Keine heilige Kuh

Putins Vorgehensweise in der Ukraine ist natürlich indiskutabel, jedoch keineswegs überraschend.

Von einem Mann, der den Zusammenbruch der Sowjet-Diktatur für die „schlimmste geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ hält, darf man sich nichts Anderes erwarten.

Putin definiert sich selbst durch seine Opposition gegen den Westen, was in Syrien dazu geführt hat, dass die Assad-Diktatur jahrelang von Putin künstlich am Leben gehalten wurde (zum Preis eines jahrelangen Bürgerkrieges mit 150.000 Toten).

Trotzdem halte ich gerade die territoriale Integrität der Ukraine für keine heilige Kuh (dasselbe gilt natürlich auch für Syrien).

Staatsgrenzen beruhen nicht auf Naturgesetzen und können daher neu gestaltet werden, wenn sich die Umstände ändern.

Wenn in einer Region eine Mehrheit zu Russland will, sollte sie das dürfen (selbst wenn Putin es umgekehrt nicht gestatten würde).

Auch an Hitler war nicht der Anschluss von Österreich und dem Sudetenland das große Problem, sondern seine Ablehnung von zivilisatorischen Errungenschaften wie Demokratie und Menschenrechte.

Gerade diese Haltung gefällt der extremen Rechten, die ihn völlig zu Recht als einen typischen rechten Führer ansieht.

Die extreme Linke verteidigt Putin hingegen aus rein sentimentalen Gründen, da er den verloren geglaubten Kalten Krieg gegen den Westen fortsetzt.

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24 Antworten to “Keine heilige Kuh”

  1. dieter Says:

    Für dich ist es keine heilige Kuh. Für Nuland, NATO, die EU und natürlich auch Russland sind aber gerade die Ostukraine mit ihrer Industrie und den Rohstoffen und die Krim mit Sewastopol von Bedeutung. Eine unabhängige Westukraine wäre wahrlich kein Zankapfel um den es sich zu streiten lohnt.

    Dein Glaube an die Allmacht Putins ist ja wirklich unerschütterlich, wenn du ihm den syrischen Bürgerkrieg anlastest. Putin hatte keinerlei Interesse an diesem Krieg.

    Es ist ganz klar der Westen, gemeinsam mit arabischen Verbündeten, der in den letzten Jahren Revolution und Umstürze anfeuert, die nun mal häufig in Bürgerkriegen und Massenmord resultieren.

    • aron2201sperber Says:

      Es ist ganz klar der Westen, gemeinsam mit arabischen Verbündeten, der in den letzten Jahren Revolution und Umstürze anfeuert, die nun mal häufig in Bürgerkriegen und Massenmord resultieren.

      Mubarak und Ben Ali waren Verbündete des Westens.

      ich darf dich erinnern, welche Leute die arabische Revolution tatsächlich bejubelt hatten:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/06/15/hoch-lebe-die-arabische-revolution/

    • aron2201sperber Says:

      Dein Glaube an die Allmacht Putins ist ja wirklich unerschütterlich, wenn du ihm den syrischen Bürgerkrieg anlastest. Putin hatte keinerlei Interesse an diesem Krieg.

      Assad wäre wohl schon längst im Exil, wenn Putin und die Mullahs nicht auf die Weiterexistenz seines Regimes bestanden hätten:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2014/01/20/11097/

      • jauhuchanam Says:

        eine merkwürdig absurde, aber vor allem billige und gefährliche Propaganda, als ob die betroffenen Menschen und die Opfer nichts als Fliegen oder Gojim wären.

        Statt „Assad“ setze ich „Israel“ oder „Netanyahu“ und statt Putin und die Mullahs eben Obama und den Papst ein.

        Ein schönes lineares Denken.

        … und Tschüß

    • aron2201sperber Says:

      Auch Gaddafi hatte den Israelis zu Beginn des “Arabischen Frühlings” eine „Erhebung der arabischen Massen” an den Hals gewünscht.

      Stattdessen ist er selbst daran verreckt.

    • besucher Says:

      Die Ostukraine genügt mit ihrer „Industrie“ keinerlei internationalen Ansprüchen. Und zu den Bodenschätzen: Da lohnt es sich eher in Polen noch ein paar Kohlengruben aufzumachen. Ich weiß nicht wie man immer daraufkommt dass irgendwo in Hinterzimmern eine Goldgräberstimmung in einem Land ausgerufen wird und alle müssen da jetzt rein.

  2. dieter Says:

    Jürgen Elsässer beeinflusst nicht das Weltgeschehen. Und er befürwortete die arabische Revolution nur kurzfristig, als er noch nicht wusste, wie der Westen dazu stand.

    Dass der Westen (Medien+Regierungen) die arabischen Aufstände blauäugig bejubelt haben, wirst du wohl kaum abstreiten können. Schließlich hast du gegen diesen Unsinn jahrelang selber angeschrieben.

    Im Vorfeld lud Barak Obama anlässlich seiner Kairoer Ansprache die Muslimbruderschaft ein, die damals in Ägypten verboten war. Damit brüskierte er Mubarak, der daher nicht erscheinen konnte.

    Bei fast all diesen Revolutionen findet man auch immer die Handschrift der immer gleichen westlichen NGOs, die Aktivisten darin schulen, Demos zu veranstalten und die Massen auf die Straße zu bringen. Solche Demos gehören im Westen quasi zur Tradition, werden aber meist nicht einmal ignoriert. Und falls zuviele Autos in Brand gesteckt werden, dann schlägt sie eben eine routinierte Polizeieinheit nieder.

    In Ländern, in denen es aber schwelende ethnische, religöse oder andersartige Konflikte und Bruchlinien gibt, kann so ein Massenprotest schnell ins Auge gehen, wie wir ja jetzt in der Ukraine wieder einmal beobachten können.

    Selbst, wenn die Revolution friedlich verläuft, verändert sie nichts an den Missständen im Land. Die Ukraine hatte ja schon mal eine orangene Revolution.

    • aron2201sperber Says:

      Jürgen Elsässer bejubelte die Revolution solange sie sich gegen Verbündete des Westens richtete.

      Israel hatte gerade beim Sturz Mubaraks wohl berechtigte Sorgen, dass eine Despotie, mit der man sich arrangiert hatte, durch eine wesentlich gefährlichere Islamisten-Despotie ersetzt werden könnte.

      bei Ägypten war Elsässer das Schicksal der Christen noch völlig egal (bei Syrien hat er dann plötzlich seine Sorge für die christliche Minderheit entdeckt)

      Und er befürwortete die arabische Revolution nur kurzfristig, als er noch nicht wusste, wie der Westen dazu stand.

      erst als sich die Revolution gegen von Elsässer als „antiimperialistisch“ empfundene Diktaturen (die übrigens wesentlich totalitärer als Mubarak oder Ben Ali waren) richtete, wurde Elsässers Revolutionsbegeisterung getrübt und nicht etwa durch die Haltung des Westens.

      der Westen hatte sich übrigens zuvor mit Elsässers „Antiimperialisten“ Gaddafi bestens arrangiert, und hätte in Libyen nie von sich aus einen Umsturz betrieben.

      Gaddafis Terrorjahre lagen zu dem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte zurück – Berlusconi war Gaddafis bester Bunga-Bunga-Kumpan, Obamas hätte von sich aus sowieso gar nichts gemacht.

    • aron2201sperber Says:

      Jürgen Elsässer beeinflusst nicht das Weltgeschehen.

      das haben die westlichen Kommentatoren, die wie Elsässer die Revolution naiv bejubelt hatten, auch nur sehr eingeschränkt.

      dass ein Aufstand in Tunesien sich zu einer “Arabischen Revolution” ausweiten würde, die einen Mubarak zu Fall bringen würde, hätte wohl niemand voraussehen können.

      Elsässer beeinflusst zwar nicht das Weltgeschehen, aber er ist voll auf Putins Linie und zeigt wie Putin tickt – und der beeinflusst das Weltgeschehen gewaltig: insbesondere in Syrien.

      Mubaraks Ägypten war zwar mindestens genauso säkular wie Assads Regime, und im Gegensatz zu Assad unterstützte Mubarak auch außerhalb seines eigenen Landes keine extremistischen Terrororganisationen wie die Hisbollah.

      Mubarak hatte jedoch keine Verbündeten, die ihn dazu ermutigt hätten, einen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung zu führen und damit das Schicksal der christlichen Minderheit an sein eigenes Schicksal zu ketten.

  3. Tourix Says:

    Putins Vorgehen muss nicht zwangsläufig eine Oposition gegen den Westen darstellen.
    Es kann auch einfach nur auf eine andere Sichtweise beruhen.

    Bei Syrien haben wir es wohl der Haltung Russlands zu verdanken, dass keine Terroristen das Land übernehmen.
    Und in der Ukraine wurde eine legitim gewählte Regierung von einer Minderheit (nach dem Wahlergebniss) weggeputscht.

  4. American Viewer Says:

    Ich finde man sollte die beiden Dinge (Selbstbestimmung und Putins Destabilisierungspolitik) nicht vermischen. Natürlich gibt es ein Recht auf Selbstbestimmung im demokratischem Rahmen.

    Aber es gibt kein Recht auf Selbstbestimmung zum Anschluss an ein diktatorisches Land. Die demokratischen Voraussetzungen, die für eine Selbstbestimmung notwendig sind, liegen in der Ostukraine nicht vor.

    Oder um es anders auszudrücken: Es macht keinen Sinn eine Abstimmung durchzuführen, wenn Putins Sender Propaganda senden, Putins Soldaten neben den Wahlkabinen stehen und am Ende Putins Leute die Stimmen „zählen“. Und das sind nur ein paar Beispiele.

    Selbst wenn eine reale Mehrheit den Regime-Anschluss wollte, muss sich die Minderheit niemals diesem Willen beugen.

    • jauhuchanam Says:

      the typical american fascistic view.

      „Natürlich“. Natürlich was?
      „Recht“. im amerikanischen Rahmen, klar nicht im Rahmen der Deklaration der Allgemeinen Menschenrechte.

      Ja, Ja, das „Recht“ gilt immer nur für die anderen. Wir Imperialisten stehen darüber, wir brauchen uns daran nicht zu halten, denn wir sind echte Demokraten und wissen über alles besser bescheid, vor allem besser als die Menschen vor Ort.

      Putins Soldaten scheinen dir schwerer im Magen zu liegen als Obamas Todesschwadron in Odessa? Ach, ich hatte vergessen Guantanamo wurde ja vor Jahren schon von ihm persönlich geschlossen.

      So und dann beweise mal, dass deine USA keine faschistische Diktatur ist.

  5. besucher Says:

    Hier ein paar Statements der russischsprachigen Ukrainer Richtung Moskau:

    • qwertzman Says:

      hach, so viel Pathos, „die Ratten werden in ihrem eigenen Blut baden“, na dann…

    • qwertzman Says:

      hier die vk-seite von leonid kornilov: http://vk.com/leonid_kornilov
      und ein interessanter Post über Beresowski: http://vk.com/wall-34081605_297
      Ich kann zwar kein Russisch/Ukrainisch, aber der Google-Übersetzer spuckt irgendwas von „Blutsauger“, „Satansernährer“, „Sovereign Sauger“ (vielleicht Volksaussauger?) und „washed-Jew“ aus und für mich sieht das ganze nicht nach einer Widerlegung antisemitischen Wahns aus.
      Aber vielleicht irr ich mich ja auch, kann hier jemand Russisch? 🙂

      • qwertzman Says:

        folgendes steht auf dem Bild im Post: „БЕРЕЗОВСКИИ СДОХ

        Ну что же… Ждём остальных… Не стесняйтесь, суки“

  6. 50Pf Says:

    Hallo Sperber,
    Du kannst die „Föderation Inkorrekter Blogger Deutschlands“ wieder aus dem Blogroll enfernen. Die Jungs haben nicht verstanden, dass die Seite nur ein Menu für ähnliche Blogs sein soll. Wieder mal wurde bewisen, dass man keine 3 blogger unter einen Hut bekommt!

    50Pf ist ab sofort kein Blog mehr sondern eine Religion!

    Hier kann online konvertiert werden:
    http://50pf.wordpress.com/50pf-die-religion/

  7. 50Pf Says:

    50Pf – erster Blog mit eingebauter Religion – eröffnet neuen Tempel:
    Heute ist Tag des offenen Links:
    http://50pf.wordpress.com/der-tempel-des-heiligen-thilo/

    Aber bitte erst konvertieren!
    http://50pf.wordpress.com/50pf-die-religion/

    Vielen Dank!

  8. In Russlands oder Putins Interesse? | Aron Sperber Says:

    […] das Schicksal von Hunderttausenden Russen, die heute in der Ost-Ukraine eingekesselt oder auf der Flucht sind, […]

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