Raskolnikow und Augstein

Rauch über Frankfurt. Vermummte setzen Streifenwagen und Barrikaden in Brand. Steine fliegen auf eine Polizeiwache. Die Europäische Zentralbank eröffnet ihr neues Gebäude. Blockupy demonstriert. Man sei auf Gewalt vorbereitet gewesen, sagte eine Sprecherin der Polizei, aber „mit derartigem Hass und Aggression konnte man nicht rechnen“

Tatsächlich nicht? Wussten die Behörden nicht, dass es einen großen Zorn gibt in Europa? Auf die Banken und ihren Kapitalismus, der sich selbst zu schützen vermag, aber nicht die Menschen.

Aber gibt es eine legitime politische Gewalt, die nicht vom Staate ausgeht?

(Augstein)

Raskolnikow rechtfertigte den Mord an seiner geizigen Pfandleiherin mit der Überlegenheit seiner Existenz.

Augstein ist zwar nicht darauf angewiesen, sich wie der mittellose Raskolnikow selbst die Hände selbst schmutzig zu machen.

Die Absolution, die Augstein den linken Gewalttätern erteilen will, fußt jedoch auf dem gleichen Überlegenheitsdünkel.

Dem einen stört der Kapitalismus, dem anderen die Islamisierung.

Beides gehört zu Deutschland, mit beidem muss man nicht einverstanden sein, und gegen beides sollte man daher auch demonstrieren dürfen.

Sowohl islamische Asylanten als auch Kapitalisten müssen jedoch vom Staat geschützt werden, wenn das Recht auf friedlichen Protest für Gewalt missbraucht wird.

Augstein will weder den Gegnern der Islamisierung ihr Recht auf Versammlungsfreiheit zugestehen, noch will er den Kapitalisten Schutz vor Gewalt zuteil werden lassen:

Damals blitzte die Wahrheit des Systems auf: Es war der Kapitalismus selbst, zu dessen Schutz sich die Polizei berufen sah. Nicht zum Schutz von Staat, Gesellschaft oder Demokratie. Die Bankenstadt war damals der richtige Ort für den Protest und ist es auch heute.

Auch wenn ein Mob ein Asylantenheim attackiert, muss die Polizei ihren Kopf hinhalten, selbst wenn sich die Gewalt nicht gegen „Staat, Gesellschaft oder Demokratie“, sondern wie bei Blockupy gegen ein anderes Feindbild richtet.

Unser System, das Augstein so verachtet, hat die kleinsten Asylanten genauso wie die größten Kapitalisten zu schützen.

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5 Antworten to “Raskolnikow und Augstein”

  1. Eloman Says:

    Wie ich immer sage: Augstein ist halt ein antisemitischer Champagnersozialist. Erinnert mich irgendwie an Feltrinelli.

    • aron2201sperber Says:

      Feltrinelli war schon eine ganz eigene Nummer – allerdings ist Feltrinelli auch erst in Augsteins Alter endgültig durchgedreht und vom linken Verleger zum Organisator des linken Terrors geworden.

      im Moment ist Augstein noch auf dem Level, bei dem viele Rechtfertiger von Gewalt vor dem Start des linken Terrors der 68er waren.

      die Logik, wonach der Terror wegen Vietnam nach Europa getragen werden dürfe, wurde auch schon anlässlich des (nie aufgeklärten) Kaufhausbrandes von Brüssel von Kunzelmann bemüht:

      Am 22. Mai 1967 brannte in Brüssel das Kaufhaus À l’innovation. 322 Menschen kamen dabei ums Leben. Dieses Ereignis inspirierte die Berliner Kommune 1 zu Flugblättern, in denen einerseits das menschliche Leid bedauert, andererseits aber auch die Freude an der Zerstörung des kapitalistischen Symbols zum Ausdruck gebracht wurde. Das Leid der Betroffenen wurde mit dem Leid der im Vietnamkrieg mit Napalm bombardierten Menschen verglichen.[2]

      Flugblatt Nr. 7 „Warum brennst du, Konsument?
      […] Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen vermittelte zum ersten Mal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnamgefühl (dabei zu sein und mitzubrennen), das wir in Berlin bislang noch missen müssen. […] So sehr wir den Schmerz der Hinterbliebenen in Brüssel mitempfinden: wir, die wir dem Neuen aufgeschlossen sind, können, solange das rechte Maß nicht überschritten wird, dem Kühnen und Unkonventionellen, das, bei aller menschlichen Tragik im Brüsseler Kaufhausbrand steckt, unsere Bewunderung nicht versagen. […]
      Kommune I (24.5.1967)“[3]

      http://de.wikipedia.org/wiki/Kaufhaus-Brandstiftungen_am_2._April_1968

    • aron2201sperber Says:

      was Augstein zu einem Feltrinelli fehlt, ist ein Ostblock.

      mit Geld allein lässt sich das, was Feltrinelli schuf, nicht erzeugen.

      dazu brauchte es schon die logistische Unterstützung von KGB & Co, die dem vertrottelten Milliardär-Söhnchen gern bei seinem Irrsinn behilflich waren.

  2. Olaf Says:

    Andreas Baader hatte auch viel Zorn in sich, wenn er die Comic-Hefte zur Seite legte, und die Knarre lud. Nur damals waren alle Politiker gegen den Linksterrorismus, heute unterstützen alle Politiker den Linksterrorismus. So ändern sich die Zeiten im Fragmentstaat BRD. Die Patin der Antifa-RAF Schwesig hat in den Koalitionsvertrag schreiben lassen: Der Linksradikalismus und der Islamismus werden NICHT bekämpft, sondern nur der sog. Rechtsextremismus. Und die CDU hats unterschrieben.
    Zwei Dinge sind bei den Krawallen doch offensichtlich:

    1. Die Polizei hat Anweisung sich nicht zu wehren (Man stelle sich vor, in den USA würden linke Spinner ein Polizeiauto oder Revier angreifen, da wäre aber Blei in der Luft und ganz schnell Ruhe, innerhalb von einer Minute)
    2. Die linken Straftäter werden vom Staat finanziert und nicht bestraft. Die „Karriere“ in den Jugendorganisationen der linken Parteien geht weiter, die Kriminellen von heute sind die Minister von morgen.

  3. aron2201sperber Says:

    Augstein rechtfertigt die linke Gewalt – wenn es einmal Tote gibt, werden Rechtfertiger wie er, jedoch nichts mehr davon wissen wollen und das ganze zu einer rechten Strategie der Spannung umdeklarieren:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/10/10/niemand-in-gefahr/

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