„Das Sein prägt das Bewusstsein“

Auch Putin und die chinesische Führungsriege werden oft in verschiedenen Foren verteidigt (z.b. Spon, Zeit-Online).

Ob das aus Antiamerikanismus aus dem allgemeinen Linksdrall in den meisten Foren oder aus der speziellen Zusammensetzung der Kommentierenden kommt weiß ich nicht.

Kennst du oder jemand anders irgendeine Untersuchung wie sich die Gruppe von Forumbesuchern von der Gesamtbevölkerung unterscheidet?

(Fred)

Meine („marxistische“) Theorie dazu:

Die geisteswissenschaftlichen Fakultäten sind linke Hochburgen. Jobs für Publizistik-Absolventen gibt es allerdings naturgemäß nur wenige.

Die marxistischen Professoren, die von den Studenten leben, stört dies jedoch nicht: Bleiben die Absolventen ohne Job, bleiben sie auch gute Marxisten. Die antiwestliche Haltung wird durch die persönliche Situation bestätigt und bestärkt.

Für die Situation als “Generation Praktikum” wird natürlich nicht die eigene Entscheidung verantwortlich gemacht, sondern – wie man es auf der Uni gelernt hat – der Kapitalismus, der Neoliberalismus und der ausbeuterische Westen.

Den Frust müssen sich die gelernten Publizisten statt in bezahlten Journalisten-Jobs in diversen Foren von der Seele schreiben.

8 Antworten to “„Das Sein prägt das Bewusstsein“”

  1. Fred Says:

    Die These dass die meisten Geisteswissenschaftler links sind der sich stimme ich sofort zu. Das sie ihre eigene prekäre Beschäftigungslage fälschlich auf eine böse Verschwörung der Kapitalisten zurückführen anstatt darauf dass es einfach keinen großen Bedarf an ihnen gibt auch.

    Aber denkst du dass die Foristen zu 100% Geisteswissenschaftler sind? Ich glaube da sind einfach sehr viele Frustrierte, Quertreiber und ähnliche dabei. Unser System machen sie für ihr Übel verantwortlich und gleichzeitig malen sie sich die autoritären sozialistischen System als Utopien aus.

    • aron2201sperber Says:

      natürlich sind nicht alle antiwestlichen Foristen arbeitslose Publizisten

      viele sind Lehrer, Pensionisten, die – wie wir auch – die Möglichkeiten nutzen, ihre Meinung im Internet kundzutun.

      manche davon sind Altnazis, die dem Westen die Niederlage nie verziehen haben, und nun mit einem modernen Medium die Mögichkeit bekommen, auf einmal sogar „moderne Ansichten“, die sich micht den Ansichten der linken Enken decken, zu vertreten.

      viele sind wohl nur – wie Broder es ausgedrückt hat – Deutsche, die den Juden Auschwitz nie verziehen haben.

      aber ein großer Teil kommt wohl tatsächlich aus dem 68er System, das sich an gewissen Hochschulen bis heute gehalten hat, und den oben beschriebenen Foristen-Typ produziert

  2. American Viewer Says:

    10/10.

    Genau so sehe ich das auch.

    Krugman hat mich kürzlich daran erinnert als er von struktureller Arbeitslosigkeit sprach, die es nicht gäbe. Natürlich darf es die bei Krugman nicht geben. Damit würde er ja zugeben, dass Horden seiner linken Studenten das Falsche lernen.

  3. Paul Says:

    Manche sagen: „Das Sein prägt das Bewußtsein.“
    Andere sagen: „Der Schein prägt das Bewußtsein.“

    Ich sage: „Bei dem Einen ist es so und bei dem Anderen so.“

    Es wird wohl von Beidem ein wenig sein?

    Jedenfalls versuche ich mein Bewußtsein selber zu prägen.

    Gehört Glaube auch zum Bewußtsein?

    Jedenfalls hat der Artikel mich angeregt bei Wiki über „Bewußtsein“ nachzulesen.
    Sehr interessant.
    Ich passe meinen Kommentar aber nicht an das Gelesene an.

  4. zrwd Says:

    Man sollte nicht vergessen, dass die Genoss_innen aus der Ex-DDR zumeist arbeitslos sind, viel Zeit haben und systematisch politische Foren bearbeiten.

    • Alreech Says:

      Nö, das gab es schon vor dem Fall der DDR.

      Der Arbeiter in der BRD war weit weniger Links als die meisten Kinder des Bildungsbürgertums die auf Staatskosten studierten.
      Und trotz aller Solidarität, die wenigsten Linken Studenten träumen davon nach dem Sieg der Revolution Arbeiter zu werden.

      Beides hat ziemlich schnell dazu geführt das sich die Linken in Deutschland neue Gruppen für ihre Solidarität gesucht haben.
      Ein Vietnamese mit dem man im antiimperialistischen Klassenkampf solidarisch ist entäuscht auch nicht so sehr, wie ein Arbeiter der einem die eigenen Privilegien vorhält.

  5. aron2201sperber Says:

    Beim Berufswunsch „Starjournalist“ ist es ähnlich wie beim „Popstar“.

    Auf den ersten Blick erscheint es anstrengender, ein Medizin- oder Ingenieurs-Studium durchzudrücken. In Wahrheit ist es jedoch wesentlich leichter, ein Arzt zu werden als vom Singen oder Schreiben seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

    Von den Nachwuchs-„Gangsta-Rappern“ schaffen es 1 % als Rapper zu reüssieren, ein großer Teil endet als Gangsta.

    Obwohl viele davon vielleicht das Zeug zum ordentlichen Facharbeiter, Anwalt, Unternehmer oder Arzt gehabt hätten.

    Ich bin überzeugt, dass der Karriere-Wunsch „Gangsta-Rapper“ in den USA wesentlich mehr schwarze Karrieren zerstört hat als der beklagte „institutionelle Rassismus“.

    Gescheiterte Rapper sind jedoch – im Gegensatz zu gescheiterten Publizisten – nicht weinerlich und suchen die Schuld nicht bei jemandem anderen.

    Der Vorwurf, dass der „institutionelle Rassismus“ an ihrem Scheitern schuld sei, wird stattdessen von elitären, zumeist weißen, zumeist gescheiterten Akademikern vertreten, die auch gerne für alle anderen Opfer des Systems ungefragt die Vormundschaft übernehmen.

  6. Thomas Holm Says:

    Die Liebdienerei in Politik und Wirtschaft gegenüber Russland kann man ja als Frucht eines etwas zu knapp aufgeklärten Selbstinteresse halbwegs verstehen – ohne sie zu billigen.

    Aber wo kommt diese gespenstische Repressionsbegeisterung pro Putin/Assad/SchurkeX in den Foren her; ist das nicht eine antiwestliche Gemeindebildung aus der Mitte der Gesellschaft, die noch keinem traditionellen Störungsmelder so recht aufgefallen ist ?

    Erklärungsversuche nebst weiterführender Fragen* bei:

    http://blog.zeit.de/joerglau/2012/10/10/putins-russland-ist-kein-partner_5751/comment-page-3#comments

    *mit dem geschmacklichen Höhepunkt in der Nachfrage, ob der Fragesteller ein russisches Vergewaltigungskind sei.

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