Das Ende eines russischen Kriegsgegners

Soros bezeichnete seinen ehemaligen Geschäftspartner Beresowski, der gestern im Londoner Exil verstarb, als „Raubtierkapitalisten“.

Fleischfresser, die Vegetarismus predigen, sind mir suspekt. Der antikapitalistische Kapitalist George Soros gehört für mich genau in jene Kategorie.

Beresowski mag (wie Soros) ein Raubtierkapitalist gewesen sein. In Putins Ungnade fiel er jedoch nicht als Raubtierkapitalist, sondern als Gegner der Kriegspolitik seines Präsidenten. Ein Recht, das sich der amerikanische Oligarch Soros bei Bush (so wie alle anderen amerikanischen Gegner des Irak-Kriegs) ganz selbstverständlich herausnehmen durfte.

Dass Beresowski mit seiner Opposition gegen Putin die gemeinsamen Investments ruinierte, konnte der kapitalistische Philantrop dem „Raubtierkapitalisten“ nie verzeihen, auch wenn der Krieg gegen Tschetschenien in jeder Hinsicht ungerechter und grausamer war als der Krieg gegen Saddam.

Beim Irak-Krieg wurde immerhin ein mieser Diktator abgesetzt, um ihn (zumindest nach Plan) durch eine demokratische souveräne Regierung zu ersetzen.

Der Tschetschenien-Krieg war hingegen ein reiner Eroberungskrieg, bei dem die demokratische Regierung abgesetzt wurde, um die souveräne Republik wieder ins Russische Imperium einzugliedern.

Zwar hatte Tschetschenien ein Problem mit Dschihadisten, die im ersten Krieg ins Land eingesickert waren und von Tschetschenien aus im gesamten Nordkaukasus ein Kalifat errichten wollten. Die tschetschenische Regierung von Maschadow versuchte jedoch selbst verzweifelt, jene Islamisten zu bekämpfen. Statt die demokratischen Kräfte Tschetscheniens dabei zu unterstützten, führte Putin einen Krieg gegen sie.

Eine ähnliche Taktik will man auch in Syrien anwenden:

Alle demokratischen Kräfte ausschalten, um sich dann als einzige Alternative zu den Islamisten zu präsentieren.

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Eine Antwort to “Das Ende eines russischen Kriegsgegners”

  1. Thomas Holm Says:

    Spoiler-politics: alles bessere Niedermachen, um selbst als schäbiger Schlimmst-Verhinderer übrig zu bleiben, schweren Herzens anerkannt und alimentiert. Denn ohne Moos nix los.

    Geht umso besser, wie sich der Westen selbst verlästert und die Verantwortung anderer angesichts eigener Hypermacht gen Null definiert. So bewältigen wir Irak, Syrien und was noch kommen mag.

    Das alles flutscht dann am besten dann, wenn wir jeden Realitätssinn nicht nur absurden Voreingenommenheiten opfern, sondern auch noch offensiv des Zynismus und der Menschenverachtung zeihen.

    Hier das ganze mal systematisch von Stratfor Founder and Chairman George Friedman and Chief Geopolitical Analyst Robert D. Kaplan discuss how realism and morality both affect politics.

    Unterschiedliche Dinge kann man mit unterschiedlichem Stolz tun !

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