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Ein Restposten der „Strategie der Spannung“

Februar 4, 2013

Berlin – Der Selbstmordattentäter, der sich am vergangenen Freitag vor der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara in die Luft sprengte, war seit Jahren im Visier deutscher Sicherheitsbehörden. Nach SPIEGEL-Informationen ermittelte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe seit Frühjahr 2011 gegen Ecevit S. – wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Nach Angaben eines Sprechers bestand der Anfangsverdacht, dass sich S. in der Bundesrepublik als Mitglied an der linksextremistischen türkischen Gruppierung „Revolutionäre Volksbefreiungspartei/-front“ (DHKP/C) engagiert habe.

In den 70ern war die Türkei Schauplatz eines Bürgerkriegs, der von der UdSSR gefördert wurde, um das NATO-Land zu destabilisieren.

Dass es in der Türkei wie in vielen anderen Ländern der westlichen Peripherie nicht zur Etablierung eines linken Systems, sondern zur Errichtung einer rechten Militärdiktatur kam, stellte für die Sowjetunion keineswegs eine Niederlage, sondern ein Minimalziel dar: denn jede rechte Militärdikatur enthüllte zumindest das „wahre Gesicht“ der „faschistischen“ kapitalistischen Welt und konnte propagandamäßig ausgeschlachtet werden.

Trotz der relativen Stärke der kommunistischen Partei hätte man auch in Italien kaum mehr als jenes Minimalziel erreichen können.

In West-Berlin hatte man hingegen das Maximalziel vor Augen. Nirgendwo in Europa war die Chance auf eine kommunistische Übernahme so groß wie im Berlin der späten 60er-Jahre.

Bei vollem Bewusstsein, dass es sich bei Kurras um ihren eigenen Mann gehandelt hatte, verfolgte die Stasi eine “Strategie der Spannung”.

Kein Wunder, dass man bei der Anprangerung einer angeblichen “Strategie der Spannung” durch westliche Geheimdienste stets so viel Phantasie zeigte. Schließlich hatte man damit selbst genug praktische Erfahrungen.