„Das ist Syrien heute“

Schauen wir uns zunächst das Video an. Sicherlich, ein Propagandavideo. Aber interessant ist schon, welche Werte da propagiert werden: Der Clip zeigt Frauen an der Seite der Männer. Der Clip zeigt Frauen mit und (vor allem) ohne Kopftuch. Der Clip zeigt Schulkinder, die koedukativ unterrichtet werden. Der Clip zeigt ein Renterehepaar, wie man es auch in einer europäischen Stadt sehen könnte. Im zentralen Innenteil steht die religiöse Toleranz im Mittelpunkt: Die Versöhnung zwischen Islam und Christentum. Die Kirche und das Kreuz sind sogar länger zu sehen als jedes andere Bauwerk und Symbol! Der Bruderkuss der religiösen Führer symbolisiert die Bruderschaft der abrahamitischen Religionen.

Das ist Syrien heute. Dieses Syrien soll von Terroristen zerstört werden!

(Jürgen Elsässer – „Lang lebe Assad!“)

Als die arabische Revolution in Ägypten ausbrach, wurde sie von Jürgen Elsässer bejubelt:

Hoch lebe die arabische Revolution

Dass islamische Extremisten gerade versuchen, Ägypten in einen Gottesstaat zu verwandeln, wird nicht als Rückschritt empfunden:

Die Mursi-Verfassung ist KEIN Rückschritt

Mubaraks Ägypten war zwar mindestens genauso säkular wie das Regime aus dem Propaganda-Video, und im Gegensatz zu Assad unterstützte Mubarak auch außerhalb seines eigenen Landes keine extremistischen Terrororganisationen wie die Hisbollah.

Mubarak hatte jedoch keine Verbündeten, die ihn dazu ermutigt hätten, einen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen und damit das Schicksal der christlichen Minderheit an sein eigenes Schicksal zu ketten…

…und wohl auch keine westlichen Groupies, die ihn dafür auch noch als Held bejubelt hätten.

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9 Antworten to “„Das ist Syrien heute“”

  1. Nobilitatis Says:

    Kleine Verbesserung: Ägypten kämpft seit Jahr und Tag gegen islamische Fundamentalisten. (Sogar Mursi auf dem Sinai.) Der derzeitige Führer von Al Quaida ist in Ägypten groß geworden. Es kam auch wiederholt zu Massenmordaktionen an Touristen bei den Pyramiden.
    Ich gehe mal davon aus, dass alle westlichen Länder Mubaraks Ägypten bei seiner harten Haltung gegen diese Terroristen unterstützt hat. Auch bekam Ägypten von den USA eine nicht unerhebliche Unterstützung für sein Militär.
    Außerdem gab es auch in Ägypten Extremisten, die die Kopten als Problem wahrnahmen. Von wegen genauso säkular: Ich kann mich noch an das während der Schweinegrippe sinnlos durchgesetzte Haltungsverbot für Schweine erinnern (gegen die christliche Minderheit gerichtet und führte in der Konsequenz zu einer Katastrophe bei der Müllentsorgung). Es gab jedoch keine arabischen Bruderstaaten und Nachbarländer, die eine ägyptische islamistische Oppositionsbewegung finanziert und ausgerüstet sowie beschützt haben. Das hat sich der Sudan nicht getraut.

    • aron2201sperber Says:

      Der derzeitige Führer von Al Quaida ist in Ägypten groß geworden. Es kam auch wiederholt zu Massenmordaktionen an Touristen bei den Pyramiden.

      und war dies etwa Mubarak zuzurechnen?

      dann musst du aber auch Assad die Terroristen zurechnen.

  2. Nobilitatis Says:

    Der Punkt ist: Auch Mubarak hat gegen Islamisten kämpfen lassen. Wie Assad. Aber er ist dafür vom Westen unterstützt worden.

    • aron2201sperber Says:

      solange es sich wie vor dem arabischen Frühling nur um vereinzelte Terrorgruppen handelte, hatte der Westen Mubarak zu Recht dabei unterstützt.

      man hatte aus realpolitischen Gründen sogar mit einem Verbrecher wie Gaddafi gegen Al Qaida zusammengearbeitet:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/25/vergangenheit-und-zukunft-des-terrorismus/

      wofür der Westen von den üblichen Trrorverstehern natürlich scharf ritiiert worden war:

      http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-09/libyen-folter-waterboarding

      als die arabische Revolution sich jedoch zu einem Volksaufstand entwickelte, gab es keinen Grund für diese Despoten, auch wenn man sich mit ihnen arrangiert hatte, Bürgerkriege in Kauf zu nehmen.

      dass der Aufstand in Ägypten unblutiger ausging, lag wohl nicht daran, dass es in Ägypten weniger Extremisten gab, sondern dass Mubarak das Feld räumte, da er wußte, dass ihn der Westen nicht um jeden Preis halten würde.

      Würde Russland bei der Lösung des Syrienkrieges mit dem Westen zusammenarbeiten, statt sich trotzig an „ihren Bastard“ zu klammern, wäre den Menschen in Syrien – insbesondere den Minderheiten, die Assad zu vertedigen vorgibt, am ehesten geholfen.

      Putin ist jedch dazu leider zu sehr kalter Krieger.

  3. Nobilitatis Says:

    Mubarak hat aus demselben Grund aufgegeben, aus dem die DDR zusammenbrach – ihm fehlte die interne Unterstützung. Daran fehlt es Assad nicht, dank des islamistischen Programms der Rebellen (Christen in den Libanon – Alawiten ins Grab). Und, nicht zu vergessen, das schöne Beispiel der zwei Nachbarländer Libanon und Irak.
    Man kann Putin kaum vorwerfen, dass er zu seinen Bündnisverpflichtungen steht (was würden wohl seine restlichen Verbündeten weltweit schlussfolgern), wohl aber den westlichen Staaten und ihren islamistischen Proxys (hier: Saudi Arabien und Katar), die Islamisten auszurüsten, zu bewaffnen, zu beschützen (Türkei, Patriots) und sogar zu bezahlen. Mit dieser massiven verdeckten Anzettelung entfällt wohl die Möglichkeit für den Westen, irgendeinen Einfluss auf die syrischen internen politischen Prozesse auszuüben, es sei denn, die Unterstützung der Islamisten wird so massiv verstärkt, dass sie den Bürgerkrieg doch noch gewinnen.
    Also, wie sollte eine sinnvolle Lösung des syrischen Dilemmas aussehen? Russland ist bisher für jede Lösung offen, die nicht nach einem Sieg der Islamisten aussieht. Assad steht ausdrücklich zur Disposition. Dilemma: Es geht, anders als in Ägypten, nicht um den „Diktator“ (der den Job nie machen wollte), sondern um beträchtliche Bevölkerungsschichten. Das ist übrigens – hier schließt sich der Kreis – der Grund, warum die Rebellen tendenziell gegen alle Nichtsunniten und ethnischen Gruppen kämpfen, statt mit denen zusammenzuarbeiten. Es hat ideologische Gründe. Gegen einen Diktator könnte man sich verbrüdern.

  4. aron2201sperber Says:

    selbstverständlich hat der Westen Russland gegenüber auch seine Fehler gemacht.

    durch die einseitige Parteinahme gegen Serbien hätte man Russland nicht unnötig brüskieren müssen:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2008/08/31/eine-belastende-hypothek/

    man darf jedoch nicht vergessen, dass die Initiative am Balkan von Österreich und Deutschland ausgegangen war.

    daher stammte ja auch der von Elsässer geprägte Begriff „Antideutscher“

    die Amerikaner haben dann nur das umgesetzt, was Europa und die islamische Welt einforderten.

    leider hat Russland danach alles als eine Wiederholung der Brüskierung am Balkan gedeutet – und dementsprechend außenpolitisch gehandelt.

    auch wenn die Situation in Syrien, das nicht wie der Balkan in Europa, sondern mitten in der islamischen Welt liegt, die Situation eine völlig andere ist:

    die Sunniten sind im Gegensatz zu den Serbem am Balkan keine Minderheit…

    …und es gibt genug finanzstarke sunnitische Regimes in der Nachbarschaft, die den Krieg auch ohne USA gegen Assad fördern können.

    Würde Russland mit den USA für eine Lösung kooperieren, wäre die ohnehin initiativlose US-Administration wohl sehr dankbar – und würde Russland bei der Gestaltung des Post-Assad-Syrien wohl gerne mitbestimmen lassen.

  5. Nobilitatis Says:

    Wer soll denn die Islamisten stoppen? Die können nur gewinnen oder verlieren.
    Und Russland hat bisher gar nicht aktiv mitgemischt. Die wenige Unterstützung für die syrische Regierung war absolut unvermeidbar. Um Syrien abzuschreiben müsste Rußland einen sehr guten Grund haben. Auf der anderen Seite müßte USA auch einen sehr guten Grund haben, dieselben Extremisten zu unterstützen, die sie im Irak immer noch angreifen. Ich hab aber noch keinen gefunden, außer für Chaos zu sorgen und vielleicht kann Israel den Golan jetzt behalten. Deswegen gibt es keine sinnvollen Vorschläge für Frieden. „Assad muss weg“ ist ja keine sinnvolle Forderung allein für sich genommen. Keine Basis für Frieden.

  6. dieter Says:

    @Aron: Du bist unfair gegenüber Elsässer.

    Zu Beginn des arabischen Frühlings wusste der Westen selbst nicht, auf welches Pferd er setzen soll. Nach Tunesien wollte Sarkozy zunächst Experten zur Niederschlagung der Unruhen entsenden. Zu Mubarak sagte Obama einen Tag, er solle sofort zurücktreten, dann wiederum, dass er bleiben könne aber Reformen einleiten soll und später änderte er wieder seine Meinung. Währenddessen sagte Hillary Clinton das jeweilige Gegenteil von Obama. So ging das über ein Monat hin und her.

    Wenn sich der Westen nicht einig ist und herumlaviert, kann ein strammer Anti-Imperialist wie Elsässer unmöglich wissen, wogegen er nun sein muss.

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