Wie Internet-Legenden entstehen

Herzfehler, Gehirn-Fehlfunktionen, Missbildungen von Körperteilen: Eine jetzt veröffentlichte Studie der University of Michigan`s School of Public Health in den USA hat eruiert, dass seit Beginn des Irak-Krieges die Zahl an Geburtsfehlern enorm zugenommen habe. Dies berichtet das britische Blatt Independent.

Im Zuge der jüngsten Untersuchungen wurde nun eruiert, dass im Verlauf der vergangenen sieben Jahre die Zahl missgebildeter Kinder um 60 Prozent gestiegen sei. Es sei somit der „zwingende Beweis“ erbracht worden, dass militärische Angriffe dafür mitverantwortlich seien, wird Mozhgan Savabieasfahani, eine der Studienautoren, im Independent zitiert.

Der Kurier, Österreichs erfolgreichste „Qualitätszeitung“, hat es also vom „Independent“.

Der „Independent“ hat es wiederum von einer Studie der University of Michigan.

Bei so einer dichten Faktenlage verzichten unsere Star-Journalisten auf eigene Recherchen:

z.B. ob die University of Michigan etwas von der Studie ihrer angeblichen Mitarbeiterin Mozhgan Savabieasfahani etwas weiß?

z.B. unter welchen Umständen die Dame zu ihren Ergebnissen kam?

Letter about the use and mis-use of science in fiels that are „politically sensitive“

I am one of the many people that has enough in formation to believe that there may be a long term damage on reproductive health, among other diseases, due to wars in the recent times. This is why, on behalf of the little power that well done science might have towards the solution of the health problems and for the pursue of truth for a wide region, I am here stigmatizing its misuse, in a case of which I know precisely the circumstances.

I was prompted to write this letter after reading a paper published by M. Al-Sabbak et al, in Bull Environ Contam Toxicol (2012) 89:937–944 16 September 2012 and the article on the Independent by Sarah Morrison on Sunday, 14 October 2012, which alerted me about the paper.

Prof. Paola Manduca, Geneticist
University of Genoa, Italy

Professor Paolo Manduca ist zwar auch ein Aktivist…

…allerdings hat er sich dabei ein gewisses Maß an wissenschaftlicher Skrupelhaftigkeit bewahrt:

The  authors of the M. Al-Sabbak et al paper took data already published as if they were their work; this is an ethical issue, not irrelevant,  but would not have elicited me to write, if there was not a  more important issue, namely that they did not know how to read these data and misrepresented the results. This in turn made the journalist of the Independent, UK to be mislead and so the wider public.

Er unterschätzt jedoch die Skrupellosiggkeit der modernen Journalisten, die jeden Blödsinn ungeprüft übernehmen, obwohl jener Blödsinn dann jahrelang als Legende durchs Internet weitergeistern wird.

Der iranische Staatssender freut sich natürlich über die Propaganda, die er diesmal nicht einmal selbst erfinden musste.

Frau Mozhgan Savabieasfahani hat wie andere alte iranische Marxisten – zumindest aus der Ferne – ihren Frieden mit dem Regime geschlossen.

Es ist allerdings auch leicht, die gemeinsamen antiimperialistischen Ideale hochzuhalten, indem man sich der sozialistischen und islamistischen Realität durch ein Exil im bösen Westen entzieht.

(Bild-Quelle: Kommunisten Online)

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7 Antworten to “Wie Internet-Legenden entstehen”

  1. arprin Says:

    Wenn das so weitergeht werden die Opferzahlen irgendwann die damalige Bevölkerungszahl im Irak übersteigen.

  2. aron2201sperber Says:

    das erinnert an die gute alte „Lancet-Studie“ mit ihren über 600.0000 Toten (die von den üblichen Genossen gleich noch auf 1 Million aufgerundet wurden):

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/6045112.stm

    zuvor hatte sich auch die UNICEF dazu instrumentalisieren lassen, eine Phantasie-Zahl von 500.000 toten Kindern als Opfer der Wirtschaftssanktionen gegen Saddam zu verbreiten:

    http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Embargo/aufruf.html

  3. besucher Says:

    auch legendär:
    der SPIEGEL macht sich bei Elsässer lächerlich:
    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2012/10/24/spiegel-polemisiert-gegen-compact-souveranitatskonferenz/

  4. Gleiche Ansichten, unterschiedliche Bühnen « Aron Sperber Says:

    […] auch bei der Verbreitung der neuesten Legende ist man natürlich […]

  5. Im Märchenspiegel « Aron Sperber Says:

    […] Spiegel berichtet diesmal über Uran-Babys und andere Märchen:   Uranmunition und Grimms Märchen: Das sehen Sie im neuen SPIEGEL   […]

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