Antinationalistische Doppelmoral

Der Spiegel und Putin machen sich gerade ganz große Sorgen über die ukrainischen „Ultranationalisten“:

Diese Welle würde aller Wahrscheinlichkeit nach die straff organisierten Ultranationalisten des „Rechten Sektors“ in Kiew an die Macht spülen. Deren Führer Dmitri Jarosch erhielt am Sonnabend auf dem Maidan in Kiew mehr Beifall als Julija Timoschenko. All das wird in Moskau sorgsam registriert.

Auf der Krim, in der von Russen bewohnten Hafenstadt Sewastopol, befindet sich die Schwarzmeerflotte der russischen Streitkräfte. Kein Russe würde es Putin verzeihen, wenn er diese Stadt, die Flotte und die Familien der Marinemänner in die Hände ukrainischer Nationalisten fallen ließe. Er könnte schon bald vor der schwersten Entscheidung seines Lebens stehen.

(Spiegel)

Selbst hat Putin jedoch keine Hemmungen, sich mit antisemitischen Regimen zu verbünden und man unterscheidet sich auch sonst kaum von herkömmlichen Faschisten:

Putins deutsches Sprachrohr forderte „Gerechtigkeit für Ungarn“ ein und ließ die „Wahren Finnen“ hochleben.

Gegen die Ukrainer versucht man hingegen wieder, die Antifaschismus-Karte auszuspielen.

Stalin hatte Millionen von Polen und Ukrainern ermordet, denen er unterstellt hatte, “Verbündete des Faschismus” zu sein.

Nachher schloss er dann selbst mit Hitler einen Pakt, um sich Europa brüderlich unter Diktatoren aufzuteilen.

Auch nach Stalin war die Sowjetunion, deren Zusammenbruch Putin als „die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ bezeichnete, eine wahre Meisterin der antinationalistischen Doppelmoral:

Innerhalb des Ostblocks wurde jeder nationale Separatismus mit eiserner Faust unterdrückt.

Außerhalb des Ostblocks wurden nationale Freiheitsbewegungen von den Sowjets zu höchst effektiven Terrororganisationen hochgerüstet: ETA, IRA, PKK, PFLP waren allesamt Kreaturen des KGB.

Wären die Südtiroler nicht durch die Nähe zur DDR und dem Schicksal der Sudetendeutschen immun gegen die sowjetische Unterwanderung gewesen, wäre Südtirol der ideale Schauplatz für einen vom KGB inszenierten nationalen Befreiungskrieg gewesen.

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8 Antworten to “Antinationalistische Doppelmoral”

  1. besucher Says:

    Im Elsässer-Forum geht richtig der Punk ab, ich frage mich was sich diese Leute von dieser abwitzigen Putin-Stiefelleckerei erhoffen? So niedrige Gaspreise dass man im Winter die Hütte auf 30 Grad heizen kann? Einmarsch Putins und Befreiung der Deutschen vom „Joch der EU“? Man weiß es nicht…

  2. aron2201sperber Says:

    die Ukraine könnte ihre Geldprobleme relativ einfach lösen, indem sie die Krim an Russland verkauft.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/krim-in-der-ukraine-bewaffnete-besetzen-parlament-a-955897.html

    dann dürfen sich die Russen mit einer mühsamen islamischen Minderheit mehr herumschlagen 😉

    • georg Says:

      Im Moment sieht es leider, leider, so aus, als müssten wir uns mit Tartaren, Faschisten und anderen Ukrainern herumschlagen, die glauben, allein die Abnabelung vom Osten garantiere ihnen die Erfüllung all ihrer kommerziellen und politischen Sehnsüchte.
      Dass die EU prompt über einen Milliardenkredit nicht nur nachdenken sondern den wohl auch gewähren muss, dürfte dabei schon das erste Anzeichen der Probleme sein, die auf uns zukommen werden.
      Die Russen werden, mit Ausnahme der Krim, wahrscheinlich auf den Rest dieses Pleitestaates gerne verzichten. Und ich frage mich, ob das jetzt das war, was wir alle wollten?

  3. dieter Says:

    Ähnliche Litaneien der Widersprüche und Doppelmoral kann man über die USA aufzählen. Schwer hat man’s, wenn man stramm antiamerikanisch, proamerikanisch oder prorussisch ist. Dann muss man die ständig wechselnden Verbündeten und Feinde der beiden Staaten mit mehrerlei Maß messen.

    Der Holodomor war im Marxismus-Leninismus begründet. Die Kulaken, eine erfundene Gruppe, wurden zum Klassenfeind erklärt. Kulaken waren alle jene, die sich nicht zwangskollektivieren ließen, der falschen Volksgruppe angehörten oder Stalin oder lokalen Bolschewiken aus sonstigen Gründen nicht in den Kram passten.

    Im dialektischen Denken des Marxismus-Leninismus, der von Hegel übernommen wurde, ist ein ständiger Wechsel des Freund-Feind-Schemas kein grundsätzliches Problem. Der Fortschritt der Geschichte erfolgt dieser Weltanschauung zufolge durch das Aufeinanderprallen von ständig neu entstehenden Gegensätzen.

    • aron2201sperber Says:

      man hat aus Doppelmoral eine Pseudo-Wissenschaft gemacht.

      nichts anderes ist der Marxismus-Leninismus.

      dass auch die USA (und der gesamte demokratische Westen) mit Nicht-Demokraten wie den Saudis Geschäfte machen muss, ist natürlich auch ein gewisser Widerspruch.

      das heißt jedoch nicht, dass man sich jene Regierungsformen bei den Geschäftspartnern wünscht.

      der Irak-Krieg mag faktisch ein Fehler gewesen sein, die Motive waren jedoch sehr wohl redlich (selbst wenn man sich durch einen demokratischen Irak auch wirtschaftliche Vorteile versprach).

      warum man gerade in Deutschland solche Schwierigkeiten hat, an der Redlichkeit zu glauben, kann wohl kaum an den eigenen Erfahrungen liegen.

      die BRD konnte sich als Teil der freien Welt prächtig entwickeln.

      Russlands Motive sind hingegen rein imperialistisch, auch wenn man sich nach wie vor selbst als „antiimperialistisch“ bezeichnet.

  4. American Viewer Says:

    Ich habe den SpOn-Kommentar auch gelesen und mal wieder sehr ähnliche Gedanken gehabt. Der Artikel-Entwurf muss noch irgendwo liegen, mal gucken, vielleicht fällt mir noch eine Ergänzung ein. Aber eigentlich hast du schon alles gesagt.

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