Archive for Januar 2013

„Das ist Syrien heute“

Januar 8, 2013

Schauen wir uns zunächst das Video an. Sicherlich, ein Propagandavideo. Aber interessant ist schon, welche Werte da propagiert werden: Der Clip zeigt Frauen an der Seite der Männer. Der Clip zeigt Frauen mit und (vor allem) ohne Kopftuch. Der Clip zeigt Schulkinder, die koedukativ unterrichtet werden. Der Clip zeigt ein Renterehepaar, wie man es auch in einer europäischen Stadt sehen könnte. Im zentralen Innenteil steht die religiöse Toleranz im Mittelpunkt: Die Versöhnung zwischen Islam und Christentum. Die Kirche und das Kreuz sind sogar länger zu sehen als jedes andere Bauwerk und Symbol! Der Bruderkuss der religiösen Führer symbolisiert die Bruderschaft der abrahamitischen Religionen.

Das ist Syrien heute. Dieses Syrien soll von Terroristen zerstört werden!

(Jürgen Elsässer – „Lang lebe Assad!“)

Als die arabische Revolution in Ägypten ausbrach, wurde sie von Jürgen Elsässer bejubelt:

Hoch lebe die arabische Revolution

Dass islamische Extremisten gerade versuchen, Ägypten in einen Gottesstaat zu verwandeln, wird nicht als Rückschritt empfunden:

Die Mursi-Verfassung ist KEIN Rückschritt

Mubaraks Ägypten war zwar mindestens genauso säkular wie das Regime aus dem Propaganda-Video, und im Gegensatz zu Assad unterstützte Mubarak auch außerhalb seines eigenen Landes keine extremistischen Terrororganisationen wie die Hisbollah.

Mubarak hatte jedoch keine Verbündeten, die ihn dazu ermutigt hätten, einen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen und damit das Schicksal der christlichen Minderheit an sein eigenes Schicksal zu ketten…

…und wohl auch keine westlichen Groupies, die ihn dafür auch noch als Held bejubelt hätten.

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Assads Extremisten

Januar 6, 2013

Assad verkündet, was seine Fans in diversen Foren schon längst zu wissen glauben:

Das syrische Volk stehe hinter ihm und bei seinen Gegnern handle es sich ausschließlich um Extremisten.

Seltsam, dass Assad trotzdem sämtliche demokratischen Bestrebungen unterdrückt hatte, obwohl die Mehrheit doch ohnehin hinter ihm gestanden wäre.

Hätte Assad eine demokratische Opposition zugelassen, läge es nicht an irgendwelchen Rebellen, den Kampf gegen die syrische Diktatur zu führen.

Das kennt man jedoch auch von Assads Meister, der erst alle gemäßigten tschetschenischen Politiker ermorden ließ, um sich gegen die übriggebliebenen Extremisten als der große Retter der Nation aufzuspielen.

Das Reich der braven Reichen

Januar 6, 2013

Russland sollte nach dem Ende der UdSSR eigentlich ein Verbündeter des Westens sein.

Putin war 1999 als Kandidat gegen die Kommunisten angetreten. Daher wurde er von Präsident Bush nach seinem Amtsantritt auch als Freund empfangen.

Leider fühlte sich Putin trotz der Abschaffung des Kommunismus den Werten des kalten Krieges verpflichtet, wofür er von westlichen Sowjet-Nostalgikern bewundert wird, auch wenn Putins Reich ansonsten nicht gerade dem linken Idealbild entspricht:

Putins Reich ist steuerlich ein Paradies für Reiche, auch wenn gewisse unbrave Reiche von Putin enteignet und weggesperrt wurden.

Eine Spezialität des neuen Russlands ist die Verteidigung der sonst bei Linken besonders verhassten christlichen Religion.

Putin hat außerdem imperiale Kriege geführt und die Kriegsgegner aus Russland fortgejagt oder ermordet.

Doch solange er gegen den Westen ist, bleibt Putin ein Held des linken Antiimperalismus.

Kommunist flüchtet vor Sozialismus

Januar 4, 2013

„Mein Vater war Kommunist und hat Radio Moskau gehört. Das ist ein Teil meiner Kultur“, heißt es dort. Der Brief „an die russischen Journalisten“ endet mit dem auch bei Nationalisten beliebten Ruf „Ehre sei Russland“.

Man muss Gerard Depardieu zugute halten, dass er sich im Gegensatz zu Hollywood nicht aktiv für die Enteigung seiner Klasse eingesetzt hatte, sondern Sarkozy gegen Hollande im Wahlkampf unterstützt hatte.

Er hätte es sich jedoch trotzdem sparen können, seine Flucht vor dem französischen Sozialismus mit seiner ruhmreichen kommunistischen Familiengeschichte zu verbrämen.

Warum Augstein doch auf die Liste passt

Januar 3, 2013

Für alle sonstigen Genannten ist die Aufnahme in eine Liste der größten Antisemiten eine Ehre, während es für Augstein wohl tatsächlich eine Kränkung ist.

Ist der Einwand, dass Augstein nicht auf so eine Liste passe, also berechtigt?

Judenhasser sind durch den Vorwurf des Antisemitismus wohl kaum zu beeindrucken, bei Augstein könnte dies hoffentlich anders sein.

Gerade deswegen finde ich seine Nominierung gut.

Durch die Anprangerung Israels erhalten westliche Salon-Kommunisten die Gelegenheit, sich als Sprecher der unterdrückten “Dritten Welt” aufzuspielen. Dieser süßen Versuchung können westliche Linke schon seit Vietnam nicht widerstehen, zumal die Beziehung zu den eigenen unterdrückten Proletariern stets durchwachsen war.

Statt sich mit der Ideologie der Gegner Israels auseinanderzusetzen, die sich offen zur Vernichtung des Judenstaates bekennen, kritisiert man lieber Israel.

Sowohl die europäischen Antisemiten als auch die Antisemiten in der islamischen Welt profitieren davon, dass harmlose „Israelkritiker“ wie Augstein die Vorbereitung der Vernichtung von Juden wieder salonfähig machen.

Vielleicht wird ihm jene Tatsache durch seine Nominierung endlich bewusst.

„Augstein in Gefahr“

Januar 2, 2013

Er selbst schreibt pro Euro und, glaub ich, pro Euro-Bonds, fallweise pro Steinbrück und pro Obama, und sein Antinationalismus ist so unappetitlich, dass er auch mal gerne in eine Deutschland-Fahne rotzt. Also ein richtiges Mitte-Links-Bürscherl, der vor zehn, 15 Jahren noch den Hannah-Arendt-Preis oder ähnliche Belohnungen bekommen hätte. Dass dieser in fast jeder Hinsicht konforme Schreiberling sich jetzt auf dieser Hass-Liste findet, ist der einzigen Aufmüpfigkeit zu danken, die er sich ab und zu leistet: Er wagt es manchmal, Israel zu kritisieren.

Augstein steht in einer Reihe mit Mursi und der in einer mit Ahmadinedschad, und alle zusammen führen das Werk von Hitler und Himmler fort. Dagegen hilft, in ihrem Weltbild, nur dreinschlagen, bevor ein neues “München” den neuen Holocaust entfesselt: Stürzt Mursi, bombardiert Teheran – und, ja was? Enteignet Augstein? Tötet Augstein? Wer solche “Hitlisten” aufstellt, darf sich nicht wundern, wenn ein “Hitman” wie Breivik daraus blutige Schlussfolgerungen zieht. Übertrieben? Aber Breivik bezog sich tatsächlich in seinem Mord-Pamphlet dutzendfach auf Broder, und Broder ist es auch jetzt, der für das Wiesenthal-Zentrum den Kronzeugen gegen Augstein gibt. Soll heißen:Der Freitag-Herausgeber ist bei Zuspitzung der Lage in Gefahr.

Solange Broder nicht über Israel/Nahost spricht, ist ihm oft zuzustimmen.

(Jürgen Elsässer)

Ach?

Solange Broder nicht über Nahost schreibt, ist ihm also zuzustimmen?

Dass sich ein „Hitman“ Breivik zur ideologischen Rechtfertigung seiner Wahnsinnstaten nicht gerade Broders Ansichten zur Nahost-Politik herausgepickt hatte, sondern Punkte, die auch von allen möglichen anderen Autoren – wie auch von Jürgen Elsässer selbst – vertreten werden, dürfte Jürgen Elsässer wohl nicht entgangen sein, wenn er sich schon auf Breiviks Pamphlet bezieht.

Wäre Elsässer international auch außerhalb der russischen und iranischen Medienlandschaft etwas bekannter, hätte Breivik wohl auch bei Elsässer etwas Passendes gefunden.

Doch wäre Elsässer eine öffentlich bedeutsamere Person, hätte er sich ohnehin auch im Antisemiten-Ranking eine Platzierung vor Augstein verdient.

Im Gegensatz zu Augstein wäre Elsässer auch noch stolz über so eine „Auszeichnung“ gewesen.