Propaganda der Opferzahlen

Casualty counts during modern wars have become a highly politicised business. On one hand, they can help alert the outside world to the scale of violence and suffering, and the risks of conflict spreading both within a country’s borders and beyond them. On the other, as in Syria, Iraq, Darfur, the Democratic Republic of Congo and elsewhere, death tolls have routinely been manipulated, inflated or downplayed – a tool for the advancement of political interests.

(2013 – Sharmine Narwani im Guardian)

Die Dame weiß, wovon sie redet.

Der die Lancet-Studie widerlegende Bericht von Iraq Body Count, mit dem sie ihren aktuellen Beitrag verlinkt hat, war zum Zeitpunkt als sie in einem Anti-Bush-Artikel von mehreren Hunderttausend toten Irakern und Afghanen schrieb, auch schon längst bekannt:

by the time US troops begin their promised 2011 withdrawal, and several hundred thousand innocent Afghani and Iraqi men, women and children have been killed in wars that have become increasingly difficult to justify to a skeptical American public.

(2010 – Sharmine Narwani auf Mideast Shuffle)

Auch wenn ihre Aussage zum Propaganda-Missbrauch von Opferzahlen grundsätzlich richtig ist, braucht es schon eine gehörige Portion Frechheit, um für die Relativierung der Opferzahlen in Syrien ausgerechnet auf die eigenen Übertreibungen beim Irak-Krieg zu verweisen.

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5 Antworten to “Propaganda der Opferzahlen”

  1. Thomas Holm Says:

    Neben den Differenzen bei der Zählerei ist natürlich noch von belang, wie man die Toten und die Tötungen zuordnet. Von vormaligen Akteuren und Opfern eines „Widerstandes“ (im Irak) ist da massiv zugunsten von Terroristischen Akteuren, deren Opfern und deren Abwehr um-gewidmet worden. Von Bagdad, d.h. der demokratisch gewählten Regierung dort, die halt auch nicht immer so ganz demokratisch agiert.

    Angenommen, wir haben gegen Ende dieses Jahres den Eindruck von einer Gesamtzahl von Opfern im Raum Levante/Mesopotamien (Syranon/Irak) von 500.000.

    Dann brauchen wir nur noch ein plausibles Feeling, woran das wohl lag:

    An einer von George W. Bush betriebenen* Auflösung einer stabilen Ordnung von Minderheiten-geführten Regimes in der Region …

    *aus reiner Dummheit, oder luzider Neocon-Rache

    … oder an einer Souveränen Entscheidung von mit demokratischen Chancen gewappneten Gesellschaften, sich zu allerliebst entlang ethno-konfessioneller Linien und im Solde, bzw. zum Schutze von Iran und Saudis – gegenseitig abzuschlachten.

    „Quantitativ“ wird das nicht entschieden. Ich sage: Form follows function. D.h. wenn wir den Westen für schuldig erklären, dann waren es die US-Marines im Irak (und deren Helfershelfer) und wenn wir die Araber für bescheuert erklären (was ich empfehlen würde) dann waren sie es selbst, bei weidlich gescheiterten Moderations-Bemühungen, das zu verhindern.

    Die Toten des Irak werden in der Zuordnung den Toten Syriens folgen: Wenn an „Assad und den Salafisten“ der Westen schuld ist, dann wird er auch an den Toten im Irak im Nachhinein schuld sein.

    Wen es nicht gelingt, klar zu machen, wie die demokratischen Chancen verspielt worden sind, dann sieht es übel aus für den Westen; wenn es doch gelingen sollte, dann sieht es übel aus für die Araber.

  2. aron2201sperber Says:

    auch aus dem Artikel:

    As if to underline the argument against casualty statistics, just last month we heard that Libyan death tolls had been highly exaggerated. Libya’s new government now claims that casualties on both sides have been revised down to around 5,000 each for rebels and supporters of Muammar Gaddafi. Did politics come into play? Recall that NATO intervention was enabled by allegations that Ghaddafi had killed tens of thousands of civilians. Opponents of NATO intervention conversely argue that the aerial bombardment of Libya resulted in 50,000 deaths.

    bei Deutschlands größtem Welterklärer waren es gleich 80.000

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/04/13/groster-welterklarer-aller-zeiten/

    …wobei er sich mehr über Gaddafis unrechtmäßige Tötung empörte, als über die angeblichen 80.000 Toten

  3. Marie Says:

    Ich möchte hiermit alle zur Hilfe für Syrien aufrufen! Die Hilfsorganisationen UNICEF, Caritas und Rotes Kreuz benötigen dringend private Spenden, um ihre Hilfstätigkeit in gewohntem Ausmaß fortführen zu können. Ein Ende des Flüchtlingsstroms ist nicht in Sicht und die Kapazitäten werden immer knapper! Mitte helft alle mit! Danke

    • aron2201sperber Says:

      Warum soll schon wieder Westeuropa und nicht etwa die arabischen Nachbarstaaten für die Flüchtlingspolitik zuständig sein?

      Die Golfstaaten, Russland und der Iran finanzieren die Kriegsparteien üppig.

      So wäre es nur recht und billig, wenn sie auch für die Flüchtlingskosten aufkämen.

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