Traumland für Erpresser

Ein italienischer Minister hat es erstmals offen zugegeben: Italien hat für die Freilassung entführter Geiseln Lösegeld bezahlt.

Das ist allerdings keine Spezialität der neuen Regierung: 2004 wurden zwei italienische NGO-Mitarbeiterinnen im Irak entführt. Nachdem die zwei NGO-Mitarbeiterinnen ihre Entführer ausführlich gelobt hatten:

„Wir sind mit großem Respekt behandelt worden, alles ist gut verlaufen“, sagte Pari zu wartenden Journalisten. Ihre Entführer seien „religiöse Menschen gewesen, die uns die Grundsätze des Islam lehrten und uns am Ende sogar um Entschuldigung baten“

(news)

…bedankte sich ihre NGO immerhin auch „trotz aller politischen Differenzen“ sogar bei der Regierung Berlusconi:

Am selben Abend flogen die beiden nach Italien, wo eine ganze Nation – in der drei Wochen lang ein Klima der »nationalen Einheit« herrschte – jubelnd auf ihre »Friedensengel« wartete. Und wie es zu jedem Happy End gehört, bedankten sich erst mal alle bei allen: die beiden Entführten beim »italienischen Volk«, der islamischen Community in Italien und den vielen Vertretern der »arabischen Welt«, die sich für ihre Freilassung eingesetzt hatten; die NGO »Eine Brücke für …« bedankte sich »trotz allem, was uns politisch trennt«, bei der Regierung Berlusconi.

(Jungle World)

Mit jeder Zahlung von Lösegeld motiviert man die Terroristen zu weiteren Erpressungen.

Italien hatte in der 70er-Jahren eigentlich genug Erfahrungen gemacht, um diese Lektion zu lernen. Als Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt worden war, forderte er seine Parteifreunde dazu auf, ebenfalls auf die Forderungen der Erpresser einzugehen, wie er es selbst zuvor – insbesondere bei palästinensischen Terroristen – selbst getan hatte.

Man kann seinen Kumpanen Cossiga und Andreotti zwar vieles vorwerfen.

Dass sie trotz der Notlage ihres Parteifreundes hart geblieben waren, um die Entführungs-Spirale endlich zu stoppen, war eine ihrer wenigen verantwortungsbewussten Taten als Politiker.

In Deutschland musste die Regierung bei der Entführung Schleyers die gleiche Situation durchstehen. Für Moros Ermordung wurden in Italien jedoch nicht die Täter verantwortlich gemacht.

Stattdessen wurde der Christdemokrat bzw. „Faschist“ in weiterer Folge zu einer linken Ikone stilisiert, der von seinen rechten Parteigenossen aus dem Weg geräumt worden sei, um den „Historischen Kompromiss“ zwischen Christdemokraten und Kommunisten zu verhindern.

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7 Antworten to “Traumland für Erpresser”

  1. American Viewer Says:

    Ein sehr wichtiger Artikel wie ich finde. Ich habe vor einigen Tagen auch schon einmal in eine ähnliche Richtung recherchiert.

    Besonders krass finde ich nachfolgende Stelle:

    „Wir sind mit großem Respekt behandelt worden, alles ist gut verlaufen“, sagte Pari zu wartenden Journalisten. Ihre Entführer seien „religiöse Menschen gewesen, die uns die Grundsätze des Islam lehrten und uns am Ende sogar um Entschuldigung baten“, sagte die Freigelassene Simona Torretta. Torretta sagte weiter, sie werde vermutlich in den Irak zurückkehren.

    „Die Islamisten waren supernett. Danke auch, dass ihr Europäer so dumm seid und eine Million Dollar für mich direkt an islamische Terroristen bezahlt habt. Alles ist gut verlaufen, alles bestens. Ich werde dann demnächst mal wieder in den Irak zurückkehren!!!“

    Man würde es kaum glauben können, wenn es nicht immer und immer wieder genau so schwarz und weiß in den Medien geschrieben würde.

    Ich schreibe dazu jetzt nichts mehr, ich bin so wütend, ich muss mich jetzt erst einmal irgendwie abreagieren.

  2. Carsten Says:

    Die Italiener werden damit in der westlichen Welt wohl eher nicht alleine dastehen. Richtig konsequent ist eher niemand, am ehesten noch, wenn es wie bei Schleyer wen politische Forderungen gestellt werden. Solange es nur ums Geld geht ist es schon einfacher. Ideal ist es natürlich, wenn die Beschaffung des Geldes privat vollzogen wird. Dann kann der Staat vermitteln und braucht selber auf keine Forderungen einzugehen. Den Entführern denen es ums Geld geht, wird es eher egal sein wo es herkommt.

    • 50Pf Says:

      Ich bin auch dafür das wir Ingo Kramer entführen!

      Hat jemand einen großen Keller, oder wenigstens einen schönen schalldichten Kleiderschrank? Zur Not würde auch ein Wäschekorb reichen.
      Lasst uns mal über unsere Forderungen diskutieren. Also ich bin dafür, dass wir Horst Mahler da lassen wo er ist. Der würde auch zur Al-Qaida überlaufen, wenn er dafür eine Einzelzelle, 3 warme Mahlzeiten und genug Buntstifte für seine Pamphlete bekommt.

  3. qwerty248 Says:

    Schade, dass es keine Scheinchen gibt, die sich in Luft auflösen.

  4. Frager Says:

    Da kann man nur hoffen, dass die Salafisten beim nächsten mal Sie oder ihren Amerikanischen Kumpel erwischen – ich bin gewiss, dass Sie Beide und ihre Familien, aufgrund ihrer in Aufklärung und Vernunft gegründeten Prinzipien, jegliche Lösegeldzahlung zurückweisen werden. Erfreulicherweise ist, bei solch ausgeprägter Charakterstärke und Willenskraft, bei Ihnen nicht mit peinlichen Auswirkungen des Stockholm-Syndrom zu rechnen. Aus Sicht des Demokratischen Rechtsstaates wären Sie die idealen Geiseln, reisen Sie doch mal nach Syrien.

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