Kein Abhörskandal

Seit einem halben Jahr empört sich der Spiegel täglich über die Eingriffe in die Privatsphäre durch die NSA.

Wenn es jedoch um von Russland abgehörte Gespräche geht, echauffiert man sich auf einmal nicht mehr übers Abhören, sondern über die Abgehörte:

Die ukrainische Politikerin Julija Timoschenko hat in einem Telefongespräch ihrem Hass auf Putin und Russland freien Lauf gelassen. Solche Töne sind in der jetzigen Lage brandgefährlich.

(Spiegel)

Auch bei Berlusconis „Rubygate“ hatte sich schon jene Doppelmoral der Medien gezeigt.

Dass Italiens Justiz das Handy eines unliebsamen Politikers offenbar permanent abhören ließ, war für Spiegel & Co. ebenfalls kein Abhörskandal.

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9 Antworten to “Kein Abhörskandal”

  1. Carsten Says:

    Das ist keine Doppelmoral. Im einen Fall werden wir abgehört, im anderen irgendwelche Banausen in fernen Ländern.
    Ich möchte auch nicht von der NSA abgehört werden, hoffe aber zugleich, dass sie über prorussische (und auch über dubiose Gestalten der Gegenseite) Zündler in der Ukraine Informationen sammeln um adäquate Entscheidungen treffen zu können.
    Das einem man selber uind die Leute aus der Gruppe mit der man sich identifiziert wesentlich näher sind als irgendwelche Fremden, ist schon immer ein wesentlicher Bestandteil vieler Moralvorstellungen.

  2. zweitesselbst Says:

    Mein Fazit: Es geht nicht um Recht, sondern um eigene Interessen an Ressourcen

    • aron2201sperber Says:

      In Europa und den USA sind wir mit unseren Regierungen, die uns nicht die totale digitale Freiheit garantieren, zwar furchtbar unzufrieden – wirkliche Angst vor einer realen Verfolgung hat jedoch niemand.

      Trotz aller Empörung weiß man ganz genau, dass bei uns wohl kaum irgendwelche kleinbürgerlichen Internet-Che-Guevaras im Visier der Sicherheitsapparate stehen.

      Snowden ist mit sensiblen Daten zu Staaten gelaufen, die zwar nicht über dieselben technischen Möglichkeiten zur Erlangung von Informationen verfügen, jedoch bei der missbräuchlichen Nutzung wesentlich uneingeschränkter sind.

      Auch wenn der russische Geheimdienst nicht die Möglichkeit hat, auf die Daten von Google oder Facebook zuzugreifen, ist die Freiheit der ungestraften Meinungsäußerung keineswegs größer.

      Wie Russland mit einem Fall Snowden umgegangen wäre, kann man sich angesichts des Schicksals von Litwinenko leicht ausmalen.

  3. dieter Says:

    Dass sich Staaten gegenseitig ausspionieren, ist so alt, wie die Staat en selbst. Was mich erstaunt, ist, dass westliche Politiker unverschlüsselt per Telefon ihre Pläne austauschen. Wie naiv kann man sein? Timoschenko erörtert offenbar sogar die Endlösung der Russenfrage auf diese unvorsichtige Weise.

    Die Briten konnten den Funkverkehr der Nazis entschlüsseln und hörten alles mit. Es gab mW auch Spione im Telefonsystem. Klare Befehle für den Holocaust konnte man nicht aufzeichnen. Das machten Hitler, Himmler, Eichmann&Co alles per Vier-Augen-Gespräch. Stalin war sogar noch schlauer. Erst ließ er andere die Massenmorde duchführen, um sie anschließend als faschistische Infiltratoren und Feinde der Revolution hinzurichten.

    Der Held und hoffentlich einmal Friedensnobelpreisträger Edward Snowden hat aufgezeigt, dass die Angelsachsen eine neue Stasi aufgebaut haben, also das Volk möglichst umfassend ausspionieren wollen. Und die Lösung sieht er nicht naiverweise im Putinismus, Amerikanismus, oder sonst irgendeinem staatlichen Heilsbringer, sondern er fordert eine technologische Lösung, bzw, dass die bestehenden Lösungen benutzerfreundlicher werden.

    • aron2201sperber Says:

      sondern er fordert eine technologische Lösung, bzw, dass die bestehenden Lösungen benutzerfreundlicher werden.

      wie soll so eine Lösung ausschauen?

      Internet ermöglicht es im viel größeren Umfang zu kommunizieren, entsprechend gibt es natürlich auch mehr zu überwachen.

      Vorratsdatenspeicherung wird auch in Europa betrieben.

      früher wurde Internet weniger überwacht, weil es weniger Internet gab.

      genauso wie die Grenzkontrollen mit der Mobilität zugenommen haben, ist es logisch, dass auch das Internet je größer es wird, stärker überwacht wird.

      Internet-Freiheit bedeutet, Internet relativ uneingeschränkt benützen zu dürfen.

      Lobo, Snowden und Dir erscheint dies als Selbstverständlichkeit.

      wie man in der Türkei gerade sieht, ist es das jedoch nicht.

      in Ländern wie Kuba, Iran oder China ist ein eingeschränkter Internet-Zugang eine Selbstverständlichkeit

      • dieter Says:

        Snowden hat diesbezüglich unlängst auf einer Konferenz gesprochen, per Live-Schaltung.

        Perfekte Sicherheit gibt es nicht, aber man kann das massive und wahllose Abgreifen von Daten verhindern, egal ob durch die NSA, FSB, China oder sonstwen.

        Snowden hat darauf hingewiesen, dass die NSA vor dem 11.9. daran arbeitete, Spionage zu verhindern und nicht sie zu ermöglichen. Dieser Weg sollte wieder eingeschlagen werden.

        Wenn die NSA beispielsweise um Sicherheitslücken in einem Browser, Iphone, oder sonstwo bescheid weiß, sollte sie diese schließen helfen, anstatt sie geheim zu halten. Denn eine Lücke, die der NSA auffällt, wird auch den Russen, Chinesen oder irgendwelchen Kriminellen auffallen. (Die besten Hacker sind angeblich Russen und Osteuropäer).

        Greifbare Lösungsansätze:

        1. Verschlüsselung des gesamten Web-Traffic per HTTPS. Es gibt „https everywhere“ plugins für Firefox und Chrome. Viele Online-Anbieter haben aufgrund des NSA-Skandals umgestellt. Gmail geht nur mehr mit HTTPS.

        2. Jitsi ist eine Skype-Alternative mit Verschlüsselung.

        3. Das Bitmessage-Projekt sieht wie vielversprechender Ansatz aus, das anonyme und verschlüsselte E-Mail-Konten bringt.

        4. Owncloud bietet populäre Cloud-Dienstleistungen an, die man auf dem eigenen Smartphone, Router oder PC installieren kann.

        5. Verschlüsselung von SSD, Festplatte, Smartphone, etc. ist auf modernen Geräten schon eingebaut und benutzerfreundlich aktivierbar. Hilft primär gegen Diebe, aber auch gegen Geheimdienste.

        Mit diesen Methoden wären mal 99% der Inhalte verschlüsselt. Dazu gehört z.B. auch Passwort und Username, die auf Webseiten benutzt werden, usw.

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