Moralische und strategische Fehler des Westens

Arprin geht der Frage nach, ob es eine Alternative zum Einsatz der Atombomben gegen Japan gab.

Ich sehe es mittlerweile ähnlich wie Arprin, auch wenn es aus damaliger Sicht verständlich war, dass man nach den verlustreichen Kriegsjahren keine eigenen Soldaten mehr opfern wollte.

Doch auch abgesehen von der moralischen Frage des Atombombeneinsatzes gegen die japanische Zivilbevölkerung gibt es gute Gründe, die amerikanische Politik in Ostasien nach dem Sieg gegen Hitler-Deutschland kritisch zu hinterfragen.

Es ist unglaublich, wie naiv man gegenüber der Bedrohung durch Stalins Schützling Mao war.

Dass man Mao gewähren ließ, ja sogar aktiv vor Tschiang Kai Schek schützte, kann ich mir nur mit dem schlechten Gewissen des Westens wegen des spanischen Bürgerkriegs erklären.

Dabei hatten sich sowohl die Sowjets als auch Mao bei der Bekämpfung des japanischen Faschismus nobel zurückgehalten und die Kriegslast den Amerikanern und Tschiang Kai Schek überlassen.

Hätte man Mao von der Macht ferngehalten, hätte man sich möglicherweise sowohl den Korea-Krieg als auch den Vietnam-Krieg ersparen können.

…und nebenbei Millionen Chinesen das Leben gerettet.

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20 Antworten to “Moralische und strategische Fehler des Westens”

  1. zrwd Says:

    mein lieber chinesischer Freund (Opfer des Kommunismus) sieht das ganz anders. Er meint, Hiroshima und Nagasaki wären angesichts des mörderischen japanischen Imperialismus sozusagen alternativlos gewesen.

    Ich sehe das übrigens genau so und Mao ins Kalkül gegen die notwendigen Atombomben einzubeziehen, halte ich für deplaziert. sorry.

    • aron2201sperber Says:

      ich kann gut verstehen, dass man die Möglichkeit, den Krieg ohne weitere eigene Opfer beenden zu können, nutzte.

      wäre ich ein amerikanischer oder chinesischer Vater mit Kindern im Krieg gewesen, hätte ich wohl auch keine Zweifel über die Reichtigkeit gehabt.

      insofern kann ich deinen chinesischen Freund gut verstehen.

      die Amerikaner sind mit den Besiegten später korrekt umgegegangen, weshalb der Antiamerikanismus trotz Atombomben schwächer ist als in vielen anderen Ländern.

      was ich nicht ganz verstehen kann, ist der Umstand, dass man Stalin erlaubte bis Kriegsende einen Nichtangriffspakt mit den Japanern einzuhalten und danach trotzdem nicht Tschiang Kwei Schek unterstützte, sondern Mao, der ebenfalls nicht zum Kampf gegen den japanischen Imperialismus beigetragen hatte, ermöglichte, China als Beute einzusacken.

  2. Simon Says:

    Die Zeit direkt nach dem 2. Weltkrieg war eine Zeit auf der die Idee des Kommunismus auch im Westen ein hohes Ansehen genoss. Die Verbrechen Stalins und Lenins waren noch kaum bekannt. Darüber hinaus stand die Sowjetunion wegen ihres Kampfes gegen Hitler im guten Licht. Der Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit hatte noch nicht eingesetzt und Westeuropa war im Chaos.

    Nicht nur in China auch in Ostmitteleuropa konnte die Sowjetunion de facto Staaten wie Polen oder die Tschechoslowakei annektieren.
    Erst in den 50er Jahren wurde dann die Bedrohung wahrgenommen.

    • aron2201sperber Says:

      im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer – das ist mir wohl bewußt.

      Hinzu kommt, dass die Kommunisten immer schon hervorragende Propagandisten waren, und es genug Westler gab, die empfänglich für ihre Propaganda waren:

      http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar_Snow

      dass man sich mit Stalin gegen den noch größeren Banditen verbunden musste, kann ich verstehen.

      dass man nach dem zweiten Weltkrieg darauf verzichtet hat, eindringlich darauf hinzuweisen, dass Stalin 1939 gemeinsam mit Hitler Polen überfallen hatte und bis 1941 einen Pakt mit Hitler hatte, verstehe ich hingegen nicht.

      zumal es sich dabei nicht um Propaganda, sondern um eine historisch unleugbare Tatsache handelt

  3. Simon Says:

    Ich stelle mir seit längerem die Frage wie und ob der Vietnamkrieg zu verhindern gewesen wäre. Der Krieg wurde ja von den Amerikanern im Wesentlichen auch damit erklärt, dass verhindert werden sollte dass auch andere Staaten (Thailand) kommunistisch waren. Auf der anderen Seite hat wohl kaum ein Krieg den Amerikanern in der Außenwirkung so geschadet.
    Möglicherweise hätte man die Südvietnamesen mehr finanziell unterstützen müssen.

    • aron2201sperber Says:

      hätte man den Franzosen nicht ihre Kolonie zurückgegeben, hätte man den Kommunisten nicht die Möglichkeit gegeben, sich als antikoloniale Freiheitskämpfer zu profilieren.

      wäre Vietnam gleich unabhängig geworden, wäre die kommunistische Option (wie in Japan oder Korea) wohl weniger attraktiv gewesen.

      dass die USA Südvietnam wegen einer falsch informierten, pseudo-prophetischen „Öffentlichen Meinung“ einfach hängen ließen, ist auch ein trauriges Kapitel der westlichen Geschichte:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2010/01/29/self-fulfilling-prophecy/

    • Alreech Says:

      Der Vietnamkrieg war von Anfang an ein Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südvietnam.

      Um da nicht mit rein gezogen zu werden, hätten die USA niemals ein Bündnis mit Südvietnam eingehen dürfen.
      Die Südvietnamesen noch mehr finanzielle zu unterstützen hätte auch an der Aussenwirkung nichts geändert, es hätte trotzdem Bilder gegeben in denen ein Südvietnamese einen Gefangenen erschießt oder auf denen die Opfer eines Südvietnamesischen Napalmangriff schreiend davon laufen.

      Die Jugend im Westen und die Medien wären trotz der finanziellen Unterstützung auf Seiten des Vietnamesischen Volkes gewesen, nicht auf der Seite der Südvietnamesen die nicht unter der Herrschaft der Vietmin leben wollten.

      Südvietnam nicht zu unterstützen hätte allerdings eine Aussenwirkung auf Staaten wie die BRD, Taiwan oder Südkorea gehabt – wenn die USA nicht bereit ist Südvietnam im Kampf gegen die Vietcong zu unterstützen, wäre auch das Bündnisversprechen ihnen gegenüber ziemlich haltlos.
      Wer weis, vielleicht wäre hätte es dann die Deutsche, Chinesische und Koreanische Wiedervereinigung schon früher gegeben ? 😉

  4. arprin Says:

    Nochmal ein Stament dazu:

    Es gibt zwei Gründe, warum der Atombombeneinsatz als gerechtfertigt angesehen wird.

    1. Das moralische Argument: „Wenn der Feind mit totalem Krieg droht, dann darf man auch mit einem totalen Krieg antworten.“ Diese „Kriegsphilosophie“ wird z.B. im Feuerbringer-Blog vertreten. Für mich ist es so, wie ich es im Artikel auch deutlich gemacht habe, dass man die kollektivistische Einstellung des Gegners nicht kopieren darf. Angriffe auf die Zivilbevölkerung sind im jeden Fall zu verurteilen. Wenn sich der Feind hinter der Ziviilbevölkerung versteckt, muss man trotzdem versuchen, zumindest so wenig Zivilisten wie mögich zu töten. Die IDf z.B. warnt die Bewohner von Gaza vor jedem Luftangriff.

    Ich habe auch in folgendem Artikel meine Ansicht verkündet, dass eine Regierung das Recht hat, Terroristen zu bekämpfen, aber dass sie dabei keine Kriegsverbrechen begehen oder die Zivilbevölkerung in Kollektivhaft nehmen darf (wie es z.B. die Kurden, Tamilen und Tschetschenen erlebt haben)
    http://arprin.wordpress.com/2012/07/30/terroristen-oder-widerstandskampfer/

    2. Die strategische Sichtweise: „Es war in Ordnung, weil der Krieg damit schneller beendet wurde.“
    Ich tue mich mit diesem Argument schwer. Der Krieg in Vietnam wäre wohl auch schneller und erfolgreicher beendet gewesen, wenn man eine Atombombe auf Nordvietnam geworfen hätte. Israel könnte der Hamas theoretisch auch sagen: Entweder ihr erkennt unser Existenzrecht an oder wir werfen eine Atombombe über Khan Yunis ab.

    Im Grunde geht die strategische Sichtweise ja davon aus: Wir töten so viele Zivilisten, dass der Feind vor Schreck kapituliert. Wo liegt dann eigentlich der Unterschied zwischen 200 My Lai-Massakern und dem Atombombenabwurf in Hiroshima? Ok, man sagen, dass die Atombombe schneller tötet, aber ansonsten gibt es eigentlich keinen Unterschied zwischen der Vorgehensweise und dem Ergebnis: Man tötet so viele Zivilisten, dass man darauf hofft, dass der Gegner vor Schreck und Angst vor baldiger Vernichtung bei Fortsetzung des Krieges kapituliert (im Grunde war das ja z.B. die Vorgehensweise der sri-lankischen Regierung, als sie im Kampf gegen die Tamil Tigers 40.000 Tamilen umbrachte). Aber wenn die Amerikaner den Krieg in Nordvietnam mit 200 My Lai-Massakern gewonnen hätten, würden die Täter heute als Kriegsverbrecher gelten.

    Man stelle sich mal vor, dass der Feind irrational wäre und den Krieg trotzdem weiterführt, solange sie noch Waffen haben (das haben die Japaner ja eigentlich getan: Der militärisch unnötige Luftangriff auf Tokyo fünf Monate zuvor kostete mehr Opfer als Hiroshima und sie haben trotzdem nicht kapituliert). Dann hat man völlig umsonst Hunderttausende Zivilisten umgebracht, vielleicht sogar ein ganzes Volk.

    Ich habe nicht gesagt, dass ich einen Atombombeneinsatz grundsätzlich ablehne. Ich bin kein Pazifikkriegsexperte und weiß deshalb nicht, ob es noch ein bedeutendes nicht-ziviles, militärisches Ziel gab, deswegen ist meine Meinung dazu nicht unveränderlich.

    Vielleicht wird zumindest meine Intention für die Kritiker dieses Artikels etwas deutlicher.

  5. American Viewer Says:

    Doch auch abgesehen von der moralischen Frage des Atombombeneinsatzes gegen die japanische Zivilbevölkerung gibt es gute Gründe, die amerikanische Politik in Ostasien nach dem Sieg gegen Hitler-Deutschland kritisch zu hinterfragen. Es ist unglaublich, wie naiv man gegenüber der Bedrohung durch Stalins Schützling Mao war.

    So etwas Ähnliches habe ich auch vor ein paar Tagen gedacht. Die Atombomben waren kein Fehler. Es war ein Fehler Stalin so früh zu helfen. Dann war es ein noch größerer Fehler nach dem Sieg über Hitler nicht auch Stalin zu entfernen wie Patton das vorhatte. Allen (!) Staaten hinter dem eisernen Vorhang könnte es heute gehen wie Deutschland, Südkorea und Japan. Das gleiche gilt für China. Ganz China könnte wie Taiwan sein, hätte man Mao entfernt.

    Hätte man Mao von der Macht ferngehalten, hätte man sich möglicherweise sowohl den Korea-Krieg als auch den Vietnam-Krieg ersparen können.

    Den Korea-Krieg ja. Um Ho Chi Minh zu verhindern, muss man aber Stalin beseitigen, nicht Mao. Chinesen und Vietnamesen können sich seit Jahrtausenden nicht besonders gut leiden. Um nicht zu sagen, sie hassen sich wie die Pest. Das macht die 68er, die Mao-Bibel-schwingend „Ho, Ho, Ho Chi Minh“ riefen, ja so lustig.

    Eine Atombombe auf Paris zur rechten Zeit wäre auch eine Alternative gewesen. Wer weiß man hätte vielleicht Ho Chi Minh und Khomeini auf einen Schlag erwischt. Und Vietnam wäre auch frei gewesen, da keine dumme Kolonialmacht mehr, die sowieso nie einen Krieg gewinnt.

  6. Olaf Says:

    Bei den Bombenangriffen der Alliierten auf deutsche Städte sind mehr Menschen getötet worden als in Hiroshima und Nagasaki, wie Jörg Friedrich so richtig feststellt.
    Das wär auch einen Artikel wert, das ist ja ein regelrechtes Tabu.

  7. Olaf Says:

    Na ja, der Tenor des Zeitgeistes ist ja eher: Ich will ein Kind von Bomber Harris, rufen Sophie-Charlotte und sogar Torben-Titus lustvoll unter den schwarzen AntifaHJ Kapuzen.

    Auch die Zahlen des zweiten links bezweifle ich, hab mal zufällig über die Bombardierung der Kleinstadt Swinemünde gelesen und es ist just die selbe Zahl wie in Dresden.

  8. Die Illusion der Wahl Says:

    Vorsicht Kriegslügen – Beispiel Korea 1950 – YouTube

    Die USA waren und sind ein gewalttätiges Land. Und sie haben seit 1945 mehr als hundert Kriege geführt.

    Geschichte wird von den Siegern geschrieben, wie das Korea-Filmchen zeigt. Außer Acht gelassen beim Vietnam-Krieg wird der geheime CIA-Krieg in Laos, die größte Militäroperation der CIA und bis heute nicht wirklich beendet.

    Zitat zweitausendeins: „Zwischen 1964 und 1973 bombardieren die USA „das Land der Millionen Elefanten“ rund um die Uhr, in 580.000 Flügen (mehr als in Vietnam) werden 2,1 Millionen Tonnen Bomben auf Laos geworfen. Das ist durchschnittlich alle 8 Minuten eine Bombe, 24 Stunden täglich, neun Jahre lang. Das sind mehr Bomben, als auf Deutschland und Japan zusammen während des ganzen Zweiten Weltkriegs niedergingen. Ein Großteil des Landes wird mit Millionen Blindgängern und vom Entlaubungsmittel „Agent Orange“ verseucht.“

    Wir hätten auf den verstorbenen Chefredakteur des Stern, Rolf Winter, hören können und sollen: Ami go home! Und die Freidensbewegung war davon erfaßt, nur daß Einflußagenten eingeschleust waren: Daniel Cohn-Bendit, Joschka Fischer, der die Strömung nutzte für elitäre Zwecke und ihr damit den Todesstoß versetzt hat.
    Man lese zu diesem Zweck mal seine Vita auf Wikipedia. Abgebrochene Schule, abgebrochene Lehre, nur zum Personenbeförderungsschein hat’s gelant. Und sowas macht steile Karriere im Staatsdienst? Wer’s glaubt.

    Auch die deutsche Geschichte ist eine der Sieger. Und praktisch haben sich die Bimbes-Politiker und Industriellen wieder mit demselben Moment an die Macht geputscht wie in der Weimarer Zeit, mit dem Verscherbeln von Hoheitsrechten und Ermächtigungsgesetzen. Damit nämlich hölte die geschmierte Politik seit 1914 die Verfassung aus, und obwohl die Vorgänge der Weimarer Verfassung widersprachen, stimmte das Staatsrecht zu. Wie das BVerfG.

    Wir kommen aus der Lügerei einfach nicht raus. Und deshalb lavieren wir uns immer tiefer in dei Scheiße.

    • aron2201sperber Says:

      ja, die Geschichte wird von Siegern geschrieben.

      dass die Sowjetunion den Polen halb Deutschland gegeben hat und sich die baltischen Staaten etc. einverleibt hatte, ist so eine Geschichte

      was übrigens die einzige Möglichkeit war, die Polen, die man zuvor aufs schlimmste terrorisiert hatte, der Sowjetunion gegenüber loyal zu machen.

      aber stattdessen zeigt man auf die USA, die Südkorea vor der Eroberung durch die kommunistische Dikatur gerettet hatte.

      Südvietnam hatte leider nicht so viel Glück, da es den Linken gut gelungen war, die Moral der USA zu untergraben.

      als der Abzug 1972 vollendet war, hatten die Aggressoren aus Nordvietnam endlich freie Bahn

  9. Die Illusion der Wahl Says:

    Korea-Film

  10. (Digitaler) Mensch des Jahres | Aron Sperber Says:

    […] war er jedoch nur der Handlanger eines miesen Systems, das durch seinen Verrat die Möglichkeit erhielt, rechtzeitig die Waffen zu beschaffen, die es […]

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