Was hat Ägypten von Assad gelernt?

Falls die neue ägyptische Führung vorhaben sollte, gegen ihre Gegner scharf vorzugehen (was angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Land wohl unausweichlich ist), empfehle ich ihr dringend, vorher ein paar antiamerikanische und antizionistische Sprüche (für die islamische Welt) loszulassen.

Dafür hat sich das Regime wohl auch ElBaradei, einen notorischen USA- und Israelhasser, als den passenden Diktator der Herzen ausgesucht.

Die USA würde sich unter Obama ohnehin auf keiner Seite einmischen und durch herzhaften Antiamerikanismus könnte man immerhin das Wohlwollen der antiimperialistischen Welt gewinnen.

Als antiimperialistische Kraft wäre es selbstverständlich legitim, alle Gegner der eigenen Regimes als Terroristen zu etikettieren und zu bekämpfen.

Würde man auch noch dem Menschenrechts-Helden Snowden Asyl anbieten, könnte man selbst so viele Menschenrechte brechen wie man will, ohne dem Tadel der kritischen Intelligenzija ausgesetzt zu sein.

Ägyptens Armee hat wohl von Assad, der auch nach 100.000 Toten fest im Sattel sitzt, gelernt, dass man keine Wahlen veranstalten muss, um als legitimer Führer zu gelten.

Man muss sich einfach nur die richtigen Verbündeten aussuchen.

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9 Antworten to “Was hat Ägypten von Assad gelernt?”

  1. Tom Says:

    Wer redet denn noch von Assad. Für die Intelligenz ist doch die NSA ein viel schlimmerer Gegner. Jetzt können sie sich wieder in ihrem Antiamerikanismus suhlen.

  2. arprin Says:

    Ich gebe dir in der Theorie Recht, die Praxis könnte aber anders aussehen. Die wichtigen Fragen sind: Wird es in naher Zukunft Wahlen geben? Wenn ja, werden die Muslimbrüder teilnehmen? Wie viel Prozent würden sie bekommen?

    Falls das Militär in naher Zukunft keine Wahlen zulässt oder die Muslimbrüder nicht antreten lässt, könnten die Muslimbrüder in den Untergrund gehen und einen Bürgerkrieg vom Zaun brechen. Wenn aber die Muslimbrüder antreten, wird entscheidend sein, wie viel Prozent sie bekommen. Sollten sie aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Mursi eine Niederlage erleiden, könnte ihre Zeit abgelaufen sein. Dann stellt sich die Frage, ob die Militärs eine echte Demokratie zulassen werden oder ob es so weitergeht wie zu Mubaraks Zeiten.

    Hier die Einschätzung von Hamed Abdel-Samad:
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/abdel-samad-sturz-von-mursi-war-alternativlos-a-909815.html

    • aron2201sperber Says:

      grundsätzlich sind Islamisten ein Widerspruch und eine Gefahr für die Demokratie, da sie wie Kommunisten, Faschisten oder Nazis die Abschaffung der Demokratie zum eigentlichen Ziel haben, auch wenn sie an Wahlen teilnehmen und zunächst einmal bei der Demokratie mitmachen.

      durch die Rolle bei der ersten ägyptischen Revolution war es jedoch unmöglich, die Muslimbrüder auszuschließen, weswegen es für mich damals wenig Grund zum Jubeln gab:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/02/11/die-arabeske-vom-verzuckten-orf-korrespondenten/

      mein Beitrag beschäftigt sich weniger mit der Frage, ob die zweite Revolution ein Grund zum Jubeln ist, sondern mit der Doppelmoral der Kritiker des Westens, die vom Westen stets die höchste Moral einfordern, bei ihren Saddams, Gaddafis, Mullahs, Putins etc. alles durchgehen lassen.

      • arprin Says:

        Dass die Muslimbrüder und Demokratie unvereinbar sind ist klar. Die Frage ist aber, ob es wirklich besser wäre, wenn das Militär die Muslimbrüder in den Untergrund drängt und es deshalb unter Umständen zum Bürgerkrieg kommt, als dass sie die MB bei den Wahlen antreten lässt. Ich habe da meine Zweifel.

        Bei einem Bürgerkrieg wird Ägypten zum neuen Syrien. Wenn es Wahlen gibt könnten Militär und Opposition es wohl gemeinsam schaffen, die MB in Schach zu halten.

        durch die Rolle bei der ersten ägyptischen Revolution war es jedoch unmöglich, die Muslimbrüder auszuschließen, weswegen es für mich damals wenig Grund zum Jubeln gab

        Die Rolle der MB bei der Revolution von 2011 sehen viele nicht als entscheidend an. Sie kamen erst später in den Fokus, als Mubarak weg war.

        Bezüglich folgender Aussage:

        Auch in Ägypten kamen zwar Menschen bei den Protesten ums Leben.

        Systematische Verfolgung, wie sie gegen die Demonstranten von Teheran angewandt wurde, brauchte jedoch niemand zu befürchten.

        Es stimmt zwar, dass Mubaraks Diktatur weniger totalitär war als im Iran. Aber bei den Demonstrationen in Ägypten 2011 kamen über 800 Menschen um, das ist deutlich mehr als im Iran 2009 (die Opposition sprach von 72 Toten: http://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_nach_den_iranischen_Pr%C3%A4sidentschaftswahlen_2009). Mubarak ist also deutlich härter gegen die Demonstranten vorgegangen.

        Bei deinen Ausführungen zur antiwestlichen Doppelmoral hast du natürlich Recht.

  3. blub Says:

    Wo und wann hat ElBaradei antiamerikanische Sprüche von sich gegeben? Obwohl ich es mir schon vorstellen kann, der ins deutsche übersetzte Begründungskatalog der Tamarod lässt dies vermuten: http://de.wikipedia.org/wiki/Tamarod „Entzug des Vertrauens Mohammed Mursi al-ʿAyyāṭ … weil er den Amerikanern untergeordnet ist – wir wollen Dich nicht.“
    Aber wer stellt für Israel und westliche Werte die größere Gefahr dar? Ich denke, dass die Islamisten bzw. Klerikalfaschisten noch weniger westlichem Liberalismus und Säkularismus verbunden sind, als die von Caroline Glick als neo-nasseristische Faschisten und Kommunisten teilweise richtig bezeichnete Opposition (gefunden über neo-neocon http://www.carolineglick.com/e/2013/07/israels-reviled-strategic-wisd.php). In der Opposition befinden sich zudem auch liberale Parteien wie die Freedom Egypt Party. Ob die nun israelfreundlich und prowestlich ist, weiß ich nicht, wobei es wahrscheinlich wenige bis garkeine solcher Parteien bzw. Politiker in Ägypten geben wird… Es handelt sich um eine Wahl zwischen Pest und Cholera, und in diesem Fall ist meiner Meinung nach die Cholera vorzuziehen, weil sie eher eine Struktur ermöglichen kann, die wirklich westlichem Liberalismus verpflichtete und vielleicht israelfreundliche Politik(er) mittel- bis langfristig hervorbringen kann. Trotzdem finde ich es richtig auf die Probleme die die Opposition mit sich bringt, hinzuweisen und sie dafür zu kritisieren. Danke 🙂
    Und naja, als legitimer Führer gilt ElBaradei bzw. das Militär nur solange, bis eine Regierung gewählt wird. Mursi wurde zwar demokratisch gewählt, hat sich aber selbst nicht an demokratische Gepflogenheiten gehalten. Das ist also ziemlich schlechte Prinzipienreiterei, die u.a. auch der Spiegel betreibt. Die Demonstrienden und das Militär haben ihm vorher bescheid gegeben, dass sie ihn stürzen werden, wenn er nicht vorerst geht und Neuwahlen ansetzt. In einem funktionierenden Staat, hätte diese Aufgabe Mursi selbst übernommen, hier war es das Militär.

  4. besucher Says:

    Wollen wir wenigstens hoffen dass Assad die ganzen kampfbereiten Dschihadisten erledigt die aus lauter Verblendung von Deutschland nach Syrien flitzen mussten um für „Ihren Glauben“ zu kämpfen. Wohlan denn!

  5. aron2201sperber Says:

    Obamas Taktik ist ganz richtig:

    er beliefert weiter die Armee und zusätzlich diskreditiert er die Muslimbrüder, indem er sich mit ihnen solidarisiert.

  6. Stegmaier Michael Says:

    Leute schweigt, schaut hin und lernt.

  7. Stegmaier Michael Says:

    Upps. War wohl zu schnell… Leute. Legt doch einfach mal eure rassistische Brille ab und versucht zu verstehen. Das ist ein revolutionärer Prozess, den es so in der Geschichte der Menschheit wohl alle paar hundert Jahre mal gibt. Ihr erwartet, dass mensch korrekt beurteilt und analysiert. Gleichzeitig jault ihr brav mit den Medien mit, die sich höchstens gegenseitig kopieren. Es gibt nicht nur die Generäle und die Bärtigen, sondern durchaus eine dritte Kraft. Merkt ihr nicht, dass ihr vor allem euer pseudo-demokratische Überlegenheitszivilationsfetischismus zementiert? Merkt ihr nicht, dass ihr Menshen zu willenlosen Wesen und sozialen Toten verklärt? Und ja klar, Assad sitzt fest im Sattel… Sicherdoch. Darum hat die FSA gestern im Heimatdorf des Schergen Kaffee getrunken. Nicht ist so wie es scheint. Ob Teheran, Moskau, Washington oder Damaskus. Nichts anderes als eine grosse Mafia. In Kairo ist die Maske gefallen, lange werden sich die Generäle und die alten Garden nicht mehr halten können. Definitiv nicht. Emanzipation und die Freiheit lassen sich nicht stoppen. Aber eben, man hinsehen oder man die eigenen Vorurteilen fetischisieren….

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