Archive for August 2012

Russisch Orthodoxe Pharisäer

August 18, 2012

Menschen, die ihre Religion ernstnahmen und sich aus Gewissensgründen gegen die sowjetische Diktatur stellten, wurden gnadenlos verfolgt.

Als sich das Sowjet-Imperium durch einen polnischen Papst bedroht fühlte, versuchte man ihn kurzerhand ermorden zu lassen.

Putin war als KGB-Offizier Teil jenes repressiven Systems.

Die marxistische Ideologie, die als Rechtfertigung für die Verfolgung von überzeugten Christen als „reaktionäre Klassenfeinde“ gedient hatte, wurde zwar mittlerweile entsorgt.

Stattdessen werden jetzt von Putin ausgerechnet „religiöse Gefühle“ zur Rechtfertigung weiterer Repressionen gegen Oppositionelle herangezogen.

Eine Kirche, die sich jene Vereinnahmung durch einen KGB-Mann gefallen lässt, hat jedoch nichts mit Christentum zu tun.

Sie erinnert mehr an die Pharisäer, die sich vor Jesus, der im Tempel ihre Macht herausgefordert hatte, von den Römern schützen ließen.

FC Stronach : FC Berlusconi

August 14, 2012

Angesichts der ähnlichen Werdegänge:

Unternehmer – Fußballclubpräsident – Politiker

drägt sich bei Stronach der Vergleich zu Berlusconi auf.

Als Unternehmer mag Stronach ähnlichen Erfolg wie Berlusconi gehabt haben.

Als Fußball-Präsident war Stronach ein Totalversager, während Berlusconi ein goldenes Händchen hatte, was wohl selbst seine größten politischen Feinde nicht bestreiten würden.

Berlusconi setzte auf Kontinuität und ließ seinen Trainer Arrigo Sacchi genug Zeit, eine Mannschaft aus jungen Talenten zu einer eingespielten Truppe zu formen, die er dann mit 3 Holländern veredelte.

Von den späten 80er Jahren bis zur Mitte der 90er Jahre war der AC Milan wohl der beste Club der Welt.

Dabei schob sich Berlusconi nicht in den Vordergrund, sondern ließ den AC Milan den AC Milan sein, statt einen FC Berlusconi schaffen zu wollen.

Wie man einen Fussballclub führt, sagt zwar nicht unbedingt etwas über das politische Talent aus.

Ein Fußball-Club mit Funktionären, Mitgliedern und Fans lässt sich jedoch eher mit der Politik vergleichen als ein gewöhnliches Unternehmen.

Wenn man sich als Chef eines Fußball-Clubs derartig patschert anstellt wie Stronach, der sich stets die miesesten Einflüsterer aussuchte, immer nur im Rampenlicht stehen wollte, sich jedoch bei den Fans  gleichzeitig total unbeliebt machte, spricht das nicht unbedingt für sein politisches Geschick.

Gelassene Atomhysteriker

August 12, 2012

Der Iran liegt wie Japan in einem Erdbebengebiet und ist gerade dabei, ein (angeblich friedliches) Atomprogramm aufzuziehen.

Trotzdem hält sich die sonst übliche Hysterie der Atomkraftgegner in Grenzen.

Woher kommt jene Gelassenheit? 

Atomkraftgegner sind gleichzeitig auch große Friedensexperten.

Beim iranischen Programm gehe es eben nicht um die verwerfliche Atomnutzung, sondern um eine Atombombe für den Frieden.

Putins deutsche Pussy

August 11, 2012

Als westdeutscher Altkommunist hatte Jürgen Elsässer die Sowjets dafür bewundert, wie sie mit reaktionären Pfaffen, die aus kleinbürgerlichen religiösen Gewissensgründen Widerstand gegen den Sozialismus zu leisten wagten, umzuspringen pflegten.

Heute bewundert er Putins Kampf gegen die Kränkung religiöser Gefühle:

Punk-Gören und Muschi-Imperialisten

Es spricht für den russischen Staat, dass er – anders als der deutsche – nicht zulässt, dass die religiösen Wurzeln der eigenen Nation in den Schmutz gezogen werden. Deswegen ist das Verfahren richtig, und sie sollen ruhig auch zu drei Jahren Haft verurteilt werden.

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2012/08/10/fuck-off-pussy-riot/

Als Jünger einer Ersatzreligion (früher „Kommunismus“ – heute „Antiimperialismus„) kann Elsässer natürlich nachempfinden, was es bedeutet, wenn man in seinen ersatzreligiösen Gefühlen gekränkt wird.

Wie es um die Gefühle von Eltern steht, die ihre eigenen Kinder bei einer Tragödie verlieren, kann der kinderlose Ex-Lehrer hingegen nicht nachvollziehen.

Als in Deutschland 19 junge Menschen bei der Love Parade ums Leben kamen, fand er es nicht unangemessen, darüber Zoten zu reißen:

„Sex and Drugs and Tunnel Roll : 19 Tote in Duisburg“

Ebensowenig kümmern den ewigen Revolutionär die Gefühle von Eltern, deren Kinder dafür verfolgt werden, dass sie mit jugendlicher Unbekümmertheit gegen ein repressives System revoluzzern:

Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.

http://juergenelsaesser.wordpress.com/2009/06/15/gluckwunsch-ahmadinedschad/

Schließlich hatte er selbst immer nur für und nie gegen ein repressives System revoluzzert.

Sikh und Sheikh vs. Loughner und Tea Party

August 9, 2012

Wenn Romney Sikh und Sheikh verwechselt, wird beim Spiegel gleich groß gefeixt.

Die eigenen „Verwechslungen“ sind hingen nicht der Rede wert und brauchen daher auch nach Jahren nicht korrigiert zu werden:

(SpOn Stand: 8. August 2012 – gefunden bei American Viewer)

Moralische und strategische Fehler des Westens

August 9, 2012

Arprin geht der Frage nach, ob es eine Alternative zum Einsatz der Atombomben gegen Japan gab.

Ich sehe es mittlerweile ähnlich wie Arprin, auch wenn es aus damaliger Sicht verständlich war, dass man nach den verlustreichen Kriegsjahren keine eigenen Soldaten mehr opfern wollte.

Doch auch abgesehen von der moralischen Frage des Atombombeneinsatzes gegen die japanische Zivilbevölkerung gibt es gute Gründe, die amerikanische Politik in Ostasien nach dem Sieg gegen Hitler-Deutschland kritisch zu hinterfragen.

Es ist unglaublich, wie naiv man gegenüber der Bedrohung durch Stalins Schützling Mao war.

Dass man Mao gewähren ließ, ja sogar aktiv vor Tschiang Kai Schek schützte, kann ich mir nur mit dem schlechten Gewissen des Westens wegen des spanischen Bürgerkriegs erklären.

Dabei hatten sich sowohl die Sowjets als auch Mao bei der Bekämpfung des japanischen Faschismus nobel zurückgehalten und die Kriegslast den Amerikanern und Tschiang Kai Schek überlassen.

Hätte man Mao von der Macht ferngehalten, hätte man sich möglicherweise sowohl den Korea-Krieg als auch den Vietnam-Krieg ersparen können.

…und nebenbei Millionen Chinesen das Leben gerettet.

Die „Terrorismus-Lügen“ der Stasi

August 7, 2012

Über Italiens „Bleierne Jahre“ hatte Frau Igel noch ein recht unausgegorenes Frühwerk verfasst, in dem sie die Mythen der italienischen Linken über „Gladio“ und die „Strategie der Spannung“ rezitierte.

Je mehr sie sich jedoch ernsthaft – vor allem durch eigene Recherchen in Deutschland – mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, desto mehr kam auch sie zur Erkenntnis, dass eine „Strategie der Spannung“ wohl eher von östlichen als von westlichen Geheimdiensten betrieben wurde.

Auch bei Willi Winkler konnte man eine ähnliche Entwicklung beobachten.

Diese Entwicklung wird noch weitergehen.

Dass der Märtyrer der 68er Bewegung  durch einen Stasi-Agent ermordet worden war, wurde bislang nur vom Historiker Peter Horvath in einem Buch aufgearbeitet.

Irgendwann werden auch Igel und Winkler nicht darum herum kommen, sich diesem für 68er besonders schmerzhaften Thema zu stellen.

Heute hält Frau Igel in Berlin eine Lesung zu ihrem neuen Buch.

Mit einem der Kapitel: „Die Legenden um Carlos und seine deutschen Mitarbeiter“ (Seite 97 – 117) habe ich mich selbst ausführlich auseinandergesetzt.

Ich habe den italienischen Autor Gabriele Paradisi, der durch seine Recherchen das Alibi des Carlos-Mann Thomas Kram zum Einsturz brachte, auf ein Buch von Schmaldienst/Matschke „Carlos-Komplize Weinrich“ aufmerksam gemacht und für ihn einige Stellen ins Italienische übersetzt.

Ein persönliches Gespräch mit Frau Igel zu diesem Kapitel hätte mich daher sehr interessiert.

Vielleicht kommt sie ja auch mal nach Wien?

„He’s a bastard, but he’s our bastard.“

August 5, 2012

Ortner weist (völlig zu Recht) daraufhin, dass die Rebellen durch die westliche Realpolitik erst recht unter den Einfluss von islamistischen Extremisten geraten.

Sollte der Westen also besser Assad unterstützen, weil vielleicht etwas Schlimmeres nachfolgen könnte?

In jenem Fall würde man den Westen wiederum dafür anprangern, aus Opportunismus einen Saddam zu fördern.

Saddam war wie Assad eine miese Kreatur der Sowjetunion.

Den Golfkrieg hatte er mit sowjetischer Bewaffnung begonnen, auch wenn heute von allen möglichen Welterklärern die USA dafür verantwortlich gemacht wird.

Saddam hatte das Pech, gegen einen Gegner mit überlegener amerikanischer Bewaffnung kämpfen zu müssen.

Dass der Westen einem Bastard der Sowjets am Ende aus realpolitischen Gründen den Arsch retten musste, machte Saddam plötzlich zu „unserem Bastard“.

Bevorzugte Untertanen

August 1, 2012

2002 verabschiedete die Knesset eine Neuregelung der Wehrpflicht gemäß einer Studie des Richters Zvi Tal, die 1999 in Auftrag gegeben worden war. Das oberste Gericht entschied, dass dieses „Tal-Gesetz“ keine Gleichberechtigung für alle Bürger gewährt und deshalb verfassungswidrig ist.

Staatsgründer David Ben Gurion hatte beschlossen, die ultraorthodoxen Juden vom Wehrdienst zu befreien. Damals gab es nur ein paar tausend Ultraorthodoxe in Israel. Ben Gurion argumentierte damals, dass jene frommen Juden durch ihre Lebensweise und das Thorastudium die Identität des Judentums über die Jahrhunderte bewahrt hätten.

Inzwischen stieg die Zahl der traditionell kinderreichen Orthodoxen allerdings auf gut 15 Prozent der Bevölkerung. Seit einigen Jahren gibt es deshalb Bemühungen, auch Orthodoxe in den Militärdienst einzubinden.

Die orthodoxe Sonderbehandlung würde sich mit jeder freiheitlichen Verfassung beißen.

Solange es nur ein paar Sonderlinge betraf, die sich noch dazu gewisse historische Verdienste anrechnen lassen konnten, brauchte man die Ungleichbehandlung nicht zu problematisieren.

Wenn so eine Gruppe jedoch wächst, kommt ein Verfassungsstaat nicht darum herum, sein Verhältnis zu den mit Vorzug behandelten Untertanen zu klären.

In einem Verfassungsstaat sollte es nämlich grundsätzlich keine Untertanen geben, sondern nur gleichberechtigte Bürger.