„He’s a bastard, but he’s our bastard.“

Ortner weist (völlig zu Recht) daraufhin, dass die Rebellen durch die westliche Realpolitik erst recht unter den Einfluss von islamistischen Extremisten geraten.

Sollte der Westen also besser Assad unterstützen, weil vielleicht etwas Schlimmeres nachfolgen könnte?

In jenem Fall würde man den Westen wiederum dafür anprangern, aus Opportunismus einen Saddam zu fördern.

Saddam war wie Assad eine miese Kreatur der Sowjetunion.

Den Golfkrieg hatte er mit sowjetischer Bewaffnung begonnen, auch wenn heute von allen möglichen Welterklärern die USA dafür verantwortlich gemacht wird.

Saddam hatte das Pech, gegen einen Gegner mit überlegener amerikanischer Bewaffnung kämpfen zu müssen.

Dass der Westen einem Bastard der Sowjets am Ende aus realpolitischen Gründen den Arsch retten musste, machte Saddam plötzlich zu „unserem Bastard“.

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27 Antworten to “„He’s a bastard, but he’s our bastard.“”

  1. besucher Says:

    Syrien mit Libyen zu vergleichen halte ich für sehr gewagt.
    Syrien ist verglichen mit der libyischen Küstenebene wo sich alles abspielte ein Sammelsurium aus Gebirgen mit allerdings doch recht großen Städten (Aleppo, Damaskus, Homs, Hama etc.)
    Als die Rebellen in Libyen von Benghazi über Sirte Richtung Tripolis fuhren war die Sache klar.

    • aron2201sperber Says:

      sicher ist Syrien nicht mit Libyen zu vergleichen.

      allerdings wurden auch bei Libyen alle möglichen Horrorszenarien („Stammeskriege“, „neues Somalia“) an die Wand gemalt, um den guten Gaddafi als einzige Alternative zur Bewahrung des Friedens zu präsentieren.

      • dieter Says:

        Es geht um die Schwierigkeit des militärischen Zugriffs. In Libyen konnte von Frankreich und Italien aus bombardiert werden. Alles spielt sich auf der Küste ab und alles ist übersichtlich. Trotzdem hat es Monate gedauert und nicht, wie Obama versprach, „days, not weeks“.

        Während Libyen eindimensional ist, ist Syrien dreidimensional (Fläche plus Gebirge).

        ****
        Zum Blogpost:

        Dein Kriegsgrund wird nicht viele überzeugen. Der Libyen-Krieg wurde mit dem Versprechen und im Glauben geführt, dass man hier den founding fathers Libyens zu Hilfe eilen würde; also westlich orientierten Liberaldemokraten. BHL, der sich selbst mit der Urheberschaft der Intervention brüstete, glaubte gar, die Rebellen hätten ihm die Anerkennung Israels versprochen.
        Aus alledem wurde nichts und BHL hat sich von „seinem“ Krieg distanziert.

        Auch der Krieg gegen den Irak und Afghanistan wurde zu einem Großteil mit der euphorischen Hoffnung auf Demokratie, Freiheit und Frauenrechte von breiten Schichten im Volk und den Eliten legitimiert.

        Dein Verkaufsargument reduziert sich hingegen auf „fighting the good fight“. Also Krieg, weil er gut gemeint ist und vielleicht eine marginale Verbesserung gegenüber einer Nicht-Intervention bringt.
        Das wird die Massen nicht gerade mit Kriegslust erfüllen.

        Aber für den Fall der Fälle solltest du dich gleich mal hier einschreiben:
        http://www.legion-recrute.com/de/

      • aron2201sperber Says:

        Während Libyen eindimensional ist, ist Syrien dreidimensional (Fläche plus Gebirge).

        bei allem Respekt vor den militärisch-strategischen Kenntnissen, halte ich deine Analyse für ein wenig zu eindimensional 😉

        Assad wird von Russland unterstützt, das ist die entscheidende Dimension.

  2. American Viewer Says:

    Leider stellt Ortner die Frage nicht wie man aus den syrischen Clans jemals Demokraten machen will. Menschen wie Ortner stellen diese Fragen leider nie. Jedenfalls habe ich sie noch nie bei ihm gelesen. Ortner erklärt auch nicht was so schlimm daran ist, wenn sich Sunniten und Schiiten bekämpfen. Er stellt auch nicht die Frage nach den Kosten, obwohl er sonst immer gerne und ehrlich über Kosten redet.

    Dass er auf den Kosovo zu sprechen kommt, ist interessant. Man könnte anhand seine Argumente auch genau den anderen Schluss ziehen und meinen das Eingreifen gegen Serbien war ein Fehler.

    • aron2201sperber Says:

      die einseitige Parteinahme gegen Serbien hielt ich auch für einen Fehler:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/05/28/gut-und-bose-im-balkankrieg/

      Zumal die Serben nicht einmal „Feinde des Westens“ waren und anders als Assad nie Förderer von Terror-Gruppen wie der Hisbollah waren.

      ab einem gewissen Zeitpunkt war ein Einsatz jedoch unvermeidbar.

      im Kosovo lebten nun einmal 90 % Albaner, die nicht bei Serbien bleiben wollten.

      dass es vor 60 Jahren noch viel weniger waren, ist vergossene Milch.

      • besucher Says:

        Für eine funktionierende Demokratie ist die Identifizierung der Menschen mit und in einer Nation unabdingbar, ergo kann ein Clanswesen keine Demokratie hervorbringen.

  3. Nichtglauber Says:

    „Demokratien ziehen in der Regel ungern in den Krieg; und das ist gut so.“
    Originalzitat Ortner…

    Nach eine kurzen aber heftigen Lachattacke ist mein Tag gerettet, viel Dank! Bitte mehr von solchen „ernstgemeinten Analysen“, das ist beste politische Satire!

    • besucher Says:

      Also ich kenne keine Demokratie wo die Öffentlichkeit kriegsbegeistert wäre, sie etwa?

      • Nichtglauber Says:

        Chapeau… Problem erkannt!
        Sie stechen in das Gelbe vom Ei.
        Wie will man das System nennen indem die breite Öffentlichkeit gegen einen Krieg ist aber die Führung dennoch tausende Kilometer von der Heimat entfernt Kriege in Serie fabriziert?
        Die Antwort auf diese Frage beinhaltet die Antwort auf ihre Frage.

      • Nichtglauber Says:

        Also ich kenne auch keine Demokratien wo die Öffentlichkeit kriegsbegeistert wäre… bleibt die Frage mit welchen politischen Systemen wir es dann bei den Nato-Mitgliedsstaaten zu tun haben!??
        Deine Antwort ist somit gleichzeitig ein Stich in das Gelbe vom Ei…

      • besucher Says:

        Ach ja?
        Dann haben sie wohl die medialen Entrüstungen vor Saddam, Kosovo, Afghanistan und Saddam II verpasst.
        Alle die einen militärischen Einsatz für gerechtfertigt hielten mussten sich den Aufschreien der Empörung aller politischen Lager aussetzen.

      • aron2201sperber Says:

        da hat es ein Putin mit seiner gesteuerten Demokratie natürlich leichter – und da er im Gegensatz zum Westen ein Antiimperialist ist, hat er trotz seiner Krieg viele Fans, da es sich immer um antiimperialistische Kriege handelt:

        https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/01/05/der-hooligan-des-antiimperialismus/

        Wenn Russland die Unabhängigkeitsbestrebungen der Tschetschenen durch zwei äußerst brutale Kriege niederschlägt, sei es “ein Sieg des Antiimperialismus”.

        Wenn Russland in ein souveränes Land einfällt, um die Unabhängigkeitsbestrebungen der Osseten zu unterstützen, sei es natürlich ebenfalls “ein Sieg des Antiimperialismus”.

  4. Nichtglauber Says:

    @besucher
    „Dann haben sie wohl die medialen Entrüstungen vor Saddam, Kosovo, Afghanistan und Saddam II verpasst.“
    ganz und gar nicht. Und genau das ist der Punkt. Das Volk will nicht, die wirtschaftlich-politische Elite will… Demokratie geht anders, etwa nicht?

    • besucher Says:

      Wo ziehen Sie die Trennlinie zwischen Volk und wirtschaftlich-politischer Elite?

      • Nichtglauber Says:

        Soll diese Frage ein Witz sein?
        Alle, die einer Arbeit nachgehen oder auch nicht und dabei kein politisches Amt ausüben oder einem Wirtschaftsunternehmen vorstehen, welches direkte Berührungspunkte mit politischen Institutionen pflegt, gehören NICHT zur wirtschaftlich-politischen Elite. Der (kleine) Rest bildet sie.

        Da Sie mir so gerne Fragen stellen, möchte ich es bei Ihnen auch mal tun:
        Bekleiden Sie ein wirtschaftlich-politisches Amt und wie positionierten Sie sich in der Frage Afghanistan, Irak, Libyen und nun Syrien?

      • besucher Says:

        aha, dann gehört der Dorfbürgermeister der vielleicht ein Bauunternehmen hat und mit dem Landrat per Du ist schon zur wirtschaftlich-politischen Elite. Alles klar.

        Ich habe keine einheitliche Position zu den jeweiligen Eingriffen. Sie waren unter gewissen Umständen zu befürworten und unter anderen Umständen abzulehnen.

      • aron2201sperber Says:

        diejenigen, die in den letzten US-Kriegen tatsächlich kämpfen mussten, hatten kein Problem damit.

        sie wußten worauf sie sich eingelassen hatten, als sie zur amerikanischen Armee gingen.

        dass von über 1.000.000 Soldaten im Lauf von 10 Jahren 6.000 durch die Kriege im Irak und Afghanistan sterben mussten, gehört eben zum Berufsrisiko

        es sind gewisse Eliten, die das meiste Getöse um das angeblich sinnlose Sterben westlicher Soldaten machen.

        diese Eliten bilden sich gerne ein die wahren 99 % zu sein, auch wenn sie bei demokratischen Wahlen kaum auf ein paar Prozentpunkte kämen

      • besucher Says:

        Ich wage die Behauptung dass noch nie eine Armee in der Weltgeschichte so eine geringe Verlustrate bei der Kriegführung hatte.

  5. Nichtglauber Says:

    @aron
    in der Sache (bis auf den letzten Absatz) gebe ich dir recht, aber der Bezug zu diesem Thema fehlt mir vollends.

    @besucher
    Wahrlich ein Kunststück dieser grandiosen Militärs. Wochenlang einen „Krieg“ durch die Luftwaffe und der Bildung von Bombenteppichen über Städten und Dörfern vorzubereiten, ist eine historische Heldentat, die jetzt schon von uns allen pathetisch besungen wird. Auch der ferngesteuerte Drohneneinsatz mit all seinen „Fehlliquidationen“ taugt überragend zur Legendenbildung.

    • aron2201sperber Says:

      in Libyen wurde durch diese Art von Kriegsführung ein langer, verworrener, blutiger Bürgerkrieg verhindert.

      auch in Irak und Afghanistan starben wesentlich mehr Menschen durch Terror als durch die westlichen Militäroperationen.

      und selbst wenn man den Terror als Folge der westlichen Intervention ansieht, so sollte man beachten wie es unter Saddam und in Afghanistan vorher zuging.

      sowohl unter den Taliban als auch unter Saddam gab es zwar keinen Terrorismus, dafür war die Staatsmacht selbst auf purem und permanentem Terror gestützt.

      ganz nebenbei hatte Saddam einen Krieg geführt, der mehr Menschenleben kostete, als sämtliche US-Interventionen der letzten 30 Jahre

      (siehe oben)

      • besucher Says:

        Bei der Prognose für Libyen bin ich vorsichtig weil ich nicht weiß wie die momentane Sicherheitslage dort ist.

    • besucher Says:

      Ich glaube sie sind eher so der Typ der auf Häuserkampf und offene Feldschlacht steht (ohne Luftschläge).
      Das dabei mehr Soldaten und Zivilisten umkommen sollte eigentlich bekannt sein. Zumal in arabischen Ländern gewisse Milizen und Einheiten sich gern hinter Frau+Kind verschanzen.

  6. Kewil und Augstein im gleichen Chor | Aron Sperber Says:

    […] wäre, hätte er wahrscheinlich ebenfalls den USA die Schuld dafür zugewiesen, obwohl Saddam ein Bastard der Sowjets […]

  7. Augsteins Bastard | Aron Sperber Says:

    […] versuchten Demokratisierung des Nahen Ostens zu gehen, hätte man einfach Saddam wieder zum “eigenen Bastard” machen können, der sicher wieder gern die Drecksarbeit für die USA erledigt […]

  8. Die linke Moral der Schadenfreude | Aron Sperber Says:

    […] der Region wird man leider wohl noch lange mit Bastards wie Assad oder den Sauds leben […]

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