Unschuldig in Guantanamo, schuldiges Gitmo

In Guantanamo sitzen bekanntlich lauter Unschuldslämmer ein.

Nach Pakistan reisen unschuldige Guantanamo-Opfer nur um den Koran zu studieren:

Kurnaz sagt, er habe sich im Oktober 2001 nach Pakistan aufgemacht, um an einer Schule der Missionsbewegung Tabligh-i-Jamaat in Lahore den Koran zu studieren. Nachdem er dort abgelehnt wurde, sei er ziellos durch Pakistan gereist, naiv und orientierungslos, vielleicht auch verblendet und ideologisch verbohrt, aber nicht mit terroristischen Absichten.

Wer solche Menschen nicht mit offenen Armen empfängt, wird von der FU Berlin und dem Spiegel natürlich sofort an den Pranger gestellt:

Seit Tagen steht der Spitzenbeamte in der Kritik, mit einem Rechtsgutachten im Jahre 2002 die Entscheidung der rot-grünen Bundesregierung legitimiert zu haben, den jahrelang unschuldig in Guantanamo einsitzenden Kurnaz im Falle einer Freilassung nicht einreisen zu lassen. Der promovierte Jurist hatte in einer Vorlage für die Spitze des Bundesinnenministeriums den Schluss gezogen, Kurnaz dürfe aus formalen Gründen nicht wieder einreisen. Seine Aufenthaltsgenehmigung sei erloschen, weil er sich „länger als sechs Monate im Ausland“ aufgehalten hat“.

Wenn so ein unschuldiger Islam-Student und späteres Gunatanamo-Opfer nachher doch etwas anstellt, ist natürlich nicht der Koran sondern Guantanamo schuld.

Ghezali wurde laut dem Bericht in Stockholm geboren und wuchs in Schweden auf. Sein Vater stamme aus Algerien, seine Mutter sei aus Finnland. 2001 hielt sich Ghezli in Pakistan auf, wo er islamisches Recht studiert habe. Am 1. Dezember 2001 wurde er in Pakistan verhaftet und in das US-Lager Guantanamo gebracht. Man habe ihn verdächtigt, der Terrororganisation Al-Kaida anzugehören. Im Juli 2004 sei Ghezali auf Forderung der schwedischen Regierung hin freigelassen worden. In der Begründung aus Stockholm hieß es demnach, dass Ghezali keine Gefahr für die Sicherheit der USA darstelle und kein Verbrechen verübt habe, nach dem man ihn verurteilen könne.

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8 Antworten to “Unschuldig in Guantanamo, schuldiges Gitmo”

  1. besucher Says:

    Hi Aron, der letzte Absatz Deines Artikels ist ein bisschen missverständlich.
    Ich konnte mit der Person Ghezali erst einmal nichts anfangen.
    Im ORF-Artikel http://www.orf.at/stories/2131767/ sah ich aber dann dass er der Burgas-Selbstmordattentäter sein soll. Vielleicht kannst Du das noch irgendwie taggen oder Burgas kurz erwähnen.

  2. besucher Says:

    Hannes Stein macht übrigens wieder ein großes Fass auf:

    http://www.welt.de/kultur/article108335884/Die-grossen-Aufklaerer-waren-oft-Judenhasser.html

    Vielleicht hätte er im Umkehrschluss auch mal Aufklärer erwähnen sollen die sich nicht negativ über die Juden geäußert haben.

    • aron2201sperber Says:

      viele Aufklärer mögen große Arschlöcher oder Antisemiten gewesen sein.

      nach derselben Logik müsste man den Nationalsozialismus daran bewerten, ob es auch nette Nazis gab.

    • aron2201sperber Says:

      ich möchte am Abend noch einen eigenen Beitrag zu Steins Artikel schreiben.

      die Beschneidungsdebatte auf eine Gegenüberstellung von Religionsfeinden und Religiösen zu lenken, halte ich für sehr verfehlt.

      ein aufgeklärter Verfassungsstaat will die Religion nicht abschaffen, sondern – im Gegenteil – die Ausübung aller Religionen schützen.

      was einzelne Aufklärer über die eine oder andere Religion denken und sagen, ist wieder eine andere Geschichte.

      in religiösen Staaten wird immer nur die eigene Religion geschützt.

      Staaten, die jede Religion abschaffen wollen, um selbst den Platz der Religion einzunehmen, sind aus aufgeklärter Sicht selbstverständlich ebenso abzulehnen wie religiöse Staaten.

      die Sowjetunion oder das Dritte Reich waren trotz antireligiöser Aufklärung rückschrittliche Staaten, da sie die bürgerlichen Rechte der Aufklärung wieder abschafften.

      es kommt nicht auf die Frage „religiös“ oder „nicht-religiös“ an, sondern um die Gewährleistung der Bürgerrechte, zu denen sowohl die Freiheit auf Religionsausübung als auch die Freiheit zur Nicht-Religiosität zählen.

      unter einem aufgeklärten Staat ist ein Staat zu verstehen, der die Bürgerrechte respektiert und garantiert.

      was die einzelnen Aufklärer über Religionen dachten, ist hingegen irrelevant

      genauso ist es für die Beurteilung des Stalinismus irrelevant, dass einige von Stalins engsten Mitarbeitern Juden waren.

      ob ein System verbrecherisch ist oder nicht, kann nicht an der Sympathie oder Antipathie gegenüber Juden gemessen werden, sondern am Respekt vor den Menschenrechten.

  3. Olaf Says:

    Diese Kurnaz Shows seinerzeit mit Beckmann und Co. waren extrem verlogen, widerlich.

    • aron2201sperber Says:

      der Typ ist türkischer Staatsangehöriger, der auf unbestimmte Zeit nach Pakistan ausreiste, um den Islam zu studieren.

      man fragt sich, warum er sein „Studium“ später nicht auch in der Türkei fortsetzen konnte.

      war ihm die Türkei nicht islamisch genug?

      dass unsere blöden Politiker den „Islam-Studenten“ trotz der rechtlichen Möglichkeit, ihn nicht mehr zurückzunehmen, darauf bestanden, ihn trotzdem zurückzuholen, wäre ein guter Grund gewesen, „Skandal“ zu schreien.

      stattdessen wird das Verfassen eines rechtlich einwandfreien Gutachtens skandalisert

  4. Jihadi John und Amnesty Londonistan | Aron Sperber Says:

    […] bösartige Unterstellung, dass es sich bei Herrn Moazzam Begg eventuell doch um kein Unschuldslamm handeln könnte, kostete einer langjährigen Mitarbeiterin ihren […]

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