers Meinung zu Ägypten und Tunesien aufgezählt wird, aber seine Meinung zu Libyen nur suggeriert wird. Seine Aussagen dazu wohl nicht ins Bild der hier dargestellten Heuchelei gepasst

    • arprin Says:

      Todenhöfer war klar gegen den Libyenkrieg, aber gleichezeitig für die Rebellen.

      Offenbar war Gaddafi durch seine „Rehabitilierung“ nach 2003 nicht antiwestlich genug, um von ihm verteidigt zu werden. Aber den NATO-Einsatz konnte er als Antiimperialist natürlich auch nicht billigen.

      • Nichtglauber Says:

        Siehst du, du kannst es doch, wenn du willst… zumindest ein bisschen!
        Todenhöfer hat zu jedem Konfliktherd (s)ein Argument, für oder gegen die Rebellion zu sein. Der rote Faden besteht im Fakt, in wie fern ein solcher Aufstand einen VOLKSaufstand oder einen (gesponserten) PARTIELLEN Aufstand darstellt. Und IMMER lehnt er eine westliche Intervention ab. Ganz einfach!

        Da Todenhöfer vom antiislamisch-zionistischen- konseravtiven Falkenspektrum belächelt wird, hier mal einige seiner „Thesen“, die es zu widerlegen gilt:
        “ Muslimisch getarnte Terroristen sind Mörder, christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskrieger auch. Der Westen war der muslimischen Welt immer überlegen im Einsatz von Gewalt, belegbar durch furchtbar überzeugenden Beispielen von kolonialer, imperialer und rassistischer Gewalt gegen arabisch-muslimische `Untermenschen`: französische Schlächtereien im Algerienkrieg, Chemiewaffen gegen den Irak unter W. Churchill (!!) 1920, Senfgas der Italiener gegen Libyen.
        Antiterrorkriege sind Terrorzuchtprogramme“.

        Um mit den Worten einer meiner persönlichen Witzfiguren zu sprechen: Fakten, Fakten, Fakten…

      • arprin Says:

        Was kann ich jetzt?

        Über Todenhöfer habe ich schon so viel in meinem Blog geschrieben, dass ich nur darauf verweisen kann. Zu seiner These „christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege“:
        https://arprin.wordpress.com/2011/05/29/der-mit-den-arabern-leidet-jurgen-todenhofer-und-der-nahe-osten-teil-3/

        Zu seinem Terrorpropaganda-Buch „Warum tötest du, Zaid?“ allgemein:
        http://arprin.wordpress.com/2011/09/19/warum-totest-du-zaid-weil-ich-ein-terrorist-bin-jurgen/
        Auszüge daraus, die die “ mutigen Widerstandskämpfer“ charakterisieren: „Er kämpfe für einen islamischen Irak mit dem Koran als Grundlage der Verfassung. Er wolle, dass die Scharia beachtet werde … Ich frage ihn, wie er zu Al-Zarkawi und bin Laden stehe. Rami erklärt, er bewundert beide. Mit Al-Zarkawi hätte er gerne zusammengearbeitet, weil dieser den US-Truppen schwere Verluste zugefügt habe. Auch bin Laden beeindrucke ihn, weil er den Mut gehabt habe, sich den USA offen entgegenzustellen.“

      • aron2201sperber Says:

        interessant ist auch ein Blick ins Archiv:

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13511246.html

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14321646.html

        in den 80ern war Todenhöfer Deutschlands größter Lobbyist für eine stärkere Parteinahme des Westens im Afghanistankrieg.

        Karl May bereiste die Welten seiner edlen Wilden nur in seiner eigenen Phantasie.

        Todenhöfer war zwar real in Afghanistan – und doch sind seine Geschichten von tiefer Irrealität geprägt.

        er ist begeistert vom Kampf der „edlen Wilden“, solange dieser „rein“ und nicht von „westlicher Einmischung“ befleckt ist.

        was die edlen Wilden so treiben, wenn sie die Macht übernommen haben, blendet er aus, da es seine Karl May-Idylle zerstören würde

      • Carsten Says:

        Todenhöfer war gegen eine NATO-Intervention, aber für den Einsatz einer arabischen Intervention – zugegeben ein Hirngespinst.
        Die hier sugerierte Aussage er hätte von einer islamischen Zukunft oder einer Christenverfolgung geheuchelt scheint mir aber immer noch nicht zutreffend. Stattdessen hat er genau das getan was er in Ägypten und Tunesien getan hat – die Revolution gegen den Despoten begrüßt

  4. Nichtglauber Says:

    arprin,

    im Gegensatz zu dir lehne ich Terroranschläge auf allen Fronten ab. Daher empfinde ich ein tiefes Mitgefühl den Familienmitgliedern gegenüber, die ihre Lieben in einem Bus in Bulgarien durch einen widerlichen Akt verloren haben.
    Wie willst du jemals den Terror gegen Menschen glaubhaft ablehnen, wenn du den Terror gegen andere Menschen bejubelst (siehe dein letzter Beitrag in deinem Blog)?
    Bulgarien ist im Übrigen kein „Bürgerkriegsland“… Analog zu deinem unseligen Statement macht dieses Töten also daher einen Unterschied. Vielleicht kannst du das in einem Kondolenzschreiben an die betroffenen israelischen Familien unterbringen!

    • arprin Says:

      Die israelischen Touristen haben natürlich genauso viele Menschen abgeschlachtet wie die syrischen Regimegrößen…

      Ich „freue“ mich nicht über Terror, sondern darüber, dass diese bestialischen Mörder nun nicht noch mehr Schaden anrichten können und dass diese Ereignisse zum Sturz des noch größeren Massenmörders beitragen können, den du ja ganz toll findest.

      Und bitte fang nicht wieder an, meine Aussagen falsch wiederzugeben und mir so Dinge zu unterstellen, die ich nicht gesagt habe. Das Töten macht weder in Libyen, Venezuela, Syrien noch Bulgarien einen Unterschied, aber nicht jedes Töten wird als Bürgerkrieg eingestuft. Wenn ein Salafist sich in Deutschland in die Luft sprengt, wirst du wohl auch nicht gleich von einem „Bürgerkrieg in Deutschland“ sprechen, oder?

  5. Nichtglauber Says:

    Die Welt spricht von einem angeblichen „Staat“ und sagt nicht, dass er weder über ein funktionierendes Militär noch über eine Polizei verfügt.
    Es handelt sich sich also um einen zerstörten Staat, ein vom Ausland dominiertes Protektorat. Die Experten sprechen also über den unbekleideten Kaiser und verschweigen, dass er nackt ist. Nur die USA und NATO verfügen über die Machtnittel, die Grenzen des ehemaligen Libyens zu gewährleisten. DAS ist kein Beispiel eines „demokratischen Staates“ sondern eines „failed states“.
    Im Übrigen sollen in Tripolis am dritten Tage in folge die kleinen Scharmützel mit insgesamt über 70 Toten stattfinden. 70 Tote nur in Tripolis…
    Und last but not least: „… nur 80 der 120 Parlamentssitze wurden an Parteien vergeben, und Jibril hat davon 39 gewonnen. Selbst wenn er einige der vielen Kleinstparteien mit einem bis drei Mandaten auf seine Seite zieht, bleiben immer noch die 120 Unabhängigen. Die Muslimbrüder behaupten, die meisten stünden auf ihrer Seite.“ – derStatdard.at –

    • arprin Says:

      Ach wie soll diesen himmelschreienden Unsinnn noch beantworten? Ich kann nur sagen: „Jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten.“ (Daniel Patrick Moynihan)

      PS: Niemand hat behauptet, dass Libyen ein „demokratischer Staat“ ist, sondern nur, dass bei den Wahlen liberale Kräfte gewonnen haben, zumindest liberal nach arabischem Niveau. Ja, ich weiß das schmerzt, weil ihr Gaddafi-Fanatiker es viel lieber hättet, dass Libyen in einem blutigen Chaos voller Tod, Anarchie und Zerstörung endet, aber das sind nun mal die bisherigen Fakten.

Schreibe eine Antwort zu Nichtglauber Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: