Plädoyer für eine unoriginelle Justiz

Andreas Unterberger kritisiert die österreichische Justiz im Fall Kampusch.

Die Mehrtäter-These mit dem Pornoring, der von der Spitze der Staatsanwaltschaft und dem Opfer gedeckt werde, ist natürlich – im Gegensatz zu einem banalen Einzeltäter, der sich noch dazu selbst der Gerechtigkeit entzogen hat – viel befriedigender und auch viel origineller.

Wir sollten jedoch verdammt froh sein, dass wir – im Gegensatz zu anderen Ländern – eine Justiz haben, die nicht unbedingt originell sein will, sondern sich zunächst einmal an die faden Fakten hält.

Eine Justiz mit einer originellen These ordnet die Fakten stets ihrer These unter.

In Italien gibt es unzählige Beispiele für jene Art von Justiz, wie sie sich jedoch gerade ein gelernter Jurist wie Andreas Unterberger nicht ernsthaft wünschen kann.

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5 Antworten to “Plädoyer für eine unoriginelle Justiz”

  1. American Viewer Says:

    Kampusch hat immer wieder glaubhaft gemacht, dass sie keine weiteren Ermittlungen will. Nach ihren Aussagen belastet sie die Zeit nach der Gefangenschaft mehr, als die Zeit in Gefangenschaft.

    Menschen wie Unterberger haben in diesem Fall einen sehr komischen Sinn für ‚Gerechtigkeit‘. Das Interesse des Opfers spielt dabei offenbar keine Rolle. Unterberger kann seine Geilheit auf diesen Fall nennen wie er will, nur das Wort ‚Gerechtigkeit‘ sollte er dabei besser nicht in den Mund nehmen.

    • aron2201sperber Says:

      der Opferwille ist allerdings nicht ausschließlich maßgebend.

      wir waren in jener Hinsicht auch beim Buback-Fall nicht der gleichen Meinung:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/05/04/buback-und-baumann-in-trauter-zweisamkeit/

      ich habe mittlerweile Kraushaars Buch zum Buback-Mord gelesen.

      Persönlich vermute ich, dass man Becker eher nicht als Täterin sehen wollte, weil sie ohnehin des Mordversuchs überführt war.

      Nach damaliger Gesetzeslage (ohne Terrorparagraphen) war es schwieriger gegen Leute starfrechtlich vorzugehen – und die RAF musste vom Rechtsstaat möglichst effizient gestoppt werden.

      Buback hat zwar ein gutes Recht, zu fragen, wer der Täter war.

      der Täter war jedoch wie bei Schleier die RAF und nicht eine Einzelperson.

      wer bei Buback den Abzug betätigte ist nicht wirklich interessanter als wer bei Schleier abgedrückt hatte

  2. aron2201sperber Says:

    die Rolle von Priklopils Freund mag fragwürdig sein:

    http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/J/J_09826/fnameorig_235710.html

    doch wie ein Typ, der Macht über die gesamte Staatsanwaltschaft und über Kampuschs prominentes Betreuer-Team gehabt haben soll, erscheint er mir nicht.

    das Betreuer-Team, das mehrere Wochen Kampusch Tag und Nacht betreut hatte, hätte etwas mitbekommen müssen und hätte Mittäter wohl kaum bewußt geschützt.

    gleiches gilt wohl für Polizei und Staatsanwaltschaft.

    der SoKo-Ermittler, der Selbstmord beging, hinterließ auch keine handfesten Beweise für die Kinderporno-Ring-Theorie:

    http://www.unzensuriert.at/content/005594-Neue-offene-Fragen-im-Entfuehrungsfall-Kampusch

    und auch alle anderen prominenten Zweifler an der Einzeltäter-Theorie hatten nicht mehr als “Meinungen” zu bieten:

    http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/668041/Adamovich-hat-zum-Fall-Kampusch-einiges-zu-sagen

    wenn Beweise dafür auftauchen, dass es Kinderpoornos mit Kampusch gab oder z.B. die Mutter bereits vor der Entführung im Kontakt zu Priklopil oder Holzapfel stand, sähe die Sache schon anders aus.

    Der Mehrtäter-These mit Holzapfel als Komplizen wurde laut eigenen Angaben von der Staatsanwaltschaft jedoch sehr wohl nachgegangen.

    Dass sich die Staatsanwaltschaft von irgendwelchen allmächtigen Kreisen von ihren Ermittlungen habe abhalten lassen, klingt für mich nach typischer Verschwörungstheorie, die für die betroffenen Staatsanwälte unangenehm, jedoch für das Opfer extrem verletzend sein muss.

  3. Alreech Says:

    Na Ja, es ist ja allgemein bekannt das es Ringe von mächtigen und reichen Personen gibt die ihre sexuellen Perversionen an Kindern ausleben.

    Es gibt Zeitungsberichte, Bücher und Filme darüber, sogar einen deutschen Tatort in dem der Held des Films (ein psychisch kranker Berufssoldat der beim KSK im Auslandseinsatz war) am Schluss alle Schuldigen erschießt, die Kinder rettet und damit Recht und Ordnung wieder herstellt.*

    Das solche Ringe nicht vor Gericht kommen lässt sich ganz einfach damit erklären dass diese Menschen eben nicht nur pervers, sondern auch reich und mächtig sind…
    Im großen und ganzen ist das nichts anderes als eine klassische Verschwörungstheorie, bei der die Abwesenheit von handfesten Beweisen als Beweis für die Existenz einer Verschwörung gedeutet werden.

    *Verherrlichung von Selbstjustiz im gebührenfinanzierten deutschen Qualitätsfernsehen- dafür zahlt man doch gerne.

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