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„Augstein in Gefahr“

Januar 2, 2013

Er selbst schreibt pro Euro und, glaub ich, pro Euro-Bonds, fallweise pro Steinbrück und pro Obama, und sein Antinationalismus ist so unappetitlich, dass er auch mal gerne in eine Deutschland-Fahne rotzt. Also ein richtiges Mitte-Links-Bürscherl, der vor zehn, 15 Jahren noch den Hannah-Arendt-Preis oder ähnliche Belohnungen bekommen hätte. Dass dieser in fast jeder Hinsicht konforme Schreiberling sich jetzt auf dieser Hass-Liste findet, ist der einzigen Aufmüpfigkeit zu danken, die er sich ab und zu leistet: Er wagt es manchmal, Israel zu kritisieren.

Augstein steht in einer Reihe mit Mursi und der in einer mit Ahmadinedschad, und alle zusammen führen das Werk von Hitler und Himmler fort. Dagegen hilft, in ihrem Weltbild, nur dreinschlagen, bevor ein neues “München” den neuen Holocaust entfesselt: Stürzt Mursi, bombardiert Teheran – und, ja was? Enteignet Augstein? Tötet Augstein? Wer solche “Hitlisten” aufstellt, darf sich nicht wundern, wenn ein “Hitman” wie Breivik daraus blutige Schlussfolgerungen zieht. Übertrieben? Aber Breivik bezog sich tatsächlich in seinem Mord-Pamphlet dutzendfach auf Broder, und Broder ist es auch jetzt, der für das Wiesenthal-Zentrum den Kronzeugen gegen Augstein gibt. Soll heißen:Der Freitag-Herausgeber ist bei Zuspitzung der Lage in Gefahr.

Solange Broder nicht über Israel/Nahost spricht, ist ihm oft zuzustimmen.

(Jürgen Elsässer)

Ach?

Solange Broder nicht über Nahost schreibt, ist ihm also zuzustimmen?

Dass sich ein „Hitman“ Breivik zur ideologischen Rechtfertigung seiner Wahnsinnstaten nicht gerade Broders Ansichten zur Nahost-Politik herausgepickt hatte, sondern Punkte, die auch von allen möglichen anderen Autoren – wie auch von Jürgen Elsässer selbst – vertreten werden, dürfte Jürgen Elsässer wohl nicht entgangen sein, wenn er sich schon auf Breiviks Pamphlet bezieht.

Wäre Elsässer international auch außerhalb der russischen und iranischen Medienlandschaft etwas bekannter, hätte Breivik wohl auch bei Elsässer etwas Passendes gefunden.

Doch wäre Elsässer eine öffentlich bedeutsamere Person, hätte er sich ohnehin auch im Antisemiten-Ranking eine Platzierung vor Augstein verdient.

Im Gegensatz zu Augstein wäre Elsässer auch noch stolz über so eine „Auszeichnung“ gewesen.

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