Westliche Wertepolitik für Muslimbrüder?

Der Westen muss sich in Ägypten jetzt entscheiden: zwischen Realpolitik und seinen immer wieder propagierten Werten. Zahme Ermahnungen an die Machthaber in Kairo reichen nicht mehr, es muss Klartext gesprochen werden.

Will Präsident Barack Obama das nicht, muss seine Regierung über ihre jetzige, vorsichtige Kritik an der ägyptischen Armee hinausgehen und sagen: Demokratie heißt, auch seinen ideologischen Gegnern alle Freiheiten und Grundrechte einzuräumen. Ohne einen Dialog mit den Muslimbrüdern kann es keine Fortsetzung der jährlichen Militärhilfe von 1,3 Milliarden Dollar geben.

Manchmal ist Wertepolitik die bessere Realpolitik.

(Erich Follath – Spiegel)

Ausgerechnet wenn die Interessenlage für die USA völlig unklar ist, soll die USA statt auf Realpolitik auf einmal doch wieder auf Wertepolitik setzen.

Den ideologischen Gegnern alle Freiheiten und Grundrechte einzuräumen, hat sich gerade in der Geschichte der deutschen Demokratie als fragwürdig herausgestellt.

Warum steht wohl die NPD unter strenger Beobachtung?

Faschisten, Kommunisten, Islamisten und andere Gegner der Demokratie sollen als Menschen selbstverständlich alle Rechte genießen.

Als politische Parteien haben sie jedoch in einer Demokratie nichts verloren.

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12 Antworten to “Westliche Wertepolitik für Muslimbrüder?”

  1. blub Says:

    Dazu kommt, dass nicht das Militär den Dialog ablehnt, sondern die Islamisten selbst. Schließlich wurde ja ihr Undemokrat Mursi demokratisch gewählt, mimimi.
    Interessanterweise berichtet die ARD nicht so verschoben darüber, wie der Spiegel. Mal sehen ob das auch in der heutigen Tagesschau so sein wird 😀

  2. American Viewer Says:

    Das ist das, was ich jetzt mal spontan als „Demokratielügen“ der westlichen Medien bezeichne. Mythen über die Entstehung von Demokratie. Demokratien im Westen sind praktisch immer erstens von oben entstanden und zweitens durch gewaltsame Umwälzungen.

    Die Französische Revolution, der Amerikanische Bürgerkrieg, der Zweite Weltkrieg. Man musste knietief durch Flüsse aus Blut waten, bis die Demokratie etabliert war. Sie wurde oftmals gegen große Gruppen durchgesetzt und die Regeln wurden immer von einer kleinen Minderheit festgelegt.

    Ägypten steht nun auch vor diesem Prozess, eben nur ein paar Jahrzehnte später. Es ist lobenswert, dass es in Ägypten diese Minderheit gibt, die sich zu so etwas Ähnlichem wie westlichen Werten bekennt.

    Und das einzige was vielen westlichen Medien und Politikern nun einfällt, ist die Unterstützung der Muslimbrüder. Wie du richtig sagst, ist dies das Gegenteil von Wertepolitik. Es ist der Verrat an unseren Werten.

    • aron2201sperber Says:

      lustig finde ich, dass oft gerade diejenigen, die Respekt für die islamistische Wahl der Araber einfordern, die ersten sind, die hier im „Kampf gegen Rechts“ am liebsten alles nicht mit ihrer Meinung konforme verbieten wollen.

  3. salamshalom Says:

    Meine Hoffnung, dem ägyptischen Volke bliebe ein syrisches Szenario erspart, siecht gerade dahin. Es soll in den letzten beiden Tagen bis zu 800 Tote gegeben haben.
    Unsere Verflechtung, unsere Werte, unsere Unterstützung, wer von euch bekennt sich denn eindeutig und konsequent zu einer beteiligten Partei?
    Ich finde, Obama, Westerwelle, der Westen insgesamt, stehen vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Auf der einen Seite die Anhänger eines Präsidenten, der noch vor einem Jahr mehr oder weniger demokratisch per Wahlen seinen Platz erhalten hatte und nun durch einen Putsch (?) abgesetzt wurde, und auf der anderen Seite die Gegner dieser Mursianhänger, die Demokratie wollen (mehr oder weniger), aber einen vor kurzem gewählten Politiker gewaltsam, mit Hilfe des Militärs, wieder absägten.
    Die MB, die wenn sie`s könnten, ihre demokratiscge Legitimation dazu benutzen würden eben diese Demokratie zu unterhöhlen, und das Militär, das zum großen Teil noch aus den alten Mubarak-Kadern besteht. Welche Gruppe sollte man da unterstützen?
    Obama, Westerwelle und der Rest stehen vor eben diesen gleichen Entscheidungen und daher kann ich deren Schlingelkurs derzeit verstehen. Nur akzeptieren kann ich ihn nicht.

    • aron2201sperber Says:

      dass die Muslimbrüder die Demokratie genutzt haben, um an die Macht zu kommen, bedeutet auf jeden Fall nicht, dass der Westen ihnen deswegen irgendetwas schuldet.

      trotzdem ist die Entwicklung unerfreulich und tragisch.

      am besten wäre natürlich gewesen, die Muslimbrüder wären abgewählt worden.

      Demokratie ist jedoch kein Wunschkonzert.

  4. Carsten Says:

    Faschisten, Kommunisten, Islamisten und andere Gegner der Demokratie sollen als Menschen selbstverständlich alle Rechte genießen.

    Als politische Parteien haben sie jedoch in einer Demokratie nichts verloren.

    gut dass die Gestorbenen nur Parteimiglieder und keine Menschen waren.
    Natürlich musste man Gewalt anwenden um die Muslimbrüder in die Schranken zu weisen. In Ägypten wurde allerdings ein Exempel statuiert, mit der Botschaft das nun Krieg zwischen Statt und Muslimbrüdern herrscht. Gut fürs Militär, denn solange man Krieg gegen die neuen Terroristen führt, behält man als Militär natürlich seinen Einfluss. Wären die MB allerdings bei der nach ihrer Entmachtung folgenden Wahl einfach abgestraft worden, häte die Militärs nicht mehr soviel zu sagen gehabt.

    • aron2201sperber Says:

      hätte man die Muslimbrüder rechtzeitig als Partei verboten, bräuchte man ihre Mitglieder heute nicht zu bekämpfen.

      grundsätzlich bin ich dagegen, Menschen für ihre politischen Ansichten zu bestrafen (das hat jedoch dann auch für unsere Nazis zu gelten)

      es sollte jedoch klar sein, dass eine Demokratie trotzdem wehrhaft sein muss.

      Antidemokraten müssen von der Macht ferngehalten werden, selbst wenn sie eine Mehrheit hätten.

  5. walter roth Says:

    Wer hat sich den hier alles Illusionen gemacht….?

    Für die islamisten ist Demokratie nur ein Argument mit dem man den Westen einlullen kann damit er einem hilft an die Macht zu kommen, dann aber wird alles Demokratische abgeschafft und die Wahlen sind nur noch Farcen, ….wie jene im Iran.

    Wenn man den Islam kennt, den Koran mal Ansatzweise gelesen und ein bisschen verstanden hat, so musste jedem klar sein, …..die Muslimbrüder werden Ägypten ins Chaos stürzen.
    Egal wie hoch der Preis sein wird, sie werden am Schluss an der Macht sein und wenn sie es dann sind, werden sie keinerlei Ansätze von Demokratie mehr zeigen, sondern wie im Iran, nur noch eine Diktatur des islamischen Klerus sein.
    Der Macht werden sie alles und jeden opfern, denn so steht es im Koran.

    An die Macht werden sie kommen, weil sie absolut hemmungslos agieren werden, den wer dabei umkommt den Islam zu verbreiten, verteidigen, einzuführen, der kommt ins Paradies.

    Gerade bei den sehr wenig gebildeten Völkern im Islamischen Kulturkreis ein sehr starkes Argument und sehr praktisch um jedwede Verantwortung abzuwälzen. Das macht selbst die schmutzigste „Kriegführung“ für Islamisten sehr einfach.

    Es ist ja für Allah und der Koran gebietet das alles………………..

    Die Leidtragenden werden die Kopten sein, denn man wird die nun folgende Anarchie nutzen um sie zu unterdrücken, vertreiben und töten wo man nur kann.

    Das hat nichts damit zu tun das sie mehrheitlich für die Armee sind, sondern das derlei im Koran ausdrücklich geboten wird.

    Bewaffnen wir die Kopten, lassen wir sie in den Westen reisen und nehmen sie auf, oder sehen wir den nun kommenden Verfolgungen ganz einfach Jahrelang zu……?????

    Die Frage kann sich ein jeder selber beantworten, und wer den Jugoslawienkrieg mitverfolgt hat, tja, dem schwant da nichts gutes für die Kopten.
    Wir werden also die Muslimbrüder noch verteidigen während sie die Kopten ermorden.

    Sucht euch schon mal einen Namen für das Srebrenica Ägyptens aus.

    Walter Roth

  6. walter roth Says:

    Natürlich, ich weiss das…….

    Es war mehr eine rhetorische Frage.

    Ich kenne all die Naiven die sich in etwas hineingesteigert haben was es im Islam nicht geben kann………nämlich Demokratie.

    Die Muslimbrüder werden zur Terrororganisation, sich sicher wie das Allah im……..

    Und ich weiss auch, die Armee dort ist keinesfalls etwas gutes, aber trotzdem, für die menschen sind sie das kleinere Übel und ich verstehe das gerade auch die liberalen Kritiker Mubaraks und der Armee nun zur Armee überschwenken, denn sie haben in den letzten Monaten klar erkannt wohin die Reise mit dem Muslimbrüdern geht.

    Und das Endziel wäre ein Gottestaat geworden, und gerade das ist für jeden Liberalen weit schlimmer wie eine Diktatur.
    Unter der lässt sich besser leben, wie unter religiösen Fanatikern die sogar die intimsten Gedanken kontrollieren wollen.

    Nur der linksverblödete Spiegel wundert sich darob.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/propaganda-gegen-muslimbrueder-aegyptens-liberale-ruecken-nach-rechts-a-916885.html

    Nun, er wird es trotzdem werden, denn die Muslimbrüder werden keinerlei Hemmungen für gar nichts haben und gerade solche Fanatiker sind kaum zu besiegen.

    Walter Roth

  7. Ägyptens gutem Beispiel folgen | Aron Sperber Says:

    […] könnte man auch in Deutschland dem guten Beispiel der Ägypter folgen und die antidemokratische NPD […]

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