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Instrumentalisierung von Opferangehörigen

Dezember 20, 2013

Im Mordverfahren gegen Amanda Knox hat der Anwalt der Hinterbliebenen die Verurteilung der amerikanischen Angeklagten und ihres mutmaßlichen Mittäters gefordert. Francesco Maresca, der die Familie der ermordeten britischen Studentin Meredith Kercher vertritt, schloss sich damit in seinem Schlussplädoyer am Montag vor dem Berufungsgericht in Florenz der Forderung der Staatsanwaltschaft an, beide zu 26 Jahren Haft zu verurteilen.

Maresca rief das Gericht – zwei hauptamtliche Richter und acht Schöffen – dazu auf, den Unschuldsbeteuerungen von Knox kein Gehör zu geben. Zugleich kritisierte er, wie sich die heute 26 Jahre alte Angeklagte öffentlich darstellt. Während sie berühmt geworden sei, habe man das Opfer komplett vergessen.

„Sie ist eine bekannte Person geworden. Sie hat millionenschwere Verträge für ihr Buch abgeschlossen. Sie hat jemanden, der sich um ihre Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Sie hat eine Internetseite, auf der sie zu Spenden in Erinnerung an das Opfer, Meredith Kercher, aufruft – was ein unerträglicher Widerspruch für deren Familie ist“, sagte er.

(Die Welt)

Dass Amanda Knox für ihren „Ruhm“ fast vier Jahre im Gefängnis verbringen hatte müssen, wird vom Opferanwalt ausgeblendet.

Die Familie des Opfers scheint sich völlig mit der Sache der Staatsanwaltschaft zu identifizieren.

Man kann sich dies wohl damit erklären, dass die Familie das Gefühl hatte, die Staatsanwaltschaft habe sich außerordentlich engagiert, indem sie alles versucht hatte, um ein besonders perfides Mordkomplott gegen die Tochter aufzudecken.

Für dieses bedingungslose Engagement ist man dankbar, auch wenn es wohl kaum zur Aufklärung des Mordfalls beigetragen hatte.

Im Gegenteil: aufgrund der Verschwörungstheorie der Staatsanwaltschaft ist der Vergewaltiger und (mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit) Mörder der Tochter mit einer äußerst milden Strafe davongekommen.

Gerade in Italien hat das Instrumentalisieren von Opferangehörigen eine lange Tradition.

In Italien gelang es Linken nach ungeklärten Terroranschlägen die Angehörigen der Opfer politisch zu instrumentalisieren, indem sie es schafften, den Eindruck vermittelten, dass sie als einzige auf Seiten der Opfer stünden, während die Täter von einer bösen, rechten Verschwörung geschützt werden.

Auch der Buback-Prozess, bei dem der Sohn eine staatliche Verschwörung nachzuweisen versuchte, wies ähnliche Mechanismen auf.

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