Steinmeiers ganzer Stolz

Steinmeier klopft sich im Spiegel selbst auf die Schulter: „Unser standhaftes Nein

Saddam Hussein ist beseitigt, im Übrigen sind alle Befürchtungen eingetreten. Allein auf den Irak bezogen ist die Bilanz ernüchternd: mehr als 4000 US-Soldaten tot und 32.000 verwundet. Weit über 100.000 irakische Opfer.

Eine miese Diktatur abzusetzen, kann mit großen Opfern verbunden sein. Trotzdem gab es immer wieder Staatsmänner, die bereit waren, zu handeln. Steinmeier ist stolz darauf, nicht zu ihnen gezählt zu haben.

Der Traum von der Demokratisierung des Iraks nach dem Vorbild von Nachkriegs-Deutschland und Nachkriegs-Japan – ausgeträumt.

Gemessen am erträumten Maximalziel mögen die Amerikaner im Irak gescheitert sein.

Der Irak hat jedoch heute eine demokratische Regierung. Die US-Truppen konnten abziehen, ohne das Land in einem Bürgerkriegs-Chaos zu hinterlassen.

100.000 tote Iraker waren zwar ein hoher Preis.

Dass die 100.000 irakischen Opfer zum größten Teil auf das Konto von Dschihadisten gingen, die von der deutschen antiimperialistischen Fankurve als „Irakischer Widerstand“ angefeuert wurden, verschweigt Steinmeier.

Wie hoch der Preis für den Sturz einer miesen Dikatur ohne amerikanische Hilfe ist, kann man gerade in Syrien beobachten, wo der Aufstand gegen Assad bereits nach zwei Jahren über 70.000 Opfer gefordert hat.

Wie viele Syrer beim Kampf gegen die Diktatur noch sterben werden, steht in den Sternen, und selbst wenn es gelingen sollte, Assad zu stürzen, steht es keineswegs fest, dass auf Assad eine ähnlich demokratische und säkulare Regierungsform wie im Irak folgen wird.

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15 Antworten to “Steinmeiers ganzer Stolz”

  1. Sam Says:

    1. Ich verstehe nicht in welcher Hinsicht Schröder hier „Standfestigkeit“ bewiesen hat. Der Irak-Krieg war extrem unpopulär in der deutschen Gesellschaft. Er hat hier eher populistisch gehandelt und somit die Wahl 2002 gegen Stoiber gewonnen.

    2. Wer weiß wie die Welt aussehen würde wäre Saddam noch an der Macht sein. Möglicherweise hätte er einen neuen verherrenden Krieg begonnen. Möglicherweise wäre es zu einem blutigen Bürgerkrieg gekommen. Vielleicht hätte er sich auch mit anderen Feinden der USA verbündet.

    • American Viewer Says:

      Sehr richtig.

      Ein letztes Wort zur Haltung. Gerhard Schröder hat vor zehn Jahren Mut und Standfestigkeit bewiesen. Allen wohl und niemandem weh, mag manchmal bequem für den politischen Alltag sein. Die Zukunft des Landes sichert man so nicht.

      Das ist der pure Hohn von Steinmeier. Wem hat Schröder denn mit dieser Haltung weh getan!? Wo hat er in diesem Punkt Mut bewiesen? Schröder ist auf der fettesten Mainstream-Welle geritten, die es in DL schon immer gab: Antiamerikanismus.

      Dieses Mal gepaart mit George-Bush-Bashing. Damit hat er seine Wiederwahl gesichert. Das ist erlaubter Rassismus. Sind ja nur dumme Amerikaner.

      Es ist schwer auszumachen, wer in der Männer-Troika der SPD der größere Idiot ist. Mister Apartheid Sigmar Gabriel, Niemandem-weh-allen-wohl-Steinmeier oder doch Clown Steinbrück?

      • Alreech Says:

        Schröder hat die Koalition der im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt.

        BND Mitarbeiter im Irak haben Informationen geliefert, und ein großer Teil des Nachschubs lief über den Flughafen Frankfurt.
        Militärisch hätte Deutschland sowieso keinen Beitrag leisten können, die Logistik und Aufklärung war deutlich hilfreicher als ein paar Tornados.

  2. dieter Says:

    Dass die 100.000 irakischen Opfer zum größten Teil auf das Konto von Dschihadisten gingen, die von der deutschen antiimperialistischen Fankurve als “Irakischer Widerstand” angefeuert wurden, verschweigt Steinmeier.

    Dschihadisten gab es unter Saddam nicht…

    Die meisten Befürworter des Irak-Krieges stimmten diesem auf Basis zahlreicher Lügen zu. (Massenvernichtungswaffen, Verbindung zum 11.9., neuer Hitler, Gefahr für den Westen, ….)

    2008 sagten 64% der Amerikaner: „the Iraq War was not worth fighting“.

    Deine heutige Begründung hätte damals keine Zustimmung erhalten. Es war nicht gerechtfertigt, öffentliche Ressourcen für die Konsumpräferenz einer kleinen Minderheit von Intellektuellen und Bloggern aufzuwenden. Mir ist kein Kriegstreiber bekannt, der sich persönlich zu den Marines gemeldet hätte, oder der Geld für Waffen gespendet hätte. Also scheint es selbst der Schutzverantwortungs-Fraktion auch nicht so wichtig zu sein.

    • aron2201sperber Says:

      Dschihadisten gab es unter Saddam nicht…

      Terrorismus gab es unter Saddam aus dem selben Grund nicht aus dem auch unter Hitler, Stalin oder Mao keinen Terrorismus gab.

      Terror war im Irak Saddams Monopol.

      außerhalb der eigenen Grenzen war er jedoch wie Gaddafi, Assad und Andropov ein großer Förderer des „freien“ nichtstaatlichen Terrors:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/11/17/assad-und-das-floriani-prinzip/

    • aron2201sperber Says:

      2008 sagten 64% der Amerikaner: “the Iraq War was not worth fighting”.

      McCain, ein entschiedener Befürworter des Kriegs hatte die Wahl 2008 nur äußerst knapp verloren und zwar nicht wegen Irak, sondern wegen der Finanzkrise die naturgemäß den regierenden Republikanern angelastet wurde:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2008/11/03/obama-wird-die-wahlen-gewinnen/

    • aron2201sperber Says:

      dass Saddam keine MVW hatte, obwohl er damit stets groß geblufft hatte, wußte man erst nach dem Einmarsch.

      dass er sie nicht hatte, lag wohl kaum an seiner Friedfertigkeit, sondern an den „wirkungslosen, sich nur gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Sanktionen“, welche man durch Propaganda-Horrormärchen von „1.000.000 durch Medikamenten-Mangel gestorbener Kinder“ stets aufzuweichen versuchte.

      diese Propaganda wurde übrigens auch von der UNO kritiklos nachgeplappert.

      auch nach Saddams Ende kamen aus derselben Ecke immer noch ähnliche Storys

      im Lügen-Erzählen konnte niemand Saddams Propaganda schlagen

  3. eleven Says:

    Die palästinensische Selbstmordattentäterindustrie wurde maßgeblich von Saddam finanziert; auch das sollte gesagt werden.

  4. Sam Says:

    An sich ist der Irak ja weniger ein einheitlicher Staat sondern mehr ein aus mehrer Ethnien bestehendes Gebilde welches von den Engländern mit relativ willkürlichen Grenzen erschaffen wurde.

    Multiethnische Staaten neigen immer zum Bürgerkrieg, solange dies nicht mit Gewalt von einer diktatorischen Zentralregierung unterdrückt wird. Der Fall lag in Jugoslawien relativ ähnlich. Leider hat man dass in unserer Ära des Multikulturalismus etwas vergessen.

  5. Joe1172 Says:

    Obwohl ich dem Grundtenor dieses Artikels zustimme, muß ich bei einigen Aussagen widersprechen:
    1. Der Irak ist kein demokratischer Staat, höchstens scheindemokratisch. Der derzeitige PM ist NICHT durch die Stimmen des Volkes legitimiert.
    2. Daß es im Irak friedlich ist, stimmt nur zum Teil. Anschläge von verschiedenen Untergrundgruppen sind immer noch üblich.
    3. Der Abzug der Amerikaner ist im Prinzip nicht beendet, ein recht großes Truppenkontingent steht in Kuwait, im Golf liegt eine US Flotte.

    Ich bin seit 2006 im Irak. Die Lage ist insgesamt ruhiger als noch zwischen 2005 und 2008. Normal, freidlich und demokratisch geht es hier unten dennoch nicht zu.

  6. gagarin Says:

    wird hier echt versucht im nachhinein den irak krieg zu rechtfertigen ?
    ein krieg der auf lügen basiert?!
    am 11 september saß kein einziger iraker in den maschienen.
    dem ungebildeten volk wurde suggeriert das sadam einer der drahtzieher gewesen sei. in den fliegern waren ausschließlich saudis und jeminiten. in folge des zweiten golfkriegs sind weit über 100000 iraker gestorben. sind im verhältniss dazu die leben von knapp 3000 us-bürger mehr wert ?

    • aron2201sperber Says:

      1) dass Saddam der Drahtzieher von 9/11 war, wurde nie behauptet – wenn du mir irgendeine Quelle findest, in der Saddam die Schuld für 9/11 gegeben wird, stelle ich meinen Blog ein 😉

      wenn man ihm für 9/11 die Schuld hätte zuweisen können, hätte man wohl die MVW nicht als Argument benötigt

      2) Mohammed Atta war ein Ägypter

      selbst wenn es nur Saudis gewesen wäre, läge die Verantwortung nicht automatisch bei Saudi-Arabien.

      auch die RAF bestand aus lauter BRD-Bürger(kindern)

      gefördert wurde die RAF jedoch trotzdem nicht von der BRD, sondern von der DDR.

  7. Sultan Erdogans Grenzen | Aron Sperber Says:

    […] machen mussten, während UNO-Mitglieder (wie die Türkei) von der UNO-Galerie aus ihre hochmütige Kritik dazu abliefern […]

  8. Irak-Desaster schuld an Syrien-Misere? | Aron Sperber Says:

    […] Preis an Menschenleben fuer den Sturz des Tyrannen mag im Irak hoch gewesen […]

  9. Antiamerikanisch wegen Bush? | Aron Sperber Says:

    […] überambitioniertes Demokratie-Projekt im Irak mag ein Fehler gewesen sein, Obamas verantwortungsloses Nichthandeln in […]

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