Rationale Erpressung

Der Spiegel lässt einen “Experten” dozieren, warum sich Kim “rational” verhalte:

Frank: Ich sehe überhaupt keinen Grund, ihm die Rationalität abzusprechen. Zumindest hat er sich bislang noch nicht besonders irrational verhalten – er hat möglicherweise einige Fehler gemacht, aber er verfolgt offenbar ein klares Ziel: Es geht ihm um die Verbesserung des Lebensstandards der nordkoreanischen Bevölkerung.

Frank: Nein, Nordkorea ist auf diesem Weg wohl kaum mehr aufzuhalten. Das Land weiß, dass es konventionell einer Militärmacht wie den USA nichts entgegenzusetzen hätte. Pjöngjang ist deshalb davon überzeugt, Atomwaffen als Sicherheitsgarantie zu benötigen. Diese Idee wird bereits seit den fünfziger Jahren verfolgt. Der Rest der Welt sollte sich also an ein nukleares Nordkorea gewöhnen.

Frank: Er muss jetzt also demonstrieren, dass er die Kontrolle über das Land hat. Gleichzeitig will er auch dem Ausland Stärke demonstrieren und deutlich machen, dass Pjöngjang nur dann dialogbereit ist, wenn dies auf Augenhöhe geschieht.

(Spiegel)

Aus Sicht eines Erpressers mag sein Verhalten tatsächlich “rational” sein.

Ich halte es jedoch für vollkommen irrational, sich der Ratio eines miesen Kriminellen zu beugen.

Nach dem Angriffskrieg Nordkoreas war der Süden völlig devastiert, während der Norden noch ziemlich viel Industrie hatte.

Mittlerweile hat jedoch der Süden etwa das 20fache BIP/Kopf:

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf/ Nordkorea

Bruttoinlandsprodukt pro Kopf/ Südkorea

“Rational” wäre es daher, das eigene System in Frage zu stellen, statt das eigene Scheitern durch Erpressungen künstlich aufrecht zu erhalten.

Aber für den Spiegel-Experten hat sich wahrscheinlich auch Gorbatschow irrational verhalten, während Breschnew “rational” das marode Sowjet-Imperium verteidigte.

3 Antworten to “Rationale Erpressung”

  1. Paul Says:

    „Experte“ oder „5. Kolonne von Nordkorea“?

    Bei dieser Aussage gefriert mir das Blut:
    „Pjöngjang ist deshalb davon überzeugt, Atomwaffen als Sicherheitsgarantie zu benötigen. Diese Idee wird bereits seit den fünfziger Jahren verfolgt. Der Rest der Welt sollte sich also an ein nukleares Nordkorea gewöhnen.“

    Wird es in naher Zukunft einen „Experten“ geben, der „Pjöngjang“
    durch „Teheran“ ersetzt und „Norkorea“ durch „Iran“?

    Eines weiß ich genau:
    Der Spiegel wird auch diesem „Experten“ die Medienplattform anbieten.

    Mir wird himmelangst.

    Herzlich, Paul

  2. Viele Katajun Aminpurs für Kim | Aron Sperber Says:

    […] (Rüdiger Frank – Spiegel) […]

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