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WSG und RAF im gleichen Ausbildungslager

Dezember 14, 2014

KARLSRUHE/MÜNCHEN – Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest wird der Fall neu untersucht. Die Bundesanwaltschaft geht neuen Hinweisen einer Zeugin auf mögliche Drahtzieher nach. «Ich habe heute angeordnet, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden», sagte Generalbundesanwalt Harald Range am Donnerstag in Karlsruhe. «Mord verjährt nicht.» Die bisher unbekannte Zeugin könnte auf mögliche Mitwisser hindeuten.

Bei dem Anschlag 1980 waren 13 Menschen getötet und 200 verletzt worden. Unter den Toten war auch der Attentäter, der 21-jährige Gundolf Köhler, Anhänger der rechtsextremen «Wehrsportgruppe Hoffmann». Er wurde zeitweise als Einzeltäter angesehen.

Dass nach fast 35 Jahren eine Zeugin auftaucht, hängt wohl mit dem Bemühungen des Autors Chaussy zusammen, aus dem Anschlag eines Einzeltäters doch noch eine große rechte Verschwörung zu machen.

Irgendjemand findet sich immer, der nach dem Konsum einer solchen Lektüre meint, Zeuge für die Theorien zu sein.

Im Bommeleeer-Prozess tauchte ebenfalls ein spektakulärer Zeuge auf. Der angebliche Historiker erwies sich jedoch als Histrioniker, der wohl lediglich Daniele Gansers „Standard-Werk“ zu Gladio studiert hatte.

Gundolf Köhler hatte zwar an Übungen der WSG Hoffmann teilgenommen, in der Zeit vor dem Anschlag konnten jedoch trotz jahrelanger Ermittlungen und Prozesse keine Kontakte nachgewiesen werden.

Die WSG Hoffmann war im Jänner 1980 zu Recht verboten worden: wenn man Krieg spielt und radikale Militanz fördert, schafft man ein gefährliches Umfeld, aus dem naturgemäß Gewaltverbrechen hervorgehen können.

Der Attentäter vom Oktoberfest war bei der WSG geschult worden, und ein Mitglied der WSG Hoffmann hatte einen Mord verübt.

Die WSG Hoffmann hatte jedoch nie als Gruppe gehandelt, was eine Terrororganisation ausmacht.

Auf das Konto von Bewegung 2. Juni, RAF, RZ, die stets als Organisation und nie als Einzeltäter handelten, gingen über 50 Morde, Anschläge, Entführungen, Banküberfälle.

Die linken Terrororganisationen hatten allerdings erst nach ihrer Schulung in den Ausbildungslagern der PFLP, wo auch die WSG Hoffmann um 1980 gelandet war (wohl wie die RAF auch über Stasi-Verbindungen), so richtig losgelegt.

Vielleicht wäre aus der WSG Hoffmann danach auch noch eine richtige Terrororganisation geworden. Dazu kam es jedoch nicht, weil Hoffmann & Co. im Gefängnis landeten und es keine Sympathisanten-Szene wie bei der RAF gab, die weitere Generationen von Terroristen hervorbringen hätte können.

Tatsächlich war den Behörden schon damals bekannt, dass Rechtsextreme von der Stasi gefördert wurden.

Als Strauß auf diese Umstände hinwies, wurde er von den linken Leitmedien als „Demagoge“ abgekanzelt:

„Ich habe zum Beispiel Informationen, wonach rund zwei Dutzend “ “ Mitglieder einer rechtsradikalen Splittergruppe aus der „DDR“ “ “ kommen. Sie sollen zum Teil sogar von der Bundesregierung “ “ freigekauft worden sein und unter Beobachtung des “ “ Verfassungsschutzes stehen. “

Davon, daß massenhaft Ostagenten in die Neonazi-Szene „eingefiltert“ (Strauß) worden seien, weiß der Verfassungsschutz freilich nichts. „Blanker Unsinn“, urteilte Richard Meier, der Präsident des Kölner Bundesamtes.

„Strauß“ demagogische Vorwürfe“ seien, kommentierten in- und ausländische Blätter, „so abstrus, daß man sich nur an den Kopf fassen kann“ („Süddeutsche Zeitung“). Mit seinem Versuch, als einziger namhafter Politiker die Terrortat in den Wahlkampf zu zerren, habe der Kandidat, so Zürichs „Tages-Anzeiger“, abermals bewiesen, daß er „in kritischen Situationen seine Nerven nicht im Zaum halten“ könne.

(Spiegel – 06.10.1980)

Welchen Sinn es für die Stasi hatte, nicht nur die linken, sondern auch die rechten Terroristen zu fördern, offenbart sich, wenn man über die damalige Sowjet-Propaganda gegen die „braune BRD“ liest:

Derzeit haben die vielpublizierten Aktivitäten der Wehrsportgruppe Hoffmann — ein DDR-Film über die Neonazi-Truppe ist Dauerhit auf Moskauer Fernsehkanälen –, das Attentat in München, Anschläge auf Ausländer und Berichte darüber in deutschen Medien zu einer ungewöhnlich massiven Neonazi-Welle in der Sowjet-Berichterstattung geführt, bei der praktisch alle Blätter mitmachen.

(Spiegel – 01.12.1980)